Burnout: Jetzt sind auch die Väter überfordert

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Bevor sie im Rollenchaos und Alltagsmist ausbrannten, sind die Spielplatzväter genau von diesem Punkt aus gestartet: Das große Ziel war, ein guter Vater zu sein, eine gerechte Partnerschaft zu haben, und die kleinen Schritte waren jedes einzelne verdammte Milchfläschchen, jeder freigeschaufelte Nachmittag, jedes "Ich kann nicht zum Kunden, mein Kind hat Windpocken". Und jetzt? Berufstätige Eltern schlagen sich zu Hause mit den Problemen herum, die die Gesellschaft nicht gelöst hat, sie bekommen die unerledigten Hausaufgaben der Politik aufgebrummt: miserable Betreuungsangebote, zu wenig Geld und zu wenig Zeit für Familien.

Wenn sie die Kraft noch haben, können Mütter und Väter sich engagieren, damit sich gesellschaftlich und politisch etwas bewegt. Aber lösen können Eltern die Probleme der großen Welt in der eigenen kleinen Welt nicht allein. Was sie tun können, klingt fast banal, aber es erfordert ein grundsätzliches Umdenken.

"Der entscheidende Punkt ist partnerschaftliche Aufgabenverteilung", sagt Volker Baisch, Geschäftsführer von "Vaeter e.V." in Hamburg: "Eine Liste machen und Aufgaben verteilen - das klingt erschreckend simpel, aber es bringt viel. Doch nur die wenigsten Paare setzen sich hin und machen das." Robert Richter, Co-Autor des empfehlenswerten Ratgebers "Das Papa Handbuch" (176 S., 14,90 Euro, Gräfe & Unzer), stellt eine einfache Frage: "Was sind die Rollenbilder, die ich im Kopf habe, und was sind wirkliche Notwendigkeiten? Man kann daraus nur lernen: weg von der Rollenverteilung, hin zur Aufgabenverteilung.

Weg von der Idealisierung und Überhöhung, hin zur ganz pragmatischen Aufgaben- und Zeitverteilung." Im Grunde ist dies der Abschied vom "neuen Vater", der ganz selbstverständlich die Ernährer- und die Vaterrolle und Teile der Mütterrolle übernimmt. Am Ende bleibt eine Familie, in der Vater und Mutter über jede große und jede kleine Aufgabe, über jeden Alltagsmist immer wieder aufs Neue verhandeln müssen, im Zweifelsfall jeden Tag. Es klingt furchtbar anstrengend und überhaupt nicht lässig. Aber vielleicht ist es weniger vergeblich als das sinnlose Ringen um Mütter- und Väterrollen. Niemand hat gesagt, dass es leicht werden würde. Die Augenringe werden vermutlich bleiben. Aber vielleicht wird das Leben als Familie ein bisschen schöner, mit mehr Zuversicht und Freude. Und das wäre mehr als ein kleiner Schritt.

Überspitzt zusammengefasst: Während Mütter seit Jahren über kaum etwas anderes reden, sind Väter miserabel vorbereitet auf die Herausforderungen der chaotischen modernen Familie. Kein Wunder, dass es sie umhaut. Marek, der Bauingenieur mit dem freien Mittwochnachmittag, erzählt, wie er das Familienleben mit dem gleichen Instrument in Angriff genommen hat wie alles andere: "Meine Erfahrung früher vom Sport, aus dem Studium und den ersten Jahren im Beruf war immer: Wenn ich mich noch ein bisschen mehr anstrenge, kriege ich das hin. Also so ein Selbstverständnis, dass man, wenn man dahin geht, wo's weh tut, so gut wie alles schaffen kann. Die ersten ein, anderthalb Jahre mit Kind habe ich in diesem Sinn so richtig als sportliche Herausforderung gesehen: Noch mehr arbeiten mit noch weniger Schlaf? Super im Job, super als Papa, irgendwann auch wieder super als Partner, und alle klagen, das geht nicht? Dann erst recht!" Er lacht. "Am meisten nervt mich eigentlich, dass alle, die sich darüber immer beklagen, recht behalten haben: Es geht wirklich nicht."

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  • Artikel vom 14.02.2008
  • BRIGITTE Heft 05/08
    Text: Till Raether Foto: plainpicture
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