Schutz der Urwälder: Eine Idee, die sich lohnt

Mit einer radikalen Idee sind Umweltschützer zum Weltklimagipfel in Kopenhagen gereist: Länder, die ihre Urwälder unter Schutz stellen, sollen Geld bekommen - richtig viel. WWF-Expertin Guenola Kahlert zum Vorstoß, dem wir die Daumen drücken.

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Karge Fläche, wo einst Urwald stand: Tropentechnologin Guenola Kahlert, 39, will die Brandrodung stoppen. Denn die trägt massiv zum Klimawandel bei

Karge Fläche, wo einst Urwald stand: Tropentechnologin Guenola Kahlert, 39, will die Brandrodung stoppen. Denn die trägt massiv zum Klimawandel bei

BRIGITTE: Beim UN-Klimagipfel werden Delegierte aus 190 Ländern vor allem wieder darüber streiten, wie viel Treibhausgas weiterhin in die Luft geblasen werden darf. Sie wollen aber noch etwas ganz anderes, nämlich: Gelder für Wälder. Wie stellen Sie sich das vor?

Guenola Kahlert: Ein Drittel aller Treibhausgase, die zur globalen Erwärmung beitragen, stammen aus der Verbrennung von Urwäldern. Deshalb stehen Brasilien und Indonesien weltweit an dritter und vierter Stelle bei der CO2-Emission - nach den USA und China -, obwohl es dort ja gar nicht so viel Verkehr und Industrie gibt. Das heißt: Die Vernichtung von Wäldern muss unbedingt gestoppt und in das gesamte Klimakonzept einbezogen werden. Außerdem erfüllen riesige Waldflächen, wie zum Beispiel der Amazonas-Regenwald, auch andere wichtige Funktionen: Sie wirken wie eine Klimaanlage. Durch die Verdunstung kühlt der Wald das Weltklima. Wenn diese Klimaanlage ausfällt, kann das dramatische Folgen haben.

BRIGITTE: Aber die Industrienationen können den Entwicklungsländern doch nicht einfach vorschreiben: Ihr dürft nichts mehr abholzen - seht zu, wie ihr klarkommt.

Guenola Kahlert: Genau, so geht es nicht. Den Entwicklungsländern entgehen Einnahmen, wenn sie den Wald und die Fläche nicht nutzen dürfen. Deswegen muss die internationale Staatengemeinschaft ihnen Geld zur Verfügung stellen. Weltweit rechnen wir mit ungefähr 33 Milliarden US-Dollar im Jahr, die dafür gebraucht würden.

BRIGITTE: Und woher soll diese Summe kommen?

Guenola Kahlert: Das REDD-Konzept* - so heißt die Idee, die wir jetzt in Kopenhagen einbringen - sieht dafür verschiedene Möglichkeiten vor. Diskutiert wird ein Fonds, den alle Länder füllen müssen, die zur globalen Erwärmung beitragen. Da könnten auch zum Beispiel Abgaben aus dem Luftverkehr einfließen. Eine andere Möglichkeit wäre, den Kohlenstoffmarkt für Wald-Zertifikate zu öffnen, also die Emission, die nicht entsteht, weil der Wald nicht abgebrannt wird, zu beziffern - aber dagegen gibt es große Vorbehalte. Wir vom WWF stellen uns eine kombinierte Lösung vor: ein Fonds plus Zertifikate, die belegen, welche Wälder geschützt werden sollen und wo das dafür eingezahlte Geld hinfließt.

* REDD steht für: Reducing Emissions from Deforestation and Degradation

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  • Interview: Silke Baumgarten
    Fotos: iStockphoto, privat
    BRIGITTE Heft 26/2009
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