Lesbisch, schwul. Alles ganz normal?

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Die Einsamkeit in den Jahren der Ahnung, der Selbstverleugnung und endlich auch Offenbarung ist bei allen Jugendlichen groß. Viele verzweifeln in dieser Phase. So wie der 17-jährige Michael, der sich im vergangenen Sommer bei Starnberg das Leben nahm. Er hatte sich unsterblich in einen Mitschüler verliebt, der ihn aber zurückwies. Die Eltern versuchten Michael zu stärken, doch nichts half. Michael warf sich vor eine S-Bahn, nach einem letzten, verzweifelten Anruf bei seiner großen Liebe. Nun wurde von schwullesbischen Jugendgruppen ein Preis ins Leben gerufen, der Michaels Namen trägt und Toleranz fördern soll.

Bitter nötig: Nach einer Studie der Berliner Senatsverwaltung haben 18 Prozent der homosexuellen Jugendlichen schon einmal versucht, sich umzubringen. Damit ist die Rate der Suizidversuche bei ihnen viermal höher als bei Jugendlichen insgesamt. Vor allem auf dem Land fehlen lesbischschwule Jugendzentren, in denen sie therapeutische Hilfe bekommen und Gleichgesinnte treffen können. Zwar tauschen sich viele über Chats im Internet aus. Doch in der Not helfen keine virtuellen Kontakte. Die ist am größten, wenn sich ausgerechnet jene Menschen abwenden, die ihnen am nächsten stehen: "Für die meisten Eltern ist das Bekenntnis ihres Kindes, homosexuell zu sein, immer noch ein Schock", sagt die Sozialarbeiterin Almut Dietrich. Bei Vätern dominiere die Ablehnung, bei den Müttern die Sorge, dass man so nicht glücklich werden könne. Hinzu kommen Schuldgefühle: Was haben wir falsch gemacht? Fragen sich die Eltern. Warum bin ich bloß so? Fragen sich Söhne und Töchter. Nicht wenige Eltern reagieren mit Hausarrest, Kontrollieren des Handys, Hineinplatzen ins Zimmer, wenn Besuch da ist, bis hin zu körperlicher Gewalt. Nur in wenigen Städten, zum Beispiel in Berlin, gibt es Wohngruppen für jene, die es zu Hause nicht mehr aushalten. "Doch die Sehnsucht nach Versöhnung ist groß, spätestens zu Weihnachten wollen alle am liebsten wieder nach Hause", sagt Betreuerin Andrea Lebek vom Verein "Gleich und Gleich".

Wann wird ihr Leben wirklich normal sein? "Wenn Eltern sich über die erste Liebe ihres Kindes genauso freuen wie über die eines heterosexuellen Kindes," sagt Renate Rampf, Pressesprecherin des Lesben- und Schwulenverbandes. Manuela Kay ist skeptischer: "Anderssein muss man sich jeden Tag neu erkämpfen." Es bedeute auch, ganz normale Sorgen zu haben wie Figurprobleme, Geldnöte, Arbeitsstress. Vielleicht kann man es so sagen: Erst, wenn Schwule und Lesben nur noch diese ganz normalen Probleme haben, sind sie wirklich in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

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Welche Erfahrungen haben Sie gemacht? Wie gehen Sie mit Diskriminierung um? Im Forum Liebe unter dem Regenbogen können Sie sich austauschen.

Buchtipps und Internet-Adressen

Meike Watzlawik, Friederike Wenner: "... und ich dachte, du bist schwanger! Frauen erzählen ihr Coming out" (17,50 Euro, Gatzanis Verlag)

Joachim Braun: "Schwul und dann? Ein Coming-out- Ratgeber" (14,90 Euro, Querverlag)

Lesbenberatungsstellen in ganz Deutschland: www.libs.w4w.net
Schwul-lesbische Jugendgruppen bundesweit, Aktionen und Veranstaltungen: www.lambda-online.de
Foren, Termine, Tipps, Dating für Lesben: www.l-mag.de
Toleranz-Preis: www.schmidpeter-preis.de

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  • Artikel vom 22.02.2007
  • Text: Ariane Heimbach
    Foto: Clipart
    BRIGITTE Heft 6/2007
Letzte Kommentare
  • Schmidt
    am 09.02.12 um 18:46
    Hier nur die Frauenwelt betreffend ...

    Oft ist zu lesen: „Die Hälfte der lesbischen Frauen hat hin und wieder Sex mit Männern.“
    Davon ging auch B. aus, der sich unsterblich in eine lesbische Dame namens Luise verliebt hatte. Dass sie um einiges älter war, störte B. nicht. Er zog alle Register, um Luise zu erobern – erster Erfolg: B. wurde zum Tee eingeladen - zwanglose Konversation – besser als nichts. „Ich finde Sie sehr sympathisch!“, sagte Luise. „Ich würde Sie gern wiedersehen, aber bitte – machen Sie sich keine Illusionen – hab seit eh und je Weiberröcken nachgehangen – bin wohl erblich belastet! Für heute machen wir erst einmal Schluss – rufen Sie mich doch einfach wieder an!“
    Luise hatte sich später in eine „Gleichgesinnte“ verliebt. B. blieb trotzdem in seinen Plänen eisern, Luise zu erobern …
    Nach meiner jetzigen Erfahrung werden lesbische Frauen mehr u. mehr akzeptiert - auch in “Antiquitätenmarder … noch lebe ich!“, AAVAA-

 
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