"Tatort": Wenn Mütter überfordert sind

Überfordert, harmoniesüchtig, außer Kontrolle: Der "Tatort" gestern zeigte den bedrückenden Fall einer Mutter, die ihr Kind umgebracht hat. Ist unser Anspruch an Mütter zu hoch?

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Eine Mutter tötet ihr Kind. Wie kann das passieren? Was geht in dieser Frau vor? Dieses bedrückende Thema wurde gestern im "Tatort" aus Kiel "Borowski und die heile Welt" behandelt. Sehr behutsam, sehr eindringlich. Ohne Effekthascherei.

In dem Krimi verliert eine junge Mutter (grandios gespielt von Katharina Wackernagel) ihre Grenzen. Aus Überforderung, aus dem Zwang heraus, dass ihre kleine Familie ein heiliger Ort sein muss, ein Ort ohne Kratzer, so schön und unbeschwert wie in der Werbung. Ein extremer Fall, aber das Thema lässt einen nicht so schnell los. Was stellen viele Frauen nicht alles an, um Harmonie in die Familie zu bringen, um ihren Kindern den bestmöglichen Start ins Leben zu ermöglichen: Sie hetzen zu Horten oder Kindergärten, um einen passenden Platz zu finden, veranstalten eine Tournee durch zig Grundschulen und Gymnasien, um die richtige Schule ausfindig zu machen. Daneben sind sie berufstätig, sehen fabelhaft aus, wollen eine perfekte Partnerin sein ...

Ist unser Anspruch zu hoch? Was meinen Sie?

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  • Artikel vom 04.05.2009
  • Text: Anna M. Löfken
    Foto: ARD
Letzte Kommentare
  • E
    am 05.05.09 um 22:24
    Schon alle Tatorte haben ein Zeitproblem behandelt. Und jeder gute Krimi tut es auch.

    Diejenigen unter uns, denen das Verständnis für das Verhalten unter elementarem Stress abgeht, hat vielleicht noch nie die persönliche Grenzsituation erlebt, an der es einfach nicht mehr weitergeht. Und das Empfinden, wann es nicht mehr weitergeht, ist sehr, sehr subjektiv.

  • atman
    am 05.05.09 um 13:22
    Im Grunde müssten wir alle doch nur "good enough" sein. Gut genug, dass die Kinder einen guten Start haben und wir dabei noch wir selbst bleiben können. Gut genug, dass in unseren Haushalten sich keiner die Cholera oder Typhus holt, vom Fußboden essen muss ja keiner, wir haben doch alle Tische!

    Aber das und vieles andere schaffen wir nicht mit gutem Gewissen. Irgendwo klappt es, aber es gibt bei fast jeder Frau, die ich kenne, riesige schlechte Gewissen-Areale. Und die machen uns krank. Mich jedenfalls.

    Weil ich in keinem leeren Raum lebe. Meine Nachbarn, Freundinnen, Mit-Mütter wollen, dass man bei mir vom Fußboden essen kann und dass ich allzeit bereit bin, mich für die Familie aufzuopfern. Erwecke ich diesen Anschein, bin ich angesehen, sonst muss ich auch noch an dieser Front kämpfen. Und ich bin des Kämpfens müde. Ich habe keine Lust abends auch noch zu erklären, warum es gut ist, dass ich nicht perfekt bin. Ich möchte es einfach sein können und gut ist.

  • Lalique
    am 04.05.09 um 17:04
    In Einzelfällen waren Mütter immer überfordert und es geschah Schreckliches mit den Kindern.
    Im großen und ganzen zeigen sie sich aber der Anforderung gewachsen.
    Die Mutter meines Partners ist im kältesten Winter aller Zeiten - 1943 - mit 4 Kindern unter 10, eines davon ein Wickelkind, ein halbes Jahr lang von Westpreußen nach Westfalen geflüchtet, meist zu Fuß.
    Sie sind beschossen worden, sahen an den Wegen steifgefrorene Leichen und wussten morgens nicht, wo sie das Essen und einen Schlafplatz für den Tag bekamen.
    Diese Frau verlor auf der Flucht alle Zähne, aber sie sagte, sie sei wie in Trance gewesen die ganze Zeit, weil sie funktionieren MUSSTE und es hätte sich immer eine Möglichkeit gefunden.
    Ich "zeige nicht mit dem Finger" auf Mütter, die total durchdrehen, aber mein Verständnis hält sich in Grenzen.

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