Waris Dirie über "Wüstenblume":
"Ich habe geschrien, als ich den Film sah"
- In diesem Artikel:
BRIGITTE.de: Wie fühlt es sich an, immer und immer wieder die schmerzhafte Geschichte ihrer Beschneidung der Weltöffentlichkeit zu erzählen?
Waris Dirie: Ich habe es so satt, darüber zu sprechen. Ich mache das nicht zum Vergnügen, es ist nicht leicht sich immer wieder vor Menschen zu stellen und diese sehr persönliche Geschichte zu erzählen. Es ist anstrengend, und es wird mit der Zeit auch langweilig. Es geht hier nicht um meinen persönlichen Kampf, deshalb macht es mich wütend, wenn Leute mir zurufen: "Viel Glück, was du machst ist großartig." Als wäre ich alleine für die Bekämpfung von Genitalverstümmelung verantwortlich.
BRIGITTE.de: Wünschen Sie sich manchmal, dass jemand anderes Ihre Rolle übernimmt?
Waris Dirie: Nicht jemand anderes, die ganze Weltbevölkerung! Jeder von uns sollte seine Stimme gegen weibliche Genitalverstümmelung erheben. Wir alle haben die Macht, Dinge zu ändern. Wir sollten nicht akzeptieren, dass dieses brutale Ritual weiter existiert.
BRIGITTE.de: Was erhoffen Sie sich von der Verfilmung ihres Buches "Wüstenblume"?
Waris Dirie: Der einzige Grund, warum ich dem Film zugestimmt habe, ist die Hoffnung, dass er noch mehr Menschen über die Grausamkeit der weiblichen Genitalverstümmelung aufklärt. Ich hatte am Anfang große Zweifel, mein Leben verfilmen zu lassen und die Geschichte meiner persönlichen Beschneidung erneut derart der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aber es ist richtig, dass der Film gemacht worden ist. Mein Buch hat bereits viele Leute berührt, aber es gibt noch immer viele, die nichts über die Verbreitung von weiblicher Genitalverstümmelung wissen. Vielleicht kann der Film sie erreichen und Leuten rund um die Welt klar machen, dass diese Praxis nichts mit Religion oder Kultur zu tun hat.
BRIGITTE.de: Was haben Sie empfunden, als Sie Ihr Leben zum ersten Mal auf der Kinoleinwand sahen?
Waris Dirie: Ich habe geschrieen. Es war nicht leicht, mein Leben so dargestellt zu sehen. Ich war völlig aufgewühlt am Ende. Was mich mehr als alles andere aus der Fassung gebracht hat, waren die Szenen der Beschneidung, es war fürchterlich. Wenn das die Menschen nicht berührt, weiß ich auch nicht weiter. Ich bin am Ende meiner Straße angekommen, ich kann nicht mehr tun, nichts neues mehr sagen.












