"Picture me": Sara Ziff zeigt die Schattenseite der Model-Szene
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Die New Yorkerin Sara Ziff, 27, modelte u. a. schon für D & G, Gucci und Dries van Noten
BRIGITTE: Im Film erzählen Sie und Ihre Kolleginnen von Ihren Erlebnissen als Model. Wie kamen Sie auf die Idee?
Sara Ziff: Ole Schell, mein Ex-Freund, hat mich früher viel auf Jobs begleitet. Er war an der Filmhochschule, hatte immer eine Kamera dabei und fing an, unsere Erlebnisse festzuhalten. Irgendwann schleppte ich auch eine Kamera mit, ließ andere Models filmen. Das war mein geheimes Leben, mein Weg, die Erlebnisse als Model zu verarbeiten - und zu verstehen. Denn ich hatte von Anfang an gemischte Gefühle. Aber ursprünglich war das Material nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.
BRIGITTE: Wann dachten Sie denn zum ersten Mal: Irgendwas läuft hier falsch?
Sara Ziff: Schon beim dritten Casting. Der Fotograf wollte, dass ich mich ausziehe, es ginge um Bademoden. Er ließ nicht locker, bis ich in Unterwäsche dastand. Es ist normal, sich als Model ständig aus- und umzuziehen. Aber ich war 14! Rückblickend denke ich: Warum passt niemand auf so junge Models auf, die täglich zu Wildfremden gehen?
BRIGITTE: Und wann wussten Sie: Es steckt mehr dahinter - das muss ein Film werden?
Sara Ziff: Nach fünf Jahren hatten sich hunderte Stunden Material angesammelt. Erst als wir die sichteten, realisierten wir, womit wir es zu tun hatten. Auch die Geschichten der anderen Models sahen wir so zum ersten Mal: dass sich bei einem Casting der Fotograf gleich mit auszog, eine andere mit 16 Jahren von einem Fotografen genötigt wurde, ihm in den Schritt zu fassen. Plötzlich steckte in dem Material eine kraftvolle Botschaft! Und ich merkte, ich bin mit meinen Gefühlen nicht allein.
BRIGITTE: Waren Sie sich sofort sicher: Ich muss das der Welt zeigen, egal, was passiert?
Sara Ziff: Ganz ehrlich: Noch einen Monat vor der Premiere von "Picture Me" wollte ich einen Rückzieher machen. Ich rief Ole an, sagte: "Ich weiß nicht, ob ich das durchziehen will." Mein Herz klopfte wie wild bei dem Gedanken, wie der Film aufgenommen werden würde, ich dachte: Was tue ich da? Wird meine Agentur mich fallen lassen? Schließlich lebte ich noch vom Modeln! Aber Ole hat mich zur Vernunft gebracht.
BRIGITTE: Wie das?
Sara Ziff: Er sagte: "Ich weiß, es ist schwer, aber du musst an das große Gute dahinter denken." Und eigentlich wollte ich den Film ja zeigen, wollte uns endlich eine Stimme geben. Denn dass man als Model nicht sagen kann, wenn etwas nicht stimmt, ist ja gerade das Problem. Trotzdem habe ich mich vor der Premiere auf das Schlimmste eingestellt.
BRIGITTE: Was ist dann tatsächlich passiert?
Sara Ziff: So ziemlich das Gegenteil. Casting-Direktoren, die bei der Premiere waren, buchten mich direkt für Jobs. Und ich bekam etliche E-Mails von Branchen-Internen, die meinten: "Danke, dass ihr diesen Film gemacht habt, endlich spricht das jemand aus."
BRIGITTE: Was meinen Sie: Warum waren Sie die Erste, die sich das traute?
Sara Ziff: Viele Models sagen sich: "Wer bin ich, mich zu beschweren, wo ich mit Hübschsein doch so viel Geld verdiene?" Man will, dass jeder einen mag, nicht unbequem sein. Es ist ein einsamer Job, man reist viel, lebt aus Koffern, hat kein Netzwerk. Viele behalten ihre Erlebnisse für sich, da sie nicht wissen, dass es anderen genauso geht.
BRIGITTE: Wie hat sich Ihr Leben seit Erscheinen des Films verändert?
Sara Ziff: Ich bin jetzt Vollzeitstudentin, Literatur und Kunst: die beste Entscheidung meines Lebens. Meine Agentur vermittelt mir nur noch Modeljobs, die in meinen Stundenplan passen. Und ich habe gerade mit einer Freundin einen Fragebogen entwickelt, um weiter herauszufinden, was Models wirklich bewegt. Eine Frage lautet: "Wurdest du je gebeten, nackt oder halbnackt zu posieren, ohne dass die Agentur es dir vorher angekündigt hat?" 90 Prozent der Befragten antworteten: "Ja." Wir denken jetzt darüber nach, eine Gewerkschaft zu gründen.
BRIGITTE: Treten Sie auch als Model anders auf?
Sara Ziff: Auf jeden Fall! Ich setze jetzt eher Grenzen. Erst kürzlich hieß es bei einem Fitting: Du kannst dich hier umziehen - der Raum war voller Menschen. Als ich nach einem Umkleideraum fragte, gab's plötzlich einen. Früher hätte ich mich das nie getraut.












