Kinder in Rumänien: Die Generation ohne Eltern

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In Lipovu sieht man noch viele Pferdegespanne

Am späten Nachmittag belebt sich die Hauptstraße des Dorfes. Jugendliche Tagelöhner, die vom Feld kommen, preschen wie im Western mit ihren Pferdewagen in den Ort. Ein verrückter Mann hüpft mit einer Trillerpfeife im Mund über die Kreuzung und regelt auf seine Art den Verkehr, indem er einfach alle Wagen ausbremst. Überall sitzen alte Menschen vor ihren Häusern, viele von ihnen sprechen uns an. Bald, darin sind sie sich alle einig, werden hier wohl nur noch Alte und Kinder leben.

"Wenn Mama kommt", sagt Marius, "sind alle Tage wie Ferien. Wir haben nur Spaß." Und wie zum Beweis rennt er ausgelassen mit einer Wasserpistole hinter seiner kreischenden Oma her.

Nur wenn man mit ihm über seinen Vater spricht, wird er sofort ernst. Hinter dem Schweinestall, als seine Großmutter Florica ihn nicht hört, sagt er: "Ich glaube nicht, dass ich mit nach Italien fahre und Papa wiedersehe." Warum nicht? "Weil er immer gesagt hat, dass er mich besucht. Aber er ist nie gekommen."

Geteiltes Europa
Auch die so genannten Gastarbeiter, die in den 50er und 60er Jahren ins deutsche Wirtschaftswunderland kamen, ließen meistens ihre Kinder zurück. Doch irgendwann konnten sie diese zu sich holen. Heute ist das viel komplizierter. Weil die Eltern oft illegal im Ausland sind, beengt wohnen und die Zuwanderungsgesetze härter sind als früher. Besonders Italien, das 2004 noch ein Legalisierungsprogramm für ausländische Arbeitnehmer schuf, geht mit neuer Härte gegen illegale Einwanderer vor. Der Westen schottet sich ab, auch gegen die Bürger aus den Hinterhöfen Europas. In Polen leben etwa 130 000 EU-Waisen, in Moldau 110 000, dazu kommen zehntausende in der Ukraine, in Bulgarien und Tschechien - Kinder, die materiell gut versorgt sind, aber elternlos aufwachsen.

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  • Artikel vom 27.08.2009
  • Text: Ariane Heimbach
    Fotos: Dörte Hagenhuth
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 18/09
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