"Tiger, Tiger" von Margaux Fragoso: Verliebt in den Peiniger

Leseprobe: Margaux Fragoso wurde als Kind 15 Jahre lang missbraucht, ohne dass das Verbrechen aufflog. Nun hat sie ihre unfassbare Lebensgeschichte im Buch "Tiger Tiger" aufgeschrieben.

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"Tiger, Tiger", Margaux Fragoso, Ü: Andrea Fischer, 335 S., 24,90 Euro, Frankfurter Verlagsanstalt

"Tiger, Tiger", Margaux Fragoso, Ü: Andrea Fischer, 335 S., 24,90 Euro, Frankfurter Verlagsanstalt

Margaux Fragaso hat ihr erstes Buch veröffentlicht, und "Tiger, Tiger" ist leider alles andere als eine Tiergeschichte. Ich war mir lange nicht sicher, ob ich dieses Buch überhaupt vorstellen soll. Geschrieben hat es Margaux Fragaso, eine junge amerikanische Autorin, die ihre eigene Geschichte erzählt: Mit 7 fragt sie im Schwimmbad einen Mann, ob sie mit ihm spielen darf. Er ist 51. Er wird ihr Freund, Ersatz-Vater, Liebhaber. Sie wird Opfer eines sexuellen Missbrauchs, ein Mädchen mit geraubter Kindheit, das sich einredet, nicht schnell genug erwachsen werden zu können. Für ihn, den Mann, den sie heiraten will, damit ihre Liebe normal wird. Als sie 22 ist, nimmt er sich das Leben. Ihre psychisch kranke Mutter, ihr Vater, seine Lebensgefährtin - sie alle schauen zu und wollen doch nichts wissen. Nur einmal in all den Jahren, versucht eine Sozialarbeiterin, Margaux zu helfen und sagt zum Kinderschänder, dem sie nichts beweisen kann: "Sie tun mir jedenfalls jetzt schon leid, wenn das Mädchen irgendwann aufwacht." Ihr Buch beschreibt eine verführerische Welt voller Geheimnisse und das ist - wenn die beiden "Lolita" lesen, "Pretty Baby" schauen oder meinen, Liebe zu machen - wirklich zum Kotzen. Aber Schweigen und Verdrängen sind genau die Reaktionen, auf die Pädophile sich verlassen. Das "Mädchen" hat es gebrochen. Mit einem guten Buch, das hoffentlich für Aufregung sorgen wird.

Angela Wittmann

Leseprobe zu "Tiger, Tiger" von Margaux Fragoso

Die Autorin Margaux Fragoso

Die Autorin Margaux Fragoso

PROLOG

Ich begann, dieses Buch im Sommer nach dem Tod von Peter Curran zu schreiben, den ich mit sieben Jahren kennenlernte und mit dem ich fünfzehn Jahre eine Beziehung hatte, bis er im Alter von sechsundsechzig Selbstmord beging.

In der Hoffnung, dem, was geschehen ist, einen Sinn zu geben, habe ich die Geschichte meines Lebens aufgezeichnet. Selbst wenn ich nicht an ihr arbeitete, wenn sie nur in einem Fach meines Wandschranks lag, überfiel mich täglich um Punkt zwei Uhr nachmittags die Verzweiflung und erinnerte mich an das Geschehene, denn das war die Zeit, wenn Peter mich zu unserer täglichen Spazierfahrt abholte. Dieselbe Verzweiflung quält mich noch heute um fünf Uhr nachmittags, dann, wenn ich ihm immer, den Kopf an seiner Brust, etwas vorlas. Um sieben Uhr abends, wenn er mich in den Arm nahm, und schließlich um neun Uhr, wenn wir zu unserer abendlichen Rundfahrt aufbrachen: zuerst auf dem Boulevard East in Weehawken, dann zur River Road und anschließend hinunter zum Imbiss Royal Cliffs, wo ich einen Becher Kaffee mit viel Sahne und exakt sieben Stück Zucker und einen Brotpudding mit Rosinen und Schlagsahne kaufte oder, wenn Peter etwas anderes wollte, einen Reisauflauf. Wenn ich wieder im Wagen war (dem Granada, dem Cimarron, dem Escort oder dem schwarzen Mazda), wendete er, und wir fuhren über die River Road und den Boulevard East zurück, vorbei an den teuren Häusern im viktorianischen oder neogotischen Stil, blickten über den Hudson River hinüber zu den Lichtern der Wolkenkratzer, die wie tausend Spiegel funkelten, und manchmal hielten wir an und beobachteten ein Gewitter.

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Letzte Kommentare
  • Winfried
    am 17.04.11 um 20:10
    Ein ganz großartiges und lehreiches Buch, nur wenn man die Strategien der Täter kennt, kann man seine Kinder schützen!

    Die gnadenlose Offenheit, die nicht nach dem einfachen GutBöse Schema abläuft, verletzt auch die einfachen Schuldschemata aber am anfang steht immer der Täter, der eben kein einfaches Monster ist! Diese Geschichte ist absolut glaubwürdig, gerade weil die feinen psychologischen Mechanismen dabei offen gelegt werden. Viele der scheinbaren Nebensächlichhkeiten verbinden sich zu einem Gesamtbild. Warum arbeitet die Mutter dem Täter zu? Der Täter erkennt eben schnell das Opfer in ihr!

  • Anne
    am 28.03.11 um 14:24
    Es ist ein sehr unglaubwürdig geschriebenes Buch.
    Nur ganz selten, in wenigen Zeilen, schleicht sich beim Lesen das Gefühl ein, es könnte ähnlich wie geschrieben auch gewesen sein.
    Endlos lange, konstruierte Beschreibungen von Nebensächlichkeiten sowie abstruse Familiengeschichten, motivieren eher zum Weglegen statt Weiterlesen des Buches.

    Nicht die 24,95 Euro wert!

  • linedance
    am 14.03.11 um 19:00
    da ich selbst 2 töchter habe, ist das ganze für mich unfassbar, traurig und ekelhaft.
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