Burnout: Jetzt sind auch die Väter überfordert

Für berufstätige Mütter ist es schon lange grauer Alltag: erschöpft zu sein, chronisch überfordert und an der Grenze zum Burnout. Jetzt geht es auch den Vätern so.

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Seit ihre Kinder im Spielplatzalter sind, treffen André, Philipp und Marek sich regelmäßig am Rand der Sandkiste. Sie haben ein paar Gemeinsamkeiten: Sie arbeiten und verbringen trotzdem viel Zeit mit ihren Kindern. Ihr Anspruch ist, verfügbar zu sein, im Haushalt nicht nur "zu helfen", sondern einen halbwegs gerechten Teil der Arbeit zu erledigen. Ihre größte Gemeinsamkeit aber ist, dass sie mal gedacht haben: Das wird toll, ich krieg das hin. Und jetzt schaffen sie es nicht. Sie sind kaputt und wütend darüber, dass sie kaputt sind, und ihre Frauen sind genervt von ihnen, weil die drei Männer zu Hause schlechte Laune verbreiten und sich über jeden Mist beklagen. "Willkommen in meiner Welt!", sagt Andrés Frau. André hat sich selbständig gemacht, als seine Tochter geboren wurde.

Er ist Web-Designer und arbeitet von zu Hause, das heißt, er hat eigentlich immer Zeit, oder nie, sein Eindruck schwankt zwischen diesen beiden Polen. Seine Frau arbeitet Teilzeit in Festanstellung. Philipp arbeitet im Schichtdienst in einem Pflegeberuf, Vollzeit, seine Frau auch, sie haben beide die gleiche Stundenzahl und stimmen ihre Einsatzpläne nach Möglichkeit so ab, dass immer einer von beiden zu Hause ist, wenn ihr Sohn nicht in der Kita betreut wird. Philipp könnte sich vorstellen, noch weiter zu reduzieren. Seine Frau hat ungläubig gelacht. Ihr wäre es viel lieber, er würde aufstocken. "Du willst doch einen emanzipierten Mann", hat Philipp gesagt, als aus der Diskussion längst ein Streit geworden war. "Ja", hat seine Frau gesagt, "aber einen emanzipierten Mann, der gutes Geld verdient." Die Frau von Marek ist wieder in Elternzeit, sie haben gerade das zweite Kind bekommen, aber er hat sich in seinem Job als Bauingenieur immerhin den Mittwochnachmittag freischlagen können. Jetzt stehen sie hier, Pappbecher mit Milchkaffee in der Hand, wie sich das für moderne Spielplatz- Eltern gehört, sehen ihren Kindern mit müden Augen beim Spielen zu und kommen sich vor wie Idioten.

Anfangs, als sie sich auf dem Spielplatz kennen lernten, haben sie über Fußball geredet. Durchaus auch über ihre Kinder, mit diesem lässig kaschierten Stolz junger Eltern. Inzwischen reden sie eigentlich nur noch darüber, wie fertig sie sind. Nie genug Schlaf. Der Stress im Job, den man mit nach Hause bringt, und der Stress zu Hause, der es einem unmöglich macht, sich vom Stress im Job jemals zu erholen. Bandscheibe; bei André Vorwölbung, bei Marek Vorfall, wird aber konservativ behandelt. Ärger mit ihren Frauen, die doch irgendwie immer gefordert haben oder stillschweigend davon ausgegangen sind, dass ihre Männer an die 50 Prozent von allem übernehmen und trotzdem den größeren Teil der Kohle ranschaffen, und jetzt passt es den Frauen auch wieder nicht, weil die Kerle am Ende sind.

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  • BRIGITTE Heft 05/08
    Text: Till Raether Foto: plainpicture
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