Cyber-Mobbing: Der Krieg im Internet

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Die Gruppe, die Petra Kain heute auf die Leinwand beamt, heißt "Laura, wir hassen dich alle". Neben dem Titel prangt Lauras Foto, von Flammen umrahmt. 22 Schüler sind Mitglieder. "Das einzige Ziel dieser Gruppe ist das Lästern über Laura", erklärt sie dann, "nonstop. Sobald sie sich mittags in die Community einloggt, wird sie böse Mails in ihrem Postfach finden, wenn sie Pech hat, hat sie in ihrem Profil ihre Handynummer angegeben, dann kommen die Sprüche auch per SMS." Ein Lehrer habe ihr von einer Mutter erzählt, die eines Tages weinend vor dem Lehrerzimmer stand, weil ihr Sohn halbstündlich mit SMS bombardiert wurde: "Wir finden dich, wir kriegen dich, wir töten dich." Der Cyberspace, sagt Petra Kain, sprenge nicht nur die räumlichen Grenzen, auch die zeitlichen. Das dehne seinen Einfluss aufs reale Leben beängstigend weit aus: "Wenn Kinder früher gemobbt wurden, hieß es: Nach der Schule sind sie in Sicherheit. Heute ist das Zuhause kein sicherer Ort mehr."

Wie kann man in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Virtualität und Realität schwinden, noch Sicherheit finden? Der Stress, unter dem die 12- bis 18-Jährigen stehen, ist enorm: Schulreformen, Leistungsdruck, Zukunftsängste. Sollte man sie nicht wenigstens abschotten von dem Bösen, das da draußen auf sie lauert? Solche Fragen stellen die Eltern Petra Kain bei ihren Vorträgen. Sie erzählt dann gern eine weitere Geschichte, diesmal von ihrem Sohn: Neulich habe der sich bei "Werkenntwen" angemeldet, ebenfalls eine Community, zur Zielgruppe gehören nicht nur Schüler, auch Petra Kain hat dort ein Profil. Nach drei Wochen bekam ihr Sohn plötzlich Mails von einem fremden Mann. Das sei ja ein schönes Profil, schrieb der, ob man sich mal treffen könne? "Mein Sohn hat es mir sofort erzählt. Und ich habe dem Mann am selben Tag sehr scharf geantwortet. Er hat sich nicht mehr gemeldet."

Die beste Grenzschutzanlage gegen virtuelle Gefahren sind nicht Internet-Verbote, glaubt sie, sondern das Vertrauen zwischen Eltern und Kindern. Den Kindern müsse klar sein: Wenn ich ein Problem habe, helfen mir meine Eltern. Immer. Dazu müssten die Erwachsenen aber auch entsprechend technikfit sein. Und: Die Kinder müssten sich trauen, von unheimlichen oder verletzenden Begegnungen im Netz zu berichten. "Zurzeit tun das nur acht Prozent. Der Rest hat Angst, dass ihnen die Eltern dann den Zugang sperren."

Am nächsten Morgen zeigt Petra Kain, wie leicht das gehen kann: Vertrauen schaffen, die Kids zum Reden bringen. Dieselbe Gesamtschule, in der sie sich wenige Wochen zuvor über das mangelnde Interesse der Eltern ärgerte, hat sie noch einmal eingeladen. Diesmal sind die Schüler dran, die Veranstaltung ist Teil des Unterrichts, der Raum gerammelt voll. Lauter 12- und 13-Jährige, die erste Generation, für die Handys und Internet so normal sind wie für ihre Eltern Telefon und Fernseher.

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  • Text: Kristina Maroldt
    Illustrationen: Julia Pfaller
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 11/09
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