"Generation Porno": Wie verroht ist unsere Jugend?

In der ARD-Doku "Letzter Halt Sex - Kids am Abgrund" warnt Bernd Siggelkow vor einer sexuellen Verwahrlosung der Jugend. BRIGITTE.de hat mit dem Pastor über die "Generation Porno" gesprochen.

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Sexorgien, Vergewaltigungen, Handy-Pornos: Die Fernsehdokumentation "Letzter Halt Sex - Kids am Abgrund" (5.8., ARD, 23:30 Uhr) des Filmemachers, Arztes und Psychologen Manfred Bölk zeigt erschreckende Szenen aus deutschen Kinder- und Jugendzimmern. Einer Interviewten im Film ist der Pastor Bernd Siggelkow aus Berlin. Der Gründer des Hilfswerks Arche e.V. setzt sich seit Jahren für benachteiligte Kinder ein und weist immer wieder auf zunehmende Armut und Verwahrlosung hin, zuletzt in seinem Bestseller "Deutschlands sexuelle Tragödie". BRIGITTE.de hat mit ihm über die neue "Generation Porno" gesprochen.

Bernd Siggelkow, 45, Gründer des Kinder-hilfswerks Arche, wuchs selbst in einer zerrütteten Familie in Hamburg-St. Pauli auf

Bernd Siggelkow, 44, Gründer des Kinder-
hilfswerks Arche, wuchs selbst in einer zerrütteten Familie in Hamburg-St. Pauli auf

BRIGITTE.de: Herr Siggelkow, in den vergangenen Monaten haben Sie viele Preise für Ihre Arbeit bekommen, das Medieninteresse ist groß. Ist das auch ein Signal dafür, dass wir uns Sorgen um unsere Kinder machen müssen?

Bernd Siggelkow: Ich glaube schon, dass die Menschen in den letzten Jahren sensibler für dieses Thema geworden sind. Als ich angefangen habe, mich für benachteiligte Kinder einzusetzen, war die Aufmerksamkeit noch sehr gering. Diese Kinder hatten einfach keine Lobby. Das hat sich inzwischen geändert, nicht zuletzt durch die bekannten Fälle von verwahrlosten und misshandelten Kindern. Sie sind nun keine Zahlen mehr, sondern Realität.

BRIGITTE.de: Besonders viel Aufsehen hat Ihr Buch "Deutschlands sexuelle Tragödie" erregt, in dem Sie Gespräche mit Teenagern über deren Sex-Erfahrungen protokollieren. Da ist die Rede von Sexorgien, Pornos im Kinderzimmer - haben Sie nur die krassesten Berichte aufgeschrieben, um aufzurütteln?

Bernd Siggelkow: Hätte ich die krassesten Berichte aufgeschrieben, hätte wohl kein Mensch dieses Buch gelesen, weil es kaum zu ertragen wäre. Wir haben uns für eine Auswahl entschieden, die repräsentiert, was wir täglich in unserer Arbeit erleben und was uns die Jugendlichen erzählen. Die Berichte sollen zeigen, was passiert, wenn man Kindern nicht das Gefühl von Geborgenheit und Liebe gibt.

BRIGITTE.de: Aber sind diese Berichte denn repräsentativ? Studien der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zeigen, dass die Teenager in Deutschland eher verantwortungsvoller mit Sexualität umgehen.

Bernd Siggelkow: Wir beschreiben in unserem Buch vor allem Jugendliche aus den sozialen Randschichten und nennen auch keine repräsentativen Zahlen. Doch auch wenn es sich hier um eine kleine Gruppe handelt, heißt das nicht, dass es nicht alarmierend ist. Als ich 2003 auf das zunehmende Problem der Verwahrlosung hinwies, hielten das auch viele für übertrieben. Heute wissen wir, dass jede Woche zwei Kinder an den Folgen von Verwahrlosung sterben. Die Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung vermitteln auf den ersten Blick ein positiveres Bild, aber auch dort beobachtet man, dass Kinder immer früher Porno-Filme anschauen und betrachtet das als ernst zunehmendes Problem. Ein weiteres Indiz dafür, dass es sich hier nicht um Ausnahmen handelt, sind die vielen E-Mails, die ich täglich bekomme. Da berichten etwa Grundschullehrer, dass Kinder sich Pornofilme per Handy zuschicken oder sogar Kindergärtner, dass die Dreijährigen Sexstellungen ihrer Eltern nachspielen.

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  • Interview: Michèle Rothenberg
    Foto: SWR/Manfred Bölk
Letzte Kommentare
  • BillyBoy
    am 22.10.10 um 18:13
    So ein Schwachsinn!
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