Moldau: Wie Frauen gegen Zwangsprostitution kämpfen

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Ein abgewetztes Sofa, zwei Stühle, ein voll beladener Schreibtisch - Lilia Gorceags Büro. Sie ist ein mütterlicher Typ, große braune Augen, runde Figur; zugleich liegt etwas Burschikoses in der Art, wie sie sich mit der Hand durchs Gesicht fährt oder impulsiv auf dem Stuhl zurückwirft. Die Tür steht offen - jetzt, im Sommer, wäre die Hitze sonst nicht zu ertragen.

Die Frauen, die auf dem Flur vorbeigehen, nehmen keine Notiz von den Besuchern. Ihre Blicke sind abweisend. "Sie verstecken sich hinter einer Maske der Arroganz", sagt die Psychologin. Niemand soll in ihnen ein Opfer sehen. Weil dies der letzte Rest an Stolz ist, den sie haben. Und weil sie sich selbst die Schuld dafür geben, dass sie leiden mussten. Sie wurden wie Vieh auf Lastwagen transportiert oder mussten zu Fuß über eisige Berge, sie verschafften sich für hohe Summen gefälschte Visa und verschuldeten sich damit - bloß weil sie ins Ausland wollten, Geld verdienen. Sie riskierten viel und verloren alles: Gesundheit, Ehre, Selbstvertrauen. Schuldgefühle machen einsam.

Die Psychologin: Lilia Gorceag ist die erste Anlaufstelle für Heimkehrerinnen.

Unter den Zwangsprostituierten gibt es wenig Solidarität, keinen kämpferischen Gemeinsinn, keine Heldin, die sich nun für die anderen einsetzt. Die meisten verkapseln sich. Wie schafft man es dennoch, ihr Vertrauen zu gewinnen? Lilia Gorceag lehnt sich zurück und lächelt. "Ich kann warten." Nach ein paar Tagen kommen die Frauen zu ihr - und sitzen dann erst mal schweigend auf dem Sofa.

Also spricht Lilia Gorceag mit ihnen über ihren Alltag: Geldsorgen, Probleme mit Ehemännern, Kinder. Später tastet sie sich an das Trauma heran. Fast alle leiden unter Symptomen, die Fachleute als posttraumatisch bezeichnen. Ein Zustand, vergleichbar mit den Erfahrungen von Soldaten im Krieg. Noch Jahre später kann er wieder auftreten. Schlaflosigkeit zählt dazu, Verfolgungsangst, Phobien vor geschlossenen Räumen. Eine Stimme, ein Geruch kann eine Panikattacke auslösen. Die meisten Frauen ertragen es nicht, von jemandem berührt zu werden. Magersucht, Drogen- und Alkoholabhängigkeit - das alles sei normal bei den Heimkehrerinnen, sagt die Therapeutin. Hinzu kommen die Verletzungen von den Misshandlungen: Rippenbrüche, Prellungen ...

Einige Frauen wollen zwar über das Erlebte reden, aber können es nicht. Sie öffnen sich erst unter den Händen von Lilia Gorceag. Ein sanfter Druck auf bestimmte Stellen des Körpers, und die Frauen entspannen sich. Manche fangen an zu zittern, Blockaden lösen sich, andere schlafen erst einmal ein. Viele können nach langer Zeit endlich wieder weinen.

An schweren Tagen hilft Lilia Gorceag selbst ein Psychiater. Und ihr Mann. Eine glückliche Ehe, seit 37 Jahren. Es kommt vor, dass sie nachts schreiend aus einem Traum hochfährt, dann steht er auf und kocht ihr einen Tee. "Mir fehlt oft die nötige Distanz", sagt die Psychologin und reibt sich die Augen. Manchmal ist sie entmutigt. "Viele Frauen bräuchten eine langfristige Therapie. Oder wenigstens Menschen, mit denen sie reden können." Doch die meisten stoßen auf Ablehnung. IOM schickt deshalb Sozialarbeiter durch das Land, um die zuweilen etwas starrköpfigen orthodoxen Pfarrer zu sensibilisieren. Die Seelsorger haben oft den engsten Draht zu den Ex-Prostituierten.

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  • Text: Ariane Heimbach
    Fotos: Andrea Diefenbach
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 13/09

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