Cyber-Mobbing: Der Krieg im Internet
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Petra Kain wird den Lehrern an diesem Vormittag klarmachen, welche Straftaten ihre Schüler im Cyberspace Tag für Tag begehen, oft ohne zu wissen, dass ihr Verhalten kriminell ist. Sie wird über Cyber- Mobbing sprechen, das neue Super-Problem der Schulen, jeder vierte Jugendliche kennt jemanden, der im Netz schon mal fertiggemacht wurde. Sie wird vor leicht zugänglichen Hardcore-Pornoseiten und brutalen Online-Spielen warnen und eines der bei Teenies angesagten "Snuff"-Videos vorführen: Eine Frau wird per Kopfschuss hingerichtet. Das Verschicken solcher Clips gilt in vielen Cliquen als Mutprobe. Vor dem Einblick ins virtuelle Gruselkabinett liefert Petra Kain, selbst Mutter eines 12-jährigen Jungen, dem Publikum jedoch wie immer ein paar trockene Fakten - mit Überraschungseffekt: "Ab der vierten Klasse hat fast jeder Schüler ein Handy", sagt sie und blickt selbst hier in einige erstaunte Mienen. "96 Prozent der Haushalte mit Kindern haben Internet. 59 Prozent der Teenager sind täglich im Netz, meist zwei Stunden. Erwachsene surfen nur halb so viel." Die Lehrer schreiben eifrig mit. "Und jetzt kommt's", sagt Petra Kain: "40 Prozent der Eltern geben an, sich wenig bis gar nicht um die Medienerziehung ihrer Kinder zu kümmern."
„"Cyber-Mobbing ist das neue Super-Problem"“
Empörtes Gemurmel. Hatte man es doch vermutet: Die Eltern lassen die Zügel schleifen, die Schule soll's richten! "Das geht so tatsächlich nicht weiter", bestätigt Petra Kain. "Zurzeit ist der Cyberspace der elterlichen Kontrolle fast völlig entzogen. Dabei tragen die Eltern für ihre Kinder die Hauptverantwortung." Aber, betont sie dann: "Auch die Schule kann etwas tun." Zum Beispiel den Gebrauch von Handys während des Unterrichts verbieten. "Sie werden damit nicht verhindern, dass sich die Kinder Snuff-Videos zuschicken, das passiert dann eben nach der Schule. Aber Sie setzen ein Zeichen."
Als Petra Kain vor einem Monat denselben Vortrag vor den Eltern der Unterstufe einer Gesamtschule hielt, war nur ein Viertel der Geladenen gekommen. Manche hatten die schriftliche Einladung der Schule einfach mit der Notiz "kein Bedarf" zurückgeschickt. "Unverantwortlich" findet das die Kommissarin. "Meist kommen solche Sprüche nämlich gerade von denen, die am wenigsten Ahnung haben: Was ich nicht weiß, macht mich nun mal nicht heiß." Dabei könnten die neuen Herausforderungen nur gemeistert werden, wenn alle mitmachten: Lehrer, Eltern, Schüler.
In dem Kampf, den Jugendschützer wie Petra Kain führen, geht es vor allem um die Verteidigung von Grenzen. Ein Ziel, das erst mal merkwürdig klingt, hat man es doch mit einem Medium zu tun, an dem gerade die Grenzenlosigkeit fasziniert. Doch genau hier, findet Kain, liegt das Problem. Irgendwann im Laufe ihres Vortrags zeigt sie ihren Zuhörern meist eine Gruppenseite auf SchuelerVZ. Jedes Community-Mitglied kann eine solche Gruppe gründen, jeden Tag gibt es 2300 neue. Zwar können sie auf Anfrage vom Administrator wieder gelöscht werden. Bis das geschieht, dauert es aber oft Tage, die Flut der Beschwerden ist groß: 5000 täglich.












