Vergewaltigt und schwanger - wie Mütter damit leben
Vergewaltigt und schwanger – wie Mütter damit leben
BRIGITTE.de: In Diskussionen um Schwangerschaftsabbrüche fällt oft das Argument: "Käme für mich nicht in Frage – außer, ich wäre vergewaltigt worden..."
Dr. Susanne Heynen: Die Palette der Gefühle bei einer durch Gewalt entstandenen Schwangerschaft ist komplex und übersteigt das, was Außenstehende sich für gewöhnlich vorstellen können. Von den 27 Frauen, mit denen ich gesprochen habe, wurden sechs nach der Vergewaltigung schwanger - und keine entschied sich für einen Schwangerschaftsabbruch. Neben der Frage nach der Beziehung zum Täter und seiner Gewalttat beschäftigte diese Frauen ihr Verhältnis zum Kind: In wie weit erlebe ich das Ungeborene als Teil von mir oder als eigenständiger Mensch? Und hat ein Kind überhaupt Platz in meinem Leben? Allerdings sind die Ergebnisse meiner Befragungen nicht repräsentativ. Meine Gesprächspartnerinnen waren alle von ihrem Partner und in einem Fall von einem Verwandten vergewaltigt worden.
BRIGITTE.de: Das heißt, nach einer Vergewaltigung durch einen Fremden wird möglicherweise eher abgetrieben?
Heynen: Das halte ich für denkbar. Fakt ist aber auch: Nur ein sehr geringer Prozentsatz von Frauen gibt bei der Schwangerenberatung eine Vergewaltigung als Grund für eine Abtreibung an.
BRIGITTE.de: Wie oft kommen solche Schwangerschaften denn überhaupt vor?
Heynen: Eine US-Studie geht davon aus, dass auf 5 Prozent aller Vergewaltigungen eine Schwangerschaft folgt. Das wären bei über 8000 angezeigten Fällen von Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung im Jahr 2006 in Deutschland rund 400 Schwangerschaften. Die erste deutsche repräsentative Prävalenzstudie des Bundesfamilienministeriums zeigt, dass es sich bei den Tätern zu knapp 50 Prozent um Expartner oder Geliebte handelt. 7 Prozent der 10.264 schriftlich befragten Frauen gaben an, sexuelle Gewalt durch den Partner erlitten zu haben.













