Waris Dirie über "Wüstenblume":
"Ich habe geschrien, als ich den Film sah"
- In diesem Artikel:
Waris Dirie
BRIGITTE.de: Sie haben erstmals 1997 die Geschichte Ihrer eigenen Beschneidung erzählt. Seitdem kämpfen Sie gegen weibliche Genitalverstümmelung. Wie sieht Ihr Resümee nach über zehn Jahren Engagement aus?
Waris Dirie: Es hat sich sehr viel getan. Die Welt ist sich mittlerweile bewusst, dass es dieses Verbrechen gibt. Ich kann das so genau sagen, weil ich jeden Tag tausende Emails aus der ganzen Welt an meine Stiftung (www.waris-dirie-foundation.com) bekomme, von Leuten die gegen die weibliche Genitalverstümmelung kämpfen. Ich bekomme Emails von Frauen, die das gleiche durchgemacht haben und Emails von Frauen die schreiben: "Danke, durch deine Arbeit hast du meine Tochter vor diesem grausamen Ritual bewahrt."
BRIGITTE.de: Sind Sie zufrieden mit dieser Entwicklung?
Waris Dirie: Sie reicht noch lange nicht. Weibliche Genitalverstümmelung muss ausgelöscht werden. Auf der ganzen Welt. Sie bringt nichts Gutes, sie hat keinen Sinn, sie ist ein Verbrechen. Sie darf einfach nicht mehr existieren. Eigentlich sollten wir gar nicht mehr darüber reden müssen.
BRIGITTE.de: Wie beurteilen sie die politischen Anstrengungen, weibliche Genitalverstümmelung zu verbieten?
Waris Dirie: Ich bin sehr enttäuscht von den Politikern. Es ist lächerlich, dass einige europäische Länder sich noch immer so schwer damit tun, ein Gesetz gegen weibliche Genitalverstümmelung zu erlassen. Das hat eindeutig etwas Rassistisches. Wenn es hier um weiße Kinder ginge, gäbe es diese Diskussion überhaupt nicht. Genitalverstümmelung ist eine brutale Diskriminierung der Frauen. Ich stand vor so vielen Politikern und habe meine eigene Geschichte erzählt. Wo sind diese Politiker jetzt? Es ist ihr Job, weibliche Genitalverstümmelung auszurotten, nicht meiner.













