Eine Zukunft ohne Hunger - ist das möglich?

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BRIGITTE.de: Die Befürworter der Gentechnik sagen, dass mit ihrer Hilfe die Probleme des Welthungers gelöst werden können.

Angelika Hilbeck: Es geht darum, Lösungen zu finden, die die Menschen auch verstehen und die sie selbst weiterentwickeln können. Den Bauern fehlt das Geld, sich jedes Jahr das teure gentechnisch veränderte Saatgut zu kaufen. In Indien wurde zum Beispiel BT-Baumwolle eingesetzt, eine gentechnisch veränderte Baumwollsorte, die BT-Toxin enthält, ein Gift, das die Larven der Baumwollschädlinge abtöten sollte. Den armen, schlecht ausgebildeten Bauern wurden große Versprechungen gemacht, dass die Baumwolle keine Schädlinge mehr hätte. Sie verschuldeten sich, um das Saatgut zu kaufen. Da sie sich nicht jedes Jahr neues Saatgut leisten konnten, kreuzten sie die Gen-Baumwolle mit ihren lokalen Sorten. Ihre Baumwolle wurde von Schädlingen befallen - vermutlich reichte der Toxingehalt nach der Kreuzung nicht mehr aus. Viele Familien waren ruiniert.

BRIGITTE.de: Kann die Bio-Landwirtschaft helfen?

Angelika Hilbeck: Ob die biologische Landwirtschaft einen Beitrag leisten kann, ist im Moment noch völlig offen. Ich denke, der Bioanbau hat grundsätzlich viel zu bieten, durch die traditionellen, vielfältigen Anbausysteme, die man für solche Zwecke optimieren könnte. Der Vorteil ist, dass die Bio-Landwirtschaft ohne neuartige fremde Technologien auskommt, die die Leute nicht kennen und verstehen und die bei falscher Anwendung eine Gefahr für sie bedeuten, wie Pestizide. Doch soweit sind wir noch nicht. Erst müssen die richtigen Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft geschaffen werden. Ein Beispiel: Als es vor einigen Jahren aufgrund der Trockenheit eine große Hungersnot im Süden von Sambia gab, kamen Hilfslieferungen mit Mais, vorwiegend aus den USA. Als Folge brachen die wenigen noch verbliebenen Maismärkte zusammen. Die Strategie vieler europäischer Länder ist, vor Ort Mais aufzukaufen, um den Hungernden zu helfen. Doch im Fall von Sambia war es günstiger, diesen aus den Nachbarländern zu bringen, als ihn vom Norden Sambias in den Süden zu bringen, da Straßen und Transportmittel fehlten. Deshalb musste der Mais in den Nachbarländern gekauft und von dort aus verschifft werden. Wenn die Bauern keine Wege und keine Transportmittel haben, um ihre Ernte zum nächsten Markt zu bringen, hilft auch die beste Ernte immer noch viel zu wenigen. Erst müssen die Rahmenbedingungen stimmen, dann können optimierte Anbausysteme ihre Wirkung nachhaltig entfalten.

BRIGITTE.de: In Johannesburg treffen sich in dieser Woche die Regierungen von 80 Ländern, um über die Zukunft der Landwirtschaft zu entscheiden. Was passiert dort?

Angelika Hilbeck: Hunderte von Wissenschaftlern, Fachleute aus der Lebensmittel- und Biotech-Industrie, aus der Landwirtschaft und von gemeinnützigen Organisationen haben vier Jahre lang gemeinsam überlegt, wie die Zukunft der Landwirtschaft aussehen soll. Sie haben die bestehenden Probleme analysiert, überlegt, was schief gelaufen ist und besser gemacht werden kann. Diese Woche in Johannesburg werden die Zusammenfassungen und Syntheseberichte nochmal Zeile für Zeile durchgegangen, Ziel ist eine Fassung, die die Regierungen absegnen und die dann auch verbindlich ist.

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  • Interview: Monika Herbst
    Fotos: Riehle/laif; Thomas Schulze/dpa; privat
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