Lesbisch, schwul. Alles ganz normal?
Vor allem heterosexuelle Jungen reagieren in der Pubertät aggressiv gegenüber Altersgenossen, die von ihren Männlichkeitsbildern abweichen. Ihr Verhalten sei gewissermaßen notwendig, um sich als männlich zu empfinden, sagt der Diplompädagoge Steve Behrmann. Er betreut "Soorum", ein sexuelles Aufklärungsprogramm für Jugendliche in Hamburg. Dabei erlebt er immer wieder, dass sich Jungen und Mädchen in diesem Prozess unterscheiden. "Weiche Jungen entsprechen nicht dem männlichen Ideal und fallen deshalb eher auf als kernige Mädchen." Die Folge: Junge Schwule werden öfter verbal oder körperlich angegriffen, suchen Hilfe bei Lehrern. Lesbische Mädchen dagegen können sich leichter verstecken, jedenfalls solange sie sich nicht geoutet haben. Für sie stellt sich damit ein anderes Problem: Niemand nimmt sie wahr. Und das heißt: Niemand nimmt sie ernst, nicht einmal sie selbst. "Viel mehr Frauen als Männer bekennen sich erst mit 30 Jahren zu ihrer Homosexualität, davor heiraten sie oft und bekommen Kinder", sagt Steve Behrmann. In ihren Biografien wiederholt sich damit ein Teil lesbischer Geschichte - sie bleiben unsichtbar. "Das Sichverstecken, das Vortäuschen einer anderen Realität, ja, das Sich-nicht-einmal-als-Minderheit- Definieren ist den Lesben zur zweiten Natur geworden", sagt Maren Kroymann. Die Kabarettistin ist eine der wenigen prominenten Frauen, die sich zu ihrer lesbischen Identität bekennt. Es gibt eine ganze Reihe homosexueller Politikerinnen, Fernsehfrauen und Schauspielerinnen, aber kaum eine, die dies laut ausspricht.
Ein Dienstagnachmittag in Hamburg. Wöchentliches Treffen der Junglesben in den Souterrainräumen des Vereins "Intervention". Mädchen, die hierher kommen, wollen sich nicht verstecken. Auf der Straße steht ein Mann und starrt durch die Glasscheibe. Er schlackert mit der Zunge und fasst sich in den Schritt. "Das passiert hier öfter", sagt Jana, 21. Auf ihrem engen T-Shirt steht "Dykes in the city" - Lesben in der Stadt. Sie hat ein hübsches Gesicht und geht wie ein Junge, breitbeinig, wippend und mit den Händen in den Hosentaschen. "Mir sehen alle immer sofort an, dass ich lesbisch bin", sagt sie und lacht. Im Gegensatz zu Lena mit ihren langen schwarzen Haaren und der weiblichen Figur. "Mir glaubt das erst mal keiner", sagt die Gymnasiastin. Auch Nadine, 20, hört immer wieder: "Du siehst überhaupt nicht lesbisch aus." Aus Mangel an echten Heldinnen suchte sich Jana ihre in der Fiktion: "Nach meinem Coming-out habe ich Lesbenfilme verschlungen." In Film und Fernsehen gibt es sie schon, die neuen Vorbild-Lesben - sogar in die "Lindenstraße" und den "Marienhof" sind sie einzogen. Doch erst mit der US-Serie "The L-Word", die im vergangenen Sommer auf Pro7 lief, brach eine neue Ära an. Die Serie stellte nicht nur zum ersten Mal lesbisches Leben in seiner ganzen Alltäglichkeit in den Mittelpunkt. Sie befreite die Lesben auch von einem Image- Problem. Jahrzehntelang galten sie als Modemuffel, als konsumfeindlich und notorische Spaßverweigerer, im Gegensatz zu den häufig stilbewussten Schwulen. In "The L-Word" sehen die Lesben toll aus, kleiden sich feminin und verdienen viel Geld. Wie hartnäckig sich das Vorurteil der grauen Maus nach wie vor hält, erlebt "L-Mag"-Chefredakteurin Manuela Kay immer wieder. Das Anzeigengeschäft für ihr Magazin läuft schlecht: "Werbung, die sich speziell an Lesben wendet, gibt es nicht."
Im realen Leben ärgern sich Jana und ihre Freundinnen eher über die ständigen sexuellen Belästigungen. Es komme vor, sagt Nadine, dass fremde Männer auf sie und ihre Freundin zukämen und fragten: "Wollt ihr mit zu mir? Ich kann auch nur zugucken." Am schlimmsten war für sie jedoch, dass Mitschüler am Gymnasium sie nach ihrem Outing die Rolltreppe in der U-Bahn hinunterschubsten. Und die anzügliche Bemerkung eines Schulkameraden vor der ganzen Klasse: "Erzähl uns doch mal, wie ihr es macht!" Lena fühlte sich dem Druck von außen lange nicht gewachsen. "Ich habe mich extrem gegen mein Hingezogensein zu Frauen gewehrt", sagt sie vorsichtig. Erst nach einem Schulwechsel konnte sie sich offen dazu bekennen. Ihrer Mutter hat sie bis heute nichts gesagt. Wie Nadine ist sie schon mit 16 Jahren von zu Hause ausgezogen.













Oft ist zu lesen: „Die Hälfte der lesbischen Frauen hat hin und wieder Sex mit Männern.“
Davon ging auch B. aus, der sich unsterblich in eine lesbische Dame namens Luise verliebt hatte. Dass sie um einiges älter war, störte B. nicht. Er zog alle Register, um Luise zu erobern – erster Erfolg: B. wurde zum Tee eingeladen - zwanglose Konversation – besser als nichts. „Ich finde Sie sehr sympathisch!“, sagte Luise. „Ich würde Sie gern wiedersehen, aber bitte – machen Sie sich keine Illusionen – hab seit eh und je Weiberröcken nachgehangen – bin wohl erblich belastet! Für heute machen wir erst einmal Schluss – rufen Sie mich doch einfach wieder an!“
Luise hatte sich später in eine „Gleichgesinnte“ verliebt. B. blieb trotzdem in seinen Plänen eisern, Luise zu erobern …
Nach meiner jetzigen Erfahrung werden lesbische Frauen mehr u. mehr akzeptiert - auch in “Antiquitätenmarder … noch lebe ich!“, AAVAA-