Kampf gegen Kinderpornografie: "Sperrmaßnahmen sind gefährlich"

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BRIGITTE.de: Viele Internetprovider reagierten zunächst ebenso skeptisch auf den Vorstoß der Regierung, begrüßen aber, dass es nun eine klare gesetzliche Grundlage für die Verbote gibt.

Rena Tangens: Natürlich haben Provider ein Interesse daran, sich gesetzlich abzusichern. Aber wir sehen hier eine weitere Gefahr: Nämlich dass über den Kampf gegen die Kinderpornografie der Zensur des Internets die Tür geöffnet wird. Denn wenn einmal die gesetzliche Grundlage für eine Sperrung da ist, folgen womöglich weitere Zensur-Forderungen. Schon jetzt wurde der Wunsch laut, auch Gewaltdarstellungen zu sperren. Und bald könnten womöglich auch legale Websites betroffen sein, die zum Beispiel der Politik ein Dorn im Auge sind, weil sie Kritik üben oder zu Protest aufrufen.

BRIGITTE.de: Ursula von der Leyen würde nun sagen: Wenn es um Kinderrechte geht, müssen die Bürgerrechte hinten angestellt werden.

Rena Tangens: Ja, und kaum jemand würde da widersprechen. Bei einem solch abscheulichen Verbrechen bekommt man für jegliche Maßnahme leicht die Zustimmung der Bevölkerung. Und wer Kritik übt, gerät gleich in den Verdacht, Kinder nicht ausreichend schützen zu wollen. Doch während die Kriminellen kaum von der Zensur berührt werden, können sie für unbescholtene Bürger in der Zukunft schlimme Folgen haben.

BRIGITTE.de: Was sollte man Ihrer Meinung nach stattdessen gegen Kinderpornografie unternehmen?

Rena Tangens: Man muss dort ansetzen, wo die tatsächlichen Verbrechen passieren und versuchen, sie zu unterbinden. Aufklärung spielt dabei eine wichtige Rolle, damit Menschen aus dem Umfeld solcher Kriminellen schneller aufmerksam werden und damit Kinder merken, dass ihnen Unrecht getan wird und sie sich wehren können. Außerdem braucht die Polizei sehr viel mehr kompetente Experten, die in Foren und so genannten Peer-to-Peer-Netzwerken ermitteln, über die Nutzer pornografisches Material austauschen. Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Kampf gegen Spammer. Denn die Werbung für illegale Websites wird vor allem über E-Mail-Spam verbreitet - und damit wird richtig Geld verdient. Gegen diese Kriminellen muss noch mehr unternommen werden, dafür brauchen wir dringend internationale Vereinbarungen.

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  • Artikel vom 19.06.2009
  • Interview: Michèle Rothenberg
Letzte Kommentare
  • lolarennt
    am 26.06.09 um 18:11
    Wie kann man ein Verbot von Kinderpornografie als Zensur bezeichnen???
    Das ist mir unverständlich!
    Das Kinderpornografie nicht mehr mir nichts Dir nicht vertrieben und angesehen werden darf ist doch wohl dringend notwendig!
  • panthus
    am 25.06.09 um 13:10
    Richtig, dieses Gesetz ist nichts weiter als Populismus und geschickte Untergrabung des im Grundgesetz verankerten Zensurverbots. Den Kindern ist damit nicht geholfen, ganz im Gegenteil: sie werden regelrecht verhöhnt. Da werden weiße Vorhänge vors Fenster gezogen. Was man nicht sieht, das existiert nicht...
    Dass die Sperre auch noch, pardon, "kinderleicht" zu umgehen ist, und diese Tatsache ebenfalls mit einer Vogel-Strauss-Taktik gewürdigt wird, bekräftigt die Vermutung, dass es hier um etwas anderes als um Kinderschutz geht.
    In diesem Sinne: Löschen statt sperren!
  • Jule
    am 20.06.09 um 17:34
    Hallo

    da kann ich loreress nur zustimmen.
    Geht mal auf http://www.youtube.com/watch?v=GUT_o23zqdk da wird das ganze richtig schön einfach erklärt. Fand ich gut.

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