Rechtsextremismus bei Frauen: Die Gefahr in unserer Mitte

  •  
  •  
In diesem Artikel:

BRIGITTE.de: Und das fällt vielen schwer. Wieso eigentlich?

Susanne Theilmann: Es ist immer schwer, sich als Einzelne gegen eine schweigende Mehrheit zu stellen. Deshalb raten wir ja auch, sich möglichst rasch Verbündete zu suchen, selbst eine Mehrheit zu schaffen. Gerade bei uns in der Region haben auch viele Angst vor Racheakten. "Ich will ja nicht, dass mir die Autoreifen zerstochen werden", heißt es dann. In der Realität passiert so was freilich kaum, meist wird nur gedroht. Doch die Angst ist da. Und sie lähmt.

BRIGITTE.de: Wie kann man den Teufelskreis brechen?

Cornelia Neumann: Indem man langfristige Netzwerke schmiedet. Man muss sich Partner suchen, aus der Politik, der Kultur, den Medien, den Schulen. Und dann immer wieder über diese Themen diskutieren, sich Informationen besorgen und gemeinsam eine Haltung entwickeln. Am besten eine, die sich für statt gegen etwas ausspricht. Zum Beispiel "für Demokratie und Menschenrechte" statt nur "gegen Nazis". In einer kleinen Gemeinde, die sich wegen eines rechtsextremen Anschlags auf eine Familie an uns gewandt hat, haben die Menschen zum Beispiel eine Zeitung auf die Beine gestellt, in der sich alle regelmäßig zu allem äußern können, was ihnen auf dem Herzen liegt. Auch zu solchen Themen. Die Zeitung wird dann von Haus zu Haus weitergereicht, so kommen die Menschen miteinander ins Gespräch. Das Projekt läuft seit drei Jahren, seitdem ist die Stimmung in dem Ort viel offener und weniger von Angst geprägt.

BRIGITTE.de: Was mache ich denn, wenn nicht mein Nachbar, sondern mein eigenes Kind in die Szene abrutscht?

Cornelia Neumann: Auch hier sollten Sie sich zuerst so gut wie möglich über das Thema informieren: Ist die T-Shirt-Marke, die mein Sohn trägt, wirklich eine rechtsextreme Szenemarke? Was bedeutet das Emblem auf seiner Jacke? Im Internet findet man dazu gute Informationen (z.B. unter www.netz-gegen-nazis.de) Ist Ihr Verdacht begründet, sollten Sie mit Ihrem Kind die Aussprache suchen. Bleiben Sie dabei konsequent in Ihrer Meinung, aber immer dem Kind zugewandt. Es sollte wissen: Hier ist immer eine Tür für mich offen. Denn genau darauf setzen ja die Rechtsextremen: dass sie das Kind von seiner Familie lösen können, totalen Einfluss bekommen. Das müssen Sie verhindern. Und haben Sie Geduld. So ein Prozess kann dauern. Es gibt aber Stellen, die Sie unterstützen, etwa das Lidicehaus in Bremen. Bundesweit ist inzwischen ein Netzwerk von Beratungsangeboten für Eltern entstanden. Wenn Sie in Mecklenburg-Vorpommern wohnen, können Sie sich auch an uns wenden.

Seite:

  1. 1
  2. ...
  3. 4
  4. 5
  5. 6
  6. 7
  7. 8
  • Artikel vom 25.08.2008
  • Text und Interview: Kristina Maroldt
    Fotos: Reuters, Dominik Asbach
    ein Artikel aus der BRIGITTE 17/08
BRIGITTE im ABO