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Abnehmen: Macht das Frühstück dick?

Wer abnehmen will, sollte aufs Frühstück verzichten, es kann dick machen. Das sagt der Ernährungswissenschaftler Volker Schusdziarra.

BRIGITTE: Was haben Sie heute Morgen gefrühstückt?

Volker Schusdziarra: Das Gleiche wie immer: eine Scheibe Brot mit Marmelade und eine mit Honig.

BRIGITTE: Nicht gerade das, was Sie einem Übergewichtigen empfehlen würden.

Volker Schusdziarra: Kommt darauf an. Diese Kombination ist zwar nicht kalorienarm, aber auch Übergewichtige dürfen das essen, wenn sie im Verlauf des Tages diese Kalorien einsparen.

BRIGITTE: Es hieß bisher immer: Frühstück sei die wichtigste Mahlzeit des Tages. Sie haben aber jetzt die Gegenthese aufgestellt: Wenn man abnehmen will, ist frühstücken eher ungünstig. Warum?

Volker Schusdziarra: Wir haben untersucht, ob man mit einem bestimmten Essverhalten die tägliche Kalorienaufnahme niedrig halten kann - automatisch und ohne viel nachdenken zu müssen. Das ist ja das ewige Wunschdenken. Dass der Körper das quasi von selber reguliert. Tut er aber nicht. Es hat sich sowohl bei Schlanken als auch bei Übergewichtigen gezeigt: Je mehr Kalorien sie zum Frühstück essen, desto mehr gehen auch die Kalorien am gesamten Tag nach oben. Es kam bei unseren Probanden zwar auch vor, dass nach einem energiereichen Frühstück der Rest des Tages nicht so hochkalorisch ausfiel. Aber das war nur bei einem Viertel aller analysierten Tage so und entspricht damit den üblichen spontanen Schwankungen in unserem Essverhalten.

Prof. Volker Schusdziarra ist Internist und Gastroenterologe am Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München

BRIGITTE: Und das Fazit aus diesen Daten?

Volker Schusdziarra: Es gibt keinen Automatismus. Will man einige Kalorien einsparen, müssen diese auch bewusst reduziert werden. Und dafür bietet das Frühstück die erste Gelegenheit. Wer abnehmen will, sollte sich entscheiden: Entweder das Frühstück so beibehalten und dann bei den anderen Mahlzeiten am Tag bremsen, oder morgens anders essen, dann hat man über den Rest des Tages mehr Freiheiten. Nach unseren Erfahrungen aus der Ernährungsberatung sind kleine Veränderungen bei mehreren Mahlzeiten ohnehin erforderlich.

BRIGITTE: Kaum zu glauben, dass es schon auf die Frühstückskalorien so ankommt.

Volker Schusdziarra: Das typisch deutsche Frühstück macht zwar nur zehn Prozent der täglichen Essensmenge aus und hat auch weniger Kalorien als Mittag- oder Abendessen. Aber es hat die höchste Energiedichte im Vergleich zu den beiden anderen Hauptmahlzeiten - es liefert also viele Kalorien pro Gramm.

BRIGITTE: Das heißt: Unser übliches Frühstück mit Brot und Aufschnitt hat es in sich?

Volker Schusdziarra: Ja, es ist sehr energiedicht. Allein Brot liefert 35 Prozent der morgendlichen Kalorien, gefolgt von Butter mit elf Prozent und süßem Aufstrich mit sechs Prozent. Dazu kommen noch Wurst, Käse und Kuchen. Wir waren überrascht, dass morgens häufig Kuchen gegessen wird.

BRIGITTE: Ist Kuchen zum Frühstück nicht der Dickmacher schlechthin?

Volker Schusdziarra: Nicht unbedingt. Wir haben herausgefunden, dass Normalgewichtige morgens sogar mehr Kuchen essen als Übergewichtige.

Die Vollkornsemmel hat mehr Kalorien als eine Portion Bratkartoffeln

BRIGITTE: Warum essen wir morgens so energiedichtes Zeug? Braucht der Körper das?

Volker Schusdziarra: Nein, braucht er nicht. Das ist vor allem Gewohnheit und Tradition.

BRIGITTE: Und was sollte man Ihrer Meinung nach beim Frühstück reduzieren?

Volker Schusdziarra: Weniger Brot essen. Und weniger Butter - täglich 20 Gramm Butter weniger entspricht, auf ein Jahr betrachtet, dem Energiegehalt von acht Kilo Fettgewebe. Dazu kalorienarme Lebensmittel wie Schinken, Gemüse, Quark und Eier, die haben eine niedrige Energiedichte.

BRIGITTE: Nun empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, viel Vollkornbrot zu essen, weil es uns mit Ballaststoffen und Mineralstoffen versorgt.

Volker Schusdziarra: Das mit den Ballast- und Nährstoffen wird aus meiner Sicht übertrieben. Man darf sich nichts vormachen, eine Vollkornsemmel hat viel mehr Kalorien als eine gleich große Portion Bratkartoffeln.

BRIGITTE: Was ist mit Obst morgens?

