Ekin Deligöz
BRIGITTE.de: Konnten sich die 3000 Delegierten aus aller Welt auf ein gemeinsames Vorgehen gegen den Missbrauch von Kindern und Jugendlichen einigen?
Ekin Deligöz: Ja, es sind verschiedene Beschlüsse gefasst worden, die jetzt von den nationalen Regierungen umgesetzt werden sollen, um gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern aktiv zu werden - und zwar mit definitiven Zeitangaben. Leider liegen die Beschlüsse noch nicht schriftlich vor. Wir haben in diversen Arbeitsgruppen getagt - und der UN-Kinderschutzbeauftragte wird alle Ergebnisse zusammenfassen. Aber klar ist jetzt schon, dass dieser großen Konferenz Taten folgen müssen - es ist ja immerhin schon die dritte internationale Zusammenkunft zu diesem wichtigen Thema. Wir wollen zum Beispiel dass die Tourismusindustrie sich selbst verpflichtet, gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen vorzugehen, etwa indem sie ihr Mitarbeiter schult und sexuellen Missbrauch in ihren Hotels nicht mehr zulässt.
BRIGITTE.de: Gehen Ihnen die Beschlüsse denn weit genug?
Ekin Deligöz: Auf der internationalen Ebene haben wir eine ganze Menge erreicht - denn sehr viele Staaten sagen jetzt: Wir wollen sexuellen Missbrauch nicht mehr dulden und ihn bekämpfen. Wenn jetzt - wie geschehen - islamisch-arabische Staaten sagen, sie sind gegen Minderjährigen-Heirat, dann hat sich etwas getan. Oder, die Frage bis zu welchem Alter wir von sexuellem Missbrauch sprechen. Das wurde auf der letzten Konferenz noch strittig diskutiert. Jetzt haben wir uns auf 18 Jahre geeinigt. Das ist ein Fortschritt. Dabei muss man bedenken: Wir reden über einen organisierten Bereich - Kinderhandel ist der zweitgrößte Markt, gleich hinter Waffenhandel.
BRIGITTE.de: Und wie geht es weiter, wenn die Beschlüsse von Rio veröffentlicht sind?
Ekin Deligöz: Die einzelnen Länder werden Folgekonferenzen organisieren - für Deutschland steht der Termin im März schon fest. Da sollen dann konkrete Handlungspläne erstellt werden.
BRIGITTE.de: Dann schauen wir doch mal nach Deutschland: Was halten Sie von der jüngsten Initiative von Familienministerin von der Leyen? Sie will ja Provider gesetzlich dazu verpflichten, Seiten mit Kinderpornos zu blockieren.
Ekin Deligöz: Entscheidend ist, wie dieser Ansatz vollzogen wird. Viele aus dem IT-Bereich sagen, dass das nationale Vorgehen nur bedingt etwas bringt, weil man es eben umgehen kann. Insofern ist es ein Ansatz, aber es darf nicht der einzige bleiben. Wir sollten zum Beispiel auch Kreditkarten-Unternehmen verpflichten mit Verantwortung zu übernehmen, denn die Bezahlung der Internetkunden geht ja meist über Kreditkarten.













