- In diesem Artikel:
Die soziale Kompetenz der Frauen kennt kaum Bildungsunterschiede
Zensuren sind ungerecht - wir haben es bei jeder Fünf geahnt. Aber wie wenig sie tatsächlich aussagen, zeigt der Fall Andrea B. Die 27-Jährige ist Kauffrau und Ex-Realschülerin, eine Frau mit mittlerem Bildungsabschluss und mittelmäßigen Zensuren, sagt die Statistik. Aber wenn Andrea B. redet, dann klingt sie wie ein Personalchef mit Doktortitel. "Um im Job zu bestehen, muss ich kritikfähig sein, und das heißt nicht nur austeilen, sondern auch einstecken können", antwortet sie zum Beispiel auf die Frage, was im Beruf heutzutage wichtig sei. Im Fach soziale Kompetenz bekäme Andrea B. bestimmt eine Eins - allerdings wird das Fach so an keiner Schule unterrichtet.
Noch nicht, könnte man fast sagen. Denn Umdenken wird Pflicht. Überall. Das ist eines der wichtigsten - und nachhaltigsten - Ergebnisse unserer großen repräsentativen BRIGITTE-Studie Frauen auf dem Sprung. Umdenken müssen z. B. all diejenigen, die noch immer meinen: Die Leute mit den besten Zeugnissen haben auch die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Zertifikate sagen oft nichts über Job-Qualifikationen, und das trifft besonders bei Frauen zu", erklärt die wissenschaftliche Leiterin der Untersuchung, Prof. Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB). "Frauen sind durch ihr Sozialverhalten viel schlauer, als ihr Schulabschluss verrät."
Denn egal ob Hauptschülerin oder Abiturientin: Teamfähigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktfähigkeit waren stets gleich stark ausgeprägt. Was bedeutet: Die soziale Kompetenz der Frauen kennt kaum Bildungsunterschiede. Ein Ergebnis, das in seiner Deutlichkeit selbst die Bildungssoziologin Allmendinger überrascht hat. Gymnasiasten mit Einser-Abschluss arbeiten grundsätzlich besser als mittelmäßige Realschülerinnen? Elite-Studenten bringen auch Elite-Leistungen? Die Ergebnisse belegen eindeutig, dass das keineswegs stimmen muss.