Volker Schusdziarra: Obst wird gebraucht, um die Müslis und Flocken, die alle eine hohe Energiedichte haben, quasi zu verdünnen. Nicht die Flocken sollen uns satt machen, da reichen tatsächlich 30 Gramm, sondern Obst zusammen mit Joghurt und Quark.

BRIGITTE: Wäre es womöglich eine gute Idee, morgens gar nichts zu essen? Umfragen zeigen, dass junge Frauen das aus Gewichtsgründen mehr und mehr tun...

Volker Schusdziarra: Durchaus. Aber es darf nicht zwanghaft werden. Es gibt ja Menschen, die gar nicht gern frühstücken, die würde ich auch nie dazu drängen. Das könnte nämlich dazu führen, dass sie mehr Kalorien am Tag verzehren und dann zunehmen, was durch Studien auch belegt ist.

BRIGITTE: Und es besteht nicht die Gefahr, dass Menschen, die morgens nüchtern bleiben, über den Tag doppelt und dreifach zulangen?

Volker Schusdziarra: Wir haben untersucht, wie sich jemand verhält, der mal frühstückt und mal nicht. Und da konnten wir ganz klar feststellen: Solche Leute überkompensieren nicht. Ihr Vormittagssnack - das so genannte zweite Frühstück - fällt nur geringfügig größer aus als sonst, gleicht aber nie das fehlende Frühstück aus.

BRIGITTE: Was ist denn nun die Botschaft aus all Ihren neuen Erkenntnissen zum Thema Frühstück?

Volker Schusdziarra: Solange jemand kein Gewichtsproblem hat, kann er essen, was ihm schmeckt, und muss nichts weiter beachten. Menschen mit Gewichtsproblem, die es lieben zu frühstücken, können das so beibehalten. Sie müssen dann jedoch die Kalorien an anderer Stelle während des Tages einsparen. Aber gerade das Frühstück bietet viele Möglichkeiten, deutlich Kalorien zu reduzieren, und das schafft mehr Essensfreiheit während des restlichen Tages. Legt jemand überhaupt keinen Wert aufs Frühstück, sollte er sich auch nicht dazu zwingen, sonst riskiert er Extrapfunde.

Wollen Sie mehr über die Energiedichte von Lebensmitteln wissen? Alles Wichtige dazu unter www.brigitte.de/energiedichte

Immer gut informiert: BRIGITTE.de

Interview: Susanne Gerlach Fotos: Michael Timm, Getty Images

Wer hier schreibt:

Kommentare (7)

Kommentare (7)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    @Auriga



    Deswegen hast du wohl 200kg gewogen. Du hast "gefressen" wie du es selbst gesagt hast.

    wer den Artikel richtig liest, wird feststellen, das die Aussage bedeutet das man nicht "nicht frühstücken" soll, sondern das es darauf ankommt WAS man frühstückt. Was - finde ich - beim Abnehmen sowieso wichtig ist. Egal ob morgens, mittags oder abends. "Ernährungsumstellung" heißt das Zauberwort.

    Ich finde den Artikel trotzdem interessant. Werd beim Frühstück jetzt mal nur noch Obst essen anstatt Müsli :) Mal sehen ....
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich esse gerade Insulin-Trennkost. Und habe in 4 Monaten ohne zu hungern, ohne Heißhungerattacken 8 kg abgenommen. Wenn ich morgens nicht esse, würde meine Bauchspeichekdrüse SOS funken. Ich bin total blöd im Kopf dabei und könnte rechts von links nicht unterscheiden. Meinen Mann würde ich wahrscheinlich auch nicht mehr erkennen. Äh, irgendwie kann ich das Thema "Die Wissenschaft hat festgestellt" oder "neueste Untersuchungen haben ergeben" nicht mehr hören. Ich lese solche Meldungen in Zukunft nicht mehr. Sicher kann ich ohne diese Erkenntnisse alt werden, so wie mein Vater, der ist gerade 85 geworden. Mache meine Trennkost weiter und kümmere mich lieber um meine Steuererklärung.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Da frage ich mich, warum es im weisen Volksmund heißt: Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettler. Ich selbst habe jahre- und jahrzehntelang genau andersherum 'gefressen' -- mit dem Resultat eines Spitzengewichtes von weit über 200 Kilogramm -- welches sich dank Schlauchmagen-OP nun Gott sei Dank in Richtung auf halbwegs erträgliche Maße bewegt. Und ich kann aus Erfahrung sagen: Wenn Ihr das Frühstück auslasst, haut Ihr ab dem zweiten richtig rein... muss aber sicherlich nicht für alle gelten...
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Kann dem Artikel nur zustimmen. Ich habe letztes Jahr 8 Kilo abgenommen indem ich das Früstück weggelassen bzw. nur ein bisschen Obst gegessen habe. Ich hatte so viel weniger Hunger während des gesamten Tages und mir ist das Abnehmen relativ leicht gefallen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Das mit dem Vergleich Vollkornbrötchen/Portion Bratkartoffeln hat mich geschockt!! Susi
Bild Montagsnl

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