Porträt: Wer ist Joachim Löw?

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Es sind klassische Löw-Momente: Wer versucht, ihn zu fassen zu kriegen, greift daneben. Da ist Fußballsachverstand, da ist Bescheidenheit, Verbindlichkeit, aber was da nicht ist, ist ein Löw, den man verstehen oder erklären könnte. So flüchten Journalisten sich oft in Analysen seiner Garderobe. Zum Beispiel das Seidenhalstuch, das er oft trägt. Er habe eine Vorliebe für dieses "durchaus heikle Accessoire", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung", aber Löw umschiffe die durchaus gegebene Gefahr, "dandyhaft und altväterlich zu wirken", indem er das Tuch "wie einen Wollschal knotet und es so zum Anzug wie zum Anorak trägt". So werde es "zum selbstverständlichen Accessoire, das ihn trotzdem unverwechselbar macht".

Vielleicht hat das Seidenhalstuch Symbolcharakter, weil es wie eine Art Ablenkungsmanöver ist, ein Blitzableiter: Ihr schaut mich an und versucht, mich zu verstehen, aber euer Interesse findet keinen anderen Anhaltspunkt als eben dieses Tuch. Und darum ist Joachim Löw der beste Bundestrainer, an den wir uns erinnern können: Weil er ein Geheimnis bleibt, weil wir ohne ein fest gefügtes Bild von ihm in die EM gehen. Er wirft uns auf uns selbst zurück, er gibt uns keine Sicherheit.

Die Schwäche seiner Vorgänger war, dass sie als Klischee ihrer selbst anfingen und aufhörten. Das einzige echte Löw-Klischee ist der Spitzname, den er schon als junger Kicker bekam, wegen seiner Ruhe und Gelassenheit: Jogi. Selbst dieser Spitzname ist komplexer und geheimnisvoller als "Kaiser" oder "Tante Käthe". Der Bundestrainer Löw verkörpert, dass die Zeit der einfachen Antworten ein für alle Mal vorüber ist, er steht für ein schillerndes, hochmodernes Männerbild.

Natürlich kann es sein, dass die Nationalmannschaft in der Europameisterschaft unglücklich ausscheidet, man weiß es nie. Dann wird nicht viel übrig bleiben von unserer Jogi-Löw-Faszination. Denn am Ende geht es hier um: Fußball.

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  • Artikel vom 10.06.2008
  • Text: Till Raether & Stephan Bartels
    Fotos: Edgar Rodtmann
Letzte Kommentare
  • kleinmonika
    am 14.05.12 um 00:58
    Ich drücke der Mannschaft von Jogi ganz fest die Daumen,das sie es diesesmal schaffen.
  • Joe Dittmann
    am 11.03.12 um 15:36
    an Albert,
    Klinsmann ist bereits seit 2006 Geschichte. Er hat viel geändert, auf dem Löw aufbauen kann, aber das muss man auch richtig machen. Und das hat Löw.
    Wenn man die Sache mit Ballack und Leverkusen betrachtet, gibs da Parallelen zum DFB Problem, die im Charakter von Ballack zu finden sind. Ein schwieriger Egomane, der nicht erkennt, daß sein Zeit abgelaufen ist.
    Fakt ist, seit Ballack weg ist, spielt die Mannschaft besser. Und wenn sie auch nicht Europameister wird, so macht es doch Spaß, einer solchen Mannschaft zuzuschauen. Vergessen sind die leidigen 90er, als noch andere Dinge eine Rolle spielten. Da wurde zwar gewonnen, aber das Zuschauen machte keinen Spaß.
    Weiter sp Herr Löw und Herr Flick!!
  • albert
    am 01.03.12 um 08:14
    Sehr geehrter Herr Löw,sie konnten bisher aus dem vollen schöpfen.Das was Klinsi aufgebaut hat,konnten sie weiterführen.Nun haben sie Glück,das es viele Spieler gibt,die Ihren"Arbeitsplatz"sichern.Als Mensch sind Sie für mich aber ein Nichts.Wie Sie mit Michael Ballack umgegangen sind ist die unterste Schublade.Was er für die Nationalmannschaft bewegt hat,hat letzlich auch Ihren Hintern gerettet.Nach seiner schweren Verletzung hätte er sich es verdient,die 100 Länderspiele voll zu bekommen.Es waren einige Vorbereitungsspiele zu bestreiten,wo er wenigstens ein paar Minuten hätte eingesetzt können.So hätte er auch ein würdevolles Abschlußspiel bekommen können.Sie aber in Ihrer überheblichen Art wußten dies zu verhindern.Aber auch für Sie wird die Stunde der Wahrheit noch kommen,vielleicht schon bei der nächsten Europameisterschaft.Für die Jungs täte es mir sehr leid,aber Ihnen wünsche ich es sehr.Der erste Dämpfer hat sich bereits gegen Frankreich angekündigt.
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