Hunde-Erziehung

Lassie-faire in der Hundeschule

Jedes Wochenende geht BRIGITTE-Redakteurin Meike Dinklage mit ihrem Collie Sam in die Hundeschule. Und fragt sich manchmal, wer von beiden dabei eigentlich erzogen wird.

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Züchter nennen es "wesensfest", Meike Dinklage nennt es "dickköpfig": Collie Sam will selten so wie seine Besitzerin.

Züchter nennen es "wesensfest", Meike Dinklage nennt es "dickköpfig": Collie Sam will selten so wie seine Besitzerin.

Es goss. Der Hund machte nicht Platz. Ich sagte "Platz". Der Hund beachtete mich nicht. Ich packte sein Fell, drehte ihn auf den Rücken, so klärt man, wer der Chef ist. Ich brüllte "Platz". Der Hund wand sich aus meinem Griff, sprang an mir hoch und stieß mich um. Ich fiel in den Schlamm. Ich lag im Dreck. Der Hund sprang munter davon.

Ich liebe diesen Hund. Das ist das Problem. Man kann einen Hund nicht erziehen, wenn man ihn für ein Gottesgeschenk hält, unübertroffen an Schönheit und Eleganz. Ich wollte diesen Hund. Da ist eine frühkindliche Lassie-Fixierung im Spiel. Sam ist ein Collie. Äußerlich. Innerlich ist er ein Schäferhund. Das sagt seine Hundetrainerin. Ich würde sagen, Sam ist spaßorientiert.

Futterbeutel und Spielzeug hat Meike Dinklage immer fest im Griff. Nur Sam lässt sich von ihr nicht so leicht um den Finger wickeln

Futterbeutel und Spielzeug hat Meike Dinklage immer fest im Griff. Nur Sam lässt sich von ihr nicht so leicht um den Finger wickeln

Ich lag im Dreck. Die anderen Hunde aus der Junghundgruppe der Hundeschule - Westies, Goldies, Jackies - saßen fest im "Platz", schauten artig zu ihren Besitzern, erwarteten weitere Befehle, um sie sofort freudig und präzise auszuführen. Sam amüsierte sich am hinteren Ende der Hundewiese mit irgendeinem Schnauzer-Mix.

Ich war wütend und gedemütigt. Die Hundetrainerin schaute ernst. Sie sagte: "Der Hund respektiert dich nicht." Ich nickte. Sie sagte: "Sam ist wirklich ein klasse Hund, aber ihr seid nicht konsequent. Ihr setzt ihm keine klaren Grenzen. Ihr braucht ein anderes Training."

Sie sagte "ihr", sie meinte uns, meinen Mann und mich. Ersthundebesitzer mit besten Absichten und weichem Herzen. Das A und O der Hundeerziehung aber lautet: Konsequenz. Niemals vor einem Hundeblick einknicken, dafür sorgen, dass "Sitz" auch "Sitz" zur Folge hat und nicht "eventuell kurz hinhocken, aber gleich wieder aufstehen". In Sams Welt bedeutet Ableinen "Also dann, bis später", und das Kommando "Komm" ist eine vage Erinnerung an die Servicekraft, die ihn auf diese Spielwiese chauffiert hat und jetzt mit lächerlich weit ausgebreiteten Armen rufend dasteht.

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  • Text: Meike Dinklage
    Fotos: Britta Sönnichsen
    Illustrationen: Diana Lukas-Nülle
    BRIGITTE Heft 08/2007
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