Alina mit ihrem Verlobten Nicu
Alina wollte ein schönes Hochzeitsfest feiern. Sie sah sich schon im weißen Kleid mit ihrem Nicu tanzen, inmitten ihrer Verwandten
und Freunde. Aber wer sollte das bezahlen? Sechsmal die Woche ging sie in die Matratzenfabrik, schnitt am Fließband Schaumstoff zurecht, für 70 Euro im Monat. Das reicht auch in Rumänien gerade mal fürs Essen - aber nicht für eine eigene Wohnung und schon gar nicht für ein Fest. Da erschien es ihr wie ein Wink des Schicksals, als eine Kollegin erzählte, dass sie durch eine Eizellenspende mehr verdienen könne als sonst in drei Monaten. "Was ist schon dabei, ob dein Ei im Tampon landet oder ob du es
an Frauen verkaufst, die ein Kind wollen", ermunterte sie Alina. Die junge Frau ging schließlich mit in das Behandlungszentrum in Bukarest, an dessen Türschild "Global Art" stand. Doch dann wäre sie an der
Eizellenspende fast gestorben. "All das, was mit mir passiert ist, geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Ich bin seither eine andere", sagt sie.
Wir treffen Alina und ihren Verlobten Nicu in einem Bukarester Hotel. Sie ist
gerade 20 Jahre alt geworden, wirkt verschlossen und unsicher. Lange schwarze Haare fallen auf ihre Schultern, die Jeans spannt über ihrem Bauch. Sie hat nach der Eizellenspende 18 Kilogramm zugenommen, eine
Folge der Behandlung und der folgenden Komplikationen. Beim Tanzen rumort ihr Bauch, und der Rücken schmerzt. Ihre Menstruation kommt seither unregelmäßig, aber heftig, mit starken Schmerzen.
Alina wollte ihren Verlobten mit dem Zusatzverdienst überraschen. Zwar hat man ihr vor dem Eingriff gesagt, dass sie für mögliche Gesundheitsprobleme selbst verantwortlich sei. "Welche das sein könnten,
darüber wurde ich nicht aufgeklärt", erzählt Alina. "Ich musste unterschreiben, dass ich niemandem von der Eizellenspende erzähle und auf alle Rechte an einem möglichen Kind verzichte." Sie wusste nicht,
dass ihr Körper mit einem Hormoncocktail traktiert werden muss, um ihn dazu zu bringen, statt einer Eizelle 15 oder 20 in einem Zyklus heranreifen zu lassen. Schon die erste Injektion vertrug sie nicht: "Ich fühlte mich
schwindlig und schlapp, mir war übel."
13 Tage lang bekam sie täglich eine Spritze. Bereits nach einer Woche war ihr Bauch aufgetrieben. Die Ärztin wiegelte ab: Das sei normal, sie könne die Behandlung jetzt nicht abbrechen. Die Atmosphäre in dem unscheinbaren Neubau schüchterte sie zusätzlich ein: Die Eingangstüren waren immer verschlossen, mit einer Gegensprechanlage wurde jeder
kontrolliert, der hinein wollte, und überall im Haus waren Videokameras installiert. Etwa 15 junge Frauen wurden zeitgleich mit Alina auf die Spende vorbereitet, "aber es war verboten, miteinander zu sprechen".
War ihr das alles nicht unheimlich? "Ja, schon. Aber ich dachte, das sind doch Ärzte, die werden mir schon nichts tun."
Am 14. Tag bekommt Alina um Mitternacht eine Injektion, um den Eisprung
auszulösen. Am nächsten Vormittag soll sie nüchtern in die Praxis zurückkehren. Unter Narkose werden ihre Eizellen "abgeerntet", wie es im Fachjargon heißt und, nach einem kurzen Qualitäts-Check unter dem Mikroskop, gleich im Labor nebenan befruchtet: mit dem Samen ausländischer Männer, der hier tiefgekühlt bereitliegt. Alina bekommt
davon nichts mit. Irgendwann wecken die Arzthelferinnen sie aus der Narkose. "Jede von uns bekam einen Umschlag mit dem Lohn, 250 US-Dollar, in die Hand gedrückt, dazu ein Sandwich und eine freundliche
Verabschiedung - das war’s."
Weibliche Keimzellen sind weltweit Mangelware. Immer mehr Frauen mit Kinderwunsch hoffen durch fremde Eizellen ihre Chancen auf eine Schwangerschaft um einige Prozentpunkte zu steigern - vor allem, wenn sie schon über 40 sind. In Deutschland ist die künstliche Befruchtung per Eizellenspende verboten, in vielen anderen Ländern jedoch erlaubt. Auch in der Forschung gibt es wachsenden Bedarf an menschlichen Keimzellen. So berichtet die englische Tageszeitung "Guardian", dass Ian Wilmut, der wissenschaftliche "Vater“ des Klonschafes „Dolly“, junge Frauen dazu aufrufen will, für seine therapeutischen Klonversuche frische Eizellen zu spenden.













