BRIGITTE-Aktion: 71.000 Mützen an "Save the Children" gespendet

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Es sind nicht nur die traditionellen Geburtshelferinnen, die von den Beraterinnen überzeugt werden müssen. Manche Familien sind so misstrauisch, dass schwangere Frauen erst die Erlaubnis des Ehemanns und vor allem der Schwiegermutter einholen müssen, damit sie sich überhaupt mit einer Beraterin unterhalten dürfen. Auch Shuborna muss zu Beginn ihrer Arbeit oft zunächst die Familienoberhäupter überzeugen, aber das hat sie auch selbstbewusster gemacht: "Als ich vor zwei Jahren als Beraterin anfing, war ich sehr schüchtern", sagt sie. "Damals habe ich mich nicht mal getraut, mit Männern zu sprechen. Aber ich musste immer wieder mit sehr mächtigen Leuten reden, damit ich überhaupt Zugang in die Familien bekam. Heute bin ich ganz anders als früher."

Ihre Eltern, die dem Job ihrer Tochter zunächst skeptisch gegenüberstanden, sind heute stolz auf sie, weil sie sehen, welchen Respekt die Leute ihr entgegenbringen. Das hat dazu geführt, dass sie Shuborna nun auch mehr Eigenständigkeit zugestehen. "Früher haben meine Eltern geglaubt, ich sei sogar zu doof, um den Basar zu finaktion den", sagt Shuborna. "Heute werde ich bei Entscheidungen innerhalb der Familie um meine Meinung gebeten." Die Eltern haben sogar akzeptiert, dass Shuborna nicht heiraten will, bevor sie 24 Jahre alt ist. Auch weil sie finanziell unabhängig ist und die Familie unterstützt. "Mein Leben ist heute viel besser", sagt Shuborna. Und so führt das Kinderhilfsprogramm von "Save the Children" auch dazu, dass Frauen eine wichtigere Rolle in der muslimischen Gesellschaft in Bangladesch einnehmen.

Um die einfachen Frauen zu erreichen und an Problemlösungen zu beteiligen, wurden "Gemeinde-Aktionsgruppen" eingeführt. Hier werden Schwierigkeiten erfasst, und man überlegt gemeinsam, was man tun kann. Mitmachen darf jede Frau im Dorf. Damit alle verstehen, worum es geht - auch wenn sie weder lesen noch schreiben können -, wird mit Schautafeln gearbeitet und mit Stöckchen statt mit Zahlen gezählt. "Viele lieben die Meetings, weil sie neben der Arbeit zu Hause und auf dem Feld sonst keine Gelegenheit haben, sich mit anderen Frauen zu treffen", erzählt Shoburna.

Um die Männer nicht auszuschließen, gibt es auch für sie vergleichbare Gruppen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Inhalte der Meetings politischer werden. Momentan geht es in erster Linie um Kinderkrankheiten oder um die Probleme beim Transport ins Krankenhaus, aber das Selbstbewusstsein der Frauen steigt mit der Erkenntnis, dass ihre Stimme Einfluss hat. Längst ist aus einem Programm zur Senkung der Säuglingssterblichkeit ein Projekt geworden, das der ganzen Familie hilft - und so der ganzen Region.

  • Text: Stefanie Hellge
    Fotos: Viviane Dalles
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 12/09
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