Warum Käßmanns Rücktritt ein Fehler ist

Margot Käßmann hat einen Fehler gemacht, als sie am Wochenende betrunken Auto gefahren ist. Aber eine Bischöfin ist keine Heilige - sie hätte ihr Amt behalten sollen, findet BRIGITTE-Mitarbeiterin Franziska Wolffheim. Was denken Sie? Stimmen Sie ab!

  • 14 Kommentare
  •  
  •  
Franziska Wolffheim

Franziska Wolffheim

Margot Käßmann ist zurückgetreten. Damit ist sie mit sich selbst hart ins Gericht gegangen – unabhängig von der strafrechtlichen Verfolgung ihres Fehltritts.

Keine Frage: Es ist fahrlässig, sich alkoholisiert ans Steuer zu setzen und damit andere Menschen zu gefährden.

Andererseits: Margot Käßmann ist nicht die einzige Alkoholsünderin in Deutschland, und Alkohol hinter dem Steuer ist auch keine Männerdomäne. Insofern ist die Bischöfin in moralischer Hinsicht kein Alien, sondern ein normaler Mensch. Gerade ihre Normalität war immer eine ihrer Stärken. Sie hat die schwierigen Phasen in ihrem Leben niemals beschönigt oder verbrämt, sie ist offen mit ihrer Scheidung und ihrer Krebserkrankung umgegangen.

Das hat ihr einen großen Vertrauensvorschuss in der Bevölkerung eingebracht. Sie hat zu den Dellen in ihrem Lebenslauf gestanden, hat sich menschlich, verletzlich gezeigt. Nun hat sie einen schlimmen Fehler gemacht, zu dem sie ohne Wenn und Aber steht. Auch dieser Umgang mit ihrem Fehltritt ist glaubwürdig.

Eine Bischöfin ist keine Heilige. Wäre sie unfehlbar, müsste sie einem unheimlich sein. Sie würde zur Ikone gerinnen, steril, unnahbar. Zur christlichen Botschaft gehört auch das Verzeihen. Der Rat der Evangelischen Kirche hat sich hinter Margot Käßmann gestellt. Nur sie selbst verzeiht sich nicht. Das ehrt sie, ja. Aber wäre es nicht souveräner gewesen, im Amt zu bleiben? Und damit zu signalisieren, dass es ein Zeichen von Stärke ist, zu der eigenen Schwäche zu stehen.

Auch im Bfriends-Forum wird über die Alkoholfahrt von Margot Käßmann diskutiert. Reden Sie mit!

War Käßmanns Rücktritt richtig?

Stimmen Sie ab!

  • Artikel vom 24.02.2010
  • Text: Franziska Wolffheim
    Foto: Corbis
Letzte Kommentare
  • ay
    am 02.03.10 um 17:35
    Frau Käßmann beweist schlicht und einfach Anstand und so ein Vorbild für unsere Gesellschaft.

    Was für ein Vorbild ist denn z.B. einem Politiker, der als alternder Stößel in Berlin eine Nummer schiebt, zur Lachnummer der Nation wird, aber nicht den Anstand hat, zurückzutreten?

    Solche Politiker, nicht nur Männer übrigens, beschädigen die Grundlagen unserer Gesellschaft: hochmoralisch öffentlich Wasser predigen, den Wein aber - sozusagen - eimerweise saufen. Wenn's denn auffällt, kommt nicht einmal "Sorry". Obwohl eigentlich die Kugel oft richtig wäre.

    Frau Käßmann hingegen steht zum Wein und tritt, moralisch hochinteger, in aller konsequenz ab.

    Chapeau!

  • Doro M.
    am 02.03.10 um 11:48
    Unrecht bleibt Unrecht, egal wie sympathisch der oder diejenige, die es begeht, uns ist.
    Fahren unter Alkoholeinfluß ist ein Strafttatbestand. Egal, wer ihn begeht.
    Wenn wir erwischt werden - ich denke, dann wollen wir irgendwie auch erwischt werden.
    Unser Unterbewußtsein ist uns da meist eine (eben nicht bewußte) Hilfe - und zeigt uns am Ende, was wirklich wichtig ist. Alle Menschen sind für jemanden Vorbild: für die Kinder zuerst, aber für jeden anderen Menschen auch. Wer da mit zweierlei Maß mißt, verliert den Respekt, auch vor sich selbst.
    Frau Käßmann hat meinen Respekt nicht verloren, gerade WEIL sie sich dessen bewußt ist.
    Ich wünsche ihr, dass sie sich selbst vergeben kann - und dann die Dinge anpackt, die jetzt wichtig sind. Gott vergibt immer. Wir dürfen aus diesen Erfahrungen lernen. Das bedeutet für mich die göttliche Gnade.
  • Herr_Rhein
    am 28.02.10 um 21:56
    Frau Käßmann hat ganz bestimmt nicht einen einmaligen Fehler begangen.
    Wer sich mit 1,54 Promille hinter ein Lenkrad setzt und noch recht ordentlich in der Spur bleibt, hat ganz bestimmt kein temporäres Problem mit dem Alkohol.

    Aus eigener Erfahrung kann ich schreiben, dass mir bei einem entsprechenden Pegel jegliche Kontrolle über meinen Körper versagen würde. An Führen eines Kraftfahrzeugs nicht die Bohne zu denken.
    Nach eigener Einschätzung habe ich bereits mit 0,5 Promille einen gehörigen Schwips (kann man z.B. auf der Davidwache, in HH, mal nach durchzechter Nacht testen!).

    Frau Käßmann wird wissen, warum sie zurücktrat und aus ihr nun eine Märtyrerin zu machen ist nicht wirklich angemessen.
    Auch ihr derzeitiger Dunstkreis gibt mir zu denken und sie ist sicherlich besser beraten Abstand zu gewinnen.

    Ich wünsche ihr alles erdenklich Gute!

mehr (14)
 
Kommentar schreiben
Wird nicht angezeigt.
Unter diesem Namen erscheint Ihr Kommentar.
Bitte schreiben Sie den Sicherheitscode ab * (Andere Zeichenfolge)
noch 1000 Zeichen übrig!
Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder, alle anderen sind optional.

BRIGITTE im ABO

Brigitte-Netzwerk
BRIGITTE-woman.de
Bfriends.de
Bym.de