Irak: Die Villa am Rande des Wahnsinns
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Unsere WG stiftet schon bald Unruhe. Fünf berufstätige, überwiegend unverheiratete Frauen ohne Mann in einem Haus, das hat es in Suleimania vermutlich noch nie gegeben. Immer findet sich irgendein Bruder, Cousin oder Schwager, der auf die Töchter, Schwestern, Frauen aufpasst, wenn der Vater oder der Ehemann gestorben, verschwunden oder vorübergehend abwesend ist.
Frauen allein zu Hause, das kann doch nur Ärger geben.
Natürlich wusste ich, dass ich in Kurdistan anders leben würde, anders leben müsste als in Hamburg. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Respekt vor der anderen Kultur und Verrat der eigenen Identität? Ich kann nicht tagsüber als Dozentin für couragierten Journalismus auftreten und mich abends nicht ohne männliche Begleitung in ein Restaurant wagen.Aber wie weit kann ich auf gewohnten Freiheiten bestehen, ohne mich zu gefährden?
Gemeinhin gilt der kurdische Norden als der liberalste Teil Iraks. Doch wer, zumal als Frau, länger als ein paar Wochen hier lebt, lernt noch eine andere, dunkle Seite kennen. Eine, die aus Freude darüber, dass es wenigstens eine Region im Irak gibt, in der nicht täglich mehrere Dutzende Menschen gewaltsam sterben, leicht übersehen wird.
Als ich im Unterricht erkläre, was eine Nachricht ist - etwas, das neu, anders, ungewöhnlich ist -, fragt eine junge Kurdin: "Eine Frau, die sich mit Kerosin überschüttet und anzündet, um Selbstmord zu begehen, ist also keine Nachricht, weil das hier jeden Tag geschieht?" 830 Frauen setzten sich nach Angaben der Notfallklinik in Suleimania im ersten Halbjahr 2006 selbst in Brand, 350 haben den Selbstmordversuch nicht überlebt. Die Motivsuche ist schwierig: Oft schieben die Familien aus Sorge um die Ehre einen Unfall vor, wo in Wahrheit Gewalt, eine unglückliche Ehe oder eine verbotene Liebschaft dahinterstecken.
Kurdistan ist kein Land, wo man sich mal eben so verliebt. Nie würde sie mit einem Mann ausgehen, über dessen Heiratsabsichten sie im Ungewissen sei, erzählt mir eine Studentin. Mehrfaches Ausgehen mit einem Mann, der nicht ihr Verlobter sei, könne Rufmord bedeuten, sagt sie - und dem Mord am Ruf kann noch immer leicht ein echter folgen.













