Abnehmen ohne Verzicht? Funktioniert das wirklich?

Abnehmen durch intuitives Essen? Kein Problem, behaupten zwei Medizinstudenten aus Düsseldorf. Sie haben ein Programm entwickelt, das uns dabei helfen soll, ohne Verzicht Kilos zu verlieren. Das müssen sie uns erklären.

1. Die Idee hinter dem Programm "intueat"

BRIGITTE: Ihr habt ein Programm für intuitives Essen entwickelt. Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Ich habe intuitives Essen vor etwa vier Jahren kennengelernt. Ich fühlte mich zu dem Zeitpunkt unwohl mit meinem Körper und probierte diverse Diäten aus, die alle nicht funktioniert haben. Während des Studiums habe ich dann etwas über das intuitive Essen gelesen – und es ausprobiert. Rund zehn Kilo habe ich damals in drei Monaten verloren und mein Wunschgewicht bis heute gehalten.

Im Studium haben Marc Reinbach und ich dann viel zum Thema Übergewicht recherchiert und festgestellt, dass Diäten in 90 Prozent der Fälle nicht funktionieren. Da kam uns die Idee, dass wir den Menschen intuitives Essen beibringen möchten.

2. So funktioniert das Programm

Über die Gründer

Mareike Christina Awe und Marc-Christopher Reinbach studieren Medizin und schreiben aktuell an ihrer jeweiligen Doktorarbeit am Universitätsklinikum Düsseldorf. 2015 gründeten sie "intueat" – und wurden dafür beim Ideenwettbewerb der Universität ausgezeichnet. Infos zum Programm findet ihr auf der Homepage.

Das Programm verspricht Abnehmen "ohne Verzicht". Ist das nicht zu hoch gegriffen?

Im zwölfwöchigen "intueat"-Programm gibt es keinerlei Verzicht. Der Teilnehmer lernt bei uns, wieder auf seinen Körper zu hören. Er soll spüren und darauf achten, wann der Körper hungrig ist, wann er genug und worauf er Appetit hat. Es entspricht einfach dem natürlichen Essverhalten, bei Hunger zu essen und bei Sättigung aufzuhören. Dadurch werden die Kilos zu viel quasi überflüssig und können abgebaut werden. Mithilfe des Programms lernen die Teilnehmer, bewusst zu essen – das bedeutet beispielsweise, sein Essen nicht vor den Fernseher einzunehmen.

Euer Programm ist ein mentales Training. Wie sieht das genau aus?

Die meisten Entscheidungen werden durch unser Unterbewusstsein getroffen. Das heißt, wann immer wir etwas tun, ist diese Handlung als Gewohnheit eingespeichert. Wir denken nicht mehr darüber nach. Man kann die Nervenbahnen im Gehirn jedoch über Visualisierungstechniken trainieren, sodass man neue Nervenbahnen aufbaut. Stellt euch das in Form von Trampelpfaden vor: Je häufiger man sie läuft, desto ausgetretener werden sie und desto leichter fällt es uns, diese Pfade (oder auch Nervenstränge) zu benutzen. Übersetzt: Es fällt uns leichter, die neuen Gewohnheiten umzusetzen.

Was erwartet den Teilnehmer im Programm?

Der Teilnehmer bekommt während des Programms alle Inhalte, die er braucht, um Experte für die natürlichen Bedürfnisse des eigenen Körpers zu werden. Themenlektionen gibt es in Form von PDFs und Videos. Der Teilnehmer hört sich unser mentales Training an – am Wochenende zwanzig Minuten, am Tag etwa fünf Minuten – und geht in Gedanken durch, wie er auf seine Körpersignale achten kann. So lernt er ganz intuitiv zu spüren: Wann habe ich Hunger? Worauf habe ich Hunger? Wann bin ich gesättigt? Im "intueat"-Forum können sich die Teilnehmer auch mit anderen Mitstreitern austauschen. Wir stehen im engen Kontakt – und helfen bei jeder Frage gerne weiter.

3. Hat intuitives Essen Erfolg?

Wen wollt ihr mit dem Programm ansprechen?

Wir haben mit einer Pilotgruppe von zehn Personen angefangen – und wurden damit beim Ideenwettbewerb der Universität ausgezeichnet. Das Programm ist für jeden erlernbar. In unseren Gruppen waren hauptsächlich Frauen, aber auch Männer, zwischen 20 und 70 Jahren.

Was gibt es für Ergebnisse aus der ersten Runde?

Wir hatten die verschiedensten Gewichtsverluste dabei – bis zu 15 Kilogramm in zwölf Wochen. Das Abnehmen steht jedoch nicht so sehr im Vordergrund, sondern das Wohlbefinden des Einzelnen. Ganz interessant war eine Teilnehmerin, die vorher jahrelang Diäten ausprobiert hat und nie das Gefühl hatte, ihr Wohlfühlgewicht zu erreichen. Mit unserem Programm hat sie gemerkt, dass es nicht wichtig ist, was man isst, sondern wie bewusst man sein Essen genießt. Statt Light-Produkte können es auch fettreiche Produkte sein, die viel schneller sättigen.

Was macht den Erfolg des Programms aus?

Die verbotenen Früchte fallen weg. Dadurch, dass Schokolade nicht verboten ist, ist auch die Lust nicht mehr vorhanden, sie dauernd zu essen. Niemand berichtet bei uns von Heißhungerattacken und Jo-Jo-Effekt, weil es bei uns um eine nachhaltige Ernährungsumstellung geht. Es gibt keine Ernährungspläne und Kochrezepte, gemäß dem Motto: Intuitiv essen, Diäten vergessen.

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