Ursula von der Leyen: "Alleinerziehende Mütter im Alltag unterstützen"

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BRIGITTE: Eng wird es für viele Alleinerziehende dann noch mal, wenn die Kinder in die Halbtagsschule gehen.

Ursula von der Leyen: Ja, das ist wirklich zermürbend. Wir sind eines der letzten hoch industrialisierten Länder, die noch Halbtagsschulen haben. Ich bin mir des Problems durchaus bewusst und kann nur für Ganztagsschulen werben. Denn wir wissen doch alle um die Chancen einer Ganztagsschule für den Lernerfolg der Kinder, aber auch für berufstätige Eltern. Die Eltern wollen doch eine gute gemeinsame Zeit mit ihren Kindern verbringen und sich nicht abends noch über Mathe, Latein oder Englisch streiten. Seit die Bundesregierung die Länder beim Ausbau von Ganztagsschulen unterstützt, tut sich viel - allerdings mit großen Unterschieden in den Ländern.

BRIGITTE: Aber auch bei den Ganztagsschulen bleibt das Problem mit der Betreuung in den Ferien . . .

Ursula von der Leyen: Auch da gibt es bei uns einen großen Nachhholbedarf. Einige Kommunen sind vorbildlich, andere schlafen noch auf den Bäumen. Dabei ist gute Familienpolitik heute die beste Standortpolitik.

BRIGITTE: Arm sind viele Alleinerziehende auch, weil die Väter gar keinen oder zu wenig Unterhalt bezahlen. Müssen hier neue Gesetze her?

Ursula von der Leyen: Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern eine Unverantwortlichkeit dieser Männer ohnegleichen. Die Gesetze sind scharf. Das Problem ist nicht der untätige Staat, sondern die Väter und ihr Einfallsreichtum, mit dem sie sich zu drücken versuchen. Wenn der Vater nicht zahlt, springt der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss ein, der an die Mutter gezahlt wird. Natürlich will der Staat sein Geld zurück. Aber auch der Staat kriegt nur 20 Prozent wieder. Daran sieht man, wie schwer diese Väter zu fassen sind. So bitter es ist und so wütend es einen macht.

BRIGITTE: Viele Alleinerziehende haben aber den Eindruck, dass die Väter gar nicht konsequent verfolgt werden.

Ursula von der Leyen: Ich kann das im Einzelfall natürlich nicht beurteilen. Aber richtig ist: Es gibt sehr beharrliche Kommunen, die mehr wieder zurückholen - und es gibt andere, weniger hartnäckige, in denen säumige Väter größere Chancen haben, mit ihrem miesen Spiel davonzukommen.

BRIGITTE: Unser Dossier stellte ja fest: Alleinerziehende werden vergessen und verraten. Lassen Sie uns zum Schluss einen Blick in die Zukunft wagen: Deutschland 2020 - was hat sich geändert, werden Alleinerziehende mehr gesehen und berücksichtigt?

Ursula von der Leyen: Ich hoffe und wünsche, dass Alleinerziehende 2020 mit großem Selbstbewusstsein auf eigenen Beinen stehen und für sich und ihre Kinder sorgen können. Deshalb ist das Thema Vereinbarkeit von Beruf und Familie für diese Frauen die Schlüsselfrage schlechthin. Was mir Mut macht: Ein Drittel aller Alleinerziehenden, die in Armut leben, kommen innerhalb von zwei Jahren wieder da raus. Das zeigt die enorme Kraft dieser Frauen und ihren Willen zur Selbständigkeit.

Video: BRIGITTE zu Besuch bei Ursula von der Leyen
Sehen Sie im Video, wie BRIGITTE die 6146 Unterschriften der Familienministerin in Berlin überreicht hat und lesen Sie Ursula von der Leyens Antworten auf Leserfragen im Forum.

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  • BRIGITTE Heft 09/08
    Fotos: Nicole Maskus
    Text/Interview: Silke Baumgarten
Letzte Kommentare
  • Anna
    am 12.01.12 um 10:50
    Hallo erst einmal! Ich erachte eine Differenzierung zwischen Ein-Eltern Familien und Zwei-Eltern Familien auch unter steuerrechtlichen Gesichtspunkten als unbedingt notwendig. Als Alleinverdiener(-in) mit Kind ist man/frau einfach schlechter positioniert, als wenn zwei mögliche Verdiener in einem Haushalt leben. Die steuerliche Benachteiligung der Alleinerziehenden im Vergleich zu einem verdienenden Ehepaar stimmt einfach nicht mit den Maximen unseres sog. "Sozialstaates" überein und ist eine absolute Ungerechtigkeit! Die hilflosen Versuche seitens der Politik, den Zustand der Alleinerziehenden zu verbessern, sind absolut lächerlich, verschleudern einmal wieder nur mehr Steuergelder und helfen den Betroffenen überhaupt nicht. Sehr geehrte Frau von der Leyen, Sie haben das Problem ja gar nicht erkannt! Ihre Statements sind eine einzige Lachnummer! Eigentlich sollte man/frau richtig gezielt gegen die Ungleichbehandlung Alleinerziehender vorgehen..
  • erika
    am 26.11.11 um 04:30
    Warum heist es immer alleinerziehende mütter , und nicht mal alleinerziehende väter mit einer 8std schicht , die schauen müsssen wo sie ihre kinder bei der spätschicht unterbringen können , oder das man ihm eine geeignete hilfe zur seite stellt,oder wie kann es sein das die mutter der kinds so weit weg ist , das sie sich drotz vereinbarung nicht um die kids , die sie verlaaen hat ,, kümmert ,und ihren unterhalts pflichten nicht nach kommt .damit der erleihnerziehende vater , die auslagen für betreuung decken kann . aber wie immer werden solche menschen , die sich um haushalt , kids und arbeit kümmern im stich gelassen ,, ich finde das man den vätern , auch helfen sollte ,, , den sie haben das gleiche recht wie mütter die auf ihre kids auf passen ,, und nicht arbeiten , warum wird nur darüber geredet , aber im nachhinein nichts getan .. erlebe den kampf schon 3jahre , , und nichts passiert , auf den ämtern ,, es gibt so viele arbeitslose .frauen die das machen könnte
  • Lisa Kober
    am 31.08.11 um 08:52
    Das Wort "alleinerziehend" macht die Stigmatisierung in Deutschland deutlich. Das große Glück der Familie ist auf ein kleines, den Mangel ausdrückendes Adverb geschrumpft. Schrecklich. Wie scheinbar leicht kommt unser Nachbarland Frankreich da mit "parent solo" daher. Wir haben einfach keine Lobby in Deutschland. Ich würde mich freuen, wenn Brigitte dieses Thema als Dauerthema aufnehmen würde: wie gehen andere Länder damit um (in Frankreich gibt es mehrere Campingplätze ausschließlich für Einelternfamilien), vertiefte Analyse der Probleme im Einzelnen, Forum für eine Solidarisierung der Betroffenen, ... Wir brauchen Helfer, um den gesellschaftlichen Wandel in geltendes Recht zu wandeln.
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