Schutz der Urwälder: Eine Idee, die sich lohnt
BRIGITTE: Aber wer soll das kontrollieren?
Guenola Kahlert: Dafür wäre ein unabhängiges Gremium vom Klimarat zuständig. Ähnlich dem Gremium, das jetzt schon die Einhaltung des Kyoto-Protokolls kontrolliert. REDD-Gelder sollen für Maßnahmen eingesetzt werden, die die Entwaldung im Land stoppen. Auch Umschulungen von Holzfällern zu Ökotourismus-Guides können damit finanziert werden. Wir wollen ja nicht irgendwelchen Regierungen einfach Geld in den Rachen schmeißen.
BRIGITTE: Bleibt die Frage: Wer bewertet, welche Wälder erhalten werden sollen? Auch eine Eukalyptus-Plantage ist ja ein Wald - aber eben kein schützenswerter.
Guenola Kahlert: Das ist einer der Knackpunkte bei den Klimaverhandlungen. Deshalb kämpfen wir dafür, dass nicht jede geschlossene Baumdecke ins REDD-System aufgenommen wird, sondern nur Wald, der auch Artenvielfalt sichert und vielen Menschen als Lebensgrundlage dienen kann.
BRIGITTE: Wie stehen denn die Entwicklungsländer zu diesem neuen Konzept?
Guenola Kahlert: Viele Länder begrüßen es, weil es Geld gibt - das ist natürlich immer gut. Aber Brasilien beispielsweise will einen Fonds und keinerlei Verpflichtung, was dort genau mit dem Geld geschieht. Das kann es nicht sein. Die Balance zwischen der Autonomie der Länder und einer notwendigen Kontrolle von außen muss sensibel angegangen werden. Andere Länder wollen nur für einzelne Projekte Geld. Dagegen haben wir jedoch Bedenken. Denn dann kann es passieren, dass zwar ein Wald geschützt wird, aber ein paar Kilometer weiter eine andere Fläche abgeholzt wird. Deshalb brauchen wir verbindliche Vereinbarungen.
BRIGITTE: Wie schätzen Sie die Chance ein, dass sich dieses neuartige Konzept auf dem Weltklimagipfel auch durchsetzt?
Guenola Kahlert: REDD wird kommen, da bin ich sicher. Allerdings sind noch viele Detailfragen zu klären. Doch zunächst reicht es, wenn das Konzept grundsätzlich absegnet wird. Denn alles, was der Weltklimagipfel jetzt in Kopenhagen beschließt, wird ja ohnehin erst 2012 in Kraft treten, weil dann das Kyoto- Protokoll ausläuft. Und bis dahin haben wir genug Zeit, um an den Details zu feilen.













