Ein Nomadenleben in Deutschland

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Pettra während einer Aufführung bei Apassionata

Pettra während einer Aufführung bei Apassionata

Dieser perfekte Moment ist die Krönung ihrer Leidenschaft, dem widmet sie ihr Leben, auch wenn das manchmal "furchtbar anstrengend" ist. Aufstehen, Ofen anfeuern, Joggen, Schießen, Frühstücken, 100 Pfeile Bodentraining, Training zu Pferd auf der Wettkampfbahn, Reitunterricht, Büroarbeit, dann wieder Reiten, Reiten, Reiten. Einmal im Monat, am Samstag, kommen die 15 Mitglieder der Kassai Reiterbogenschule aus ganz Deutschland angereist, man trainiert zusammen, um sich auf die Prüfungen in Ungarn vorzubereiten. Neben dem Unterricht lebt Pettra von Aufführungen, zurzeit bei der Pferdegala Apassionata, oder auf Mittelalterfesten, manchmal auch von Stunts bei TV-Produktionen. Das macht sie gern, denn sie will zeigen, "dass es diese Verbindung zwischen Mensch und Pferd gibt."

"It's more fun to be a hun!"

Kein Kino, keine Cafés, kein Shopping? "Natürlich, ich bin keine Aussteigerin!", versichert Pettra, "ich gehe ins Internet und ins Kino und kaufe bei H& M ein, alles ganz normal." Zum Duschen und Zähneputzen fährt sie morgens mit dem Auto in den benachbarten Reiterhof. Dort nutzen Pettra und Joachim ein Bad mit Waschmaschine, ein Büro und eine Küche. Pettra geht es nicht um Folklore; ihre Jurte schützt eine Schicht Goretex, damit sie das feuchte europäische Klima übersteht, und ihre Pfeile sind aus hochmodernen Hightech-Materialien. Sie lebt wie sie lebt, "weil das ihr Ding ist", und nicht, weil sie Mittelalter spielen oder irgendjemandem etwas beweisen will. Ihr Leben ist rund, dort auf der Wiese in Brandenburg, genauso wie ihre Behausung. "Das gefällt mir: Hier gibt es keine Ecken, das ist ein wesentlicher Unterschied zur Stadt."

Ein Unterschied zum Stadtleben ist auch ihr Nomadentum: Wo Pettra in ein paar Monaten leben wird, weiß sie heute noch nicht. Nicht, weil sie ihren Pferden auf der Suche nach saftigen Weiden folgen würde, wie die Mongolen es tun, sondern weil das Bauamt Ärger macht und der Jäger sie hier nicht haben will und vor ihrer Nase Waschbären schießt. "Wir werden womöglich vertrieben", sagt Pettra und verschränkt ihre Arme. Aber was soll's, sie sehnt sich sowieso nach mehr Natur, am liebsten würde sie Land kaufen und dort ein Jurtencamp für andere berittene Kampfkünstler aufbauen. Doch dafür fehlt das Geld. Pettra nimmt es gelassen: "It's more fun to be a hun!", ist ihr Motto - mit allen Konsequenzen.

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  • Artikel vom 05.12.2007
  • Text: Susanne Arndt
    Fotos: Susanne Arndt, Karin Massine, Peter Becker
Letzte Kommentare
  • Mehraban
    am 13.04.12 um 10:15
    Das ist ja einfach sehr toll!!! Ich bin sehnsüchtig, diese Jurte zu sehen.
    Ich bin Deutschstudent im Iran und haben wir eine Hausaufgabe Über Nomaden der Neuzeit, aber was ich gefunden habe,ist ganz Besondres!
  • ttt
    am 03.01.12 um 19:14
    Schade das es in deutschland keine nomaden gibt, die so umhereisen wie es vor ca. 2500 jahren üblich war
  • sandy seidel
    am 07.11.11 um 12:28
    ich möchte gerne die jurte anschauen ist das möglich???
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