100 Prozent Saft? Foodwatch entlarvt "Saftschwindel im Supermarkt"

Saftschwindel

Du denkst, du hast im Supermarkt zu reinem Fruchtsaft gegriffen? Nicht unbedingt! Wie Foodwatch jetzt ermittelt hat, spielt die Lebensmittelindustrie nicht immer mit offenen Karten.

Saft ist nicht gleich Saft

Ob Himbeere, Orange oder Mango: Seit einiger Zeit prangen uns von den meisten Saftverpackungen große Früchte und ein deutlicher Hinweis auf die Geschmacksrichtung entgegen. Besonders auffällig ist das laut Foodwatch bei den Marken Rauch, Albi, Solevita, Lausitzer und Voelkel. Das Problem an der Sache: Hinter dem verlockend klingenden Saftnamen und -bildern verbirgt sich nicht immer das, was versprochen wird.

"Himbeer-Rosa-Pfeffer" von Rauch beinhaltet zum Beispiel keinen Himbeersaft, sondern Apfelsaft, der mit Himbeermark angereichert wurde. Zu finden ist diese Information im Kleingedruckten auf der Rückseite der Verpackung. In "Fröhliche Früchtchen" von Solevita, in der ein bunter Mix aus Apfel, Himbeere, Aronia und Maracuja stecken soll, haben die Verbraucherschützer 22 Prozent Apfelsaft und drei Prozent Himbeer-Aronia-Maracuja- gefunden. Ein minimaler Fruchtgehalt also - und eine Irreführung des Verbrauchers seitens des Herstellers. Auch diese Angaben lassen sich nicht auf den ersten Blick erkennen.

Foodwatch fordert Saftschwindel-Stopp

"Es ist ärgerlich, wenn man selbst am Saftregal den Zutatendetektiv spielen soll", sagt Sophie Unger von Foodwatch und fordert: "Die Hersteller müssen ihre Produkte endlich verständlich kennzeichnen und auf der Vorderseite Fruchtgehalt und Getränkeart angeben." So könnten Kunden auf den ersten Blick erkennen, ob sie einen echten Saft oder den günstigeren Nektar in den Händen halten.

Direktsaft muss hierzulande zu 100 Prozent aus Frucht bestehen. Nektar darf hingegen mit Wasser und Zucker angereichert werden. Wie viel Obst darin wirklich enthalten sein muss, ist in der Fruchtsaft- und Erfrischungsgetränkeverordnung erläutert. Apfelsaft muss 50 Prozent Apfel enthalten, Sauerkirschen 35 Prozent und Mangosaft mindestens 25 Prozent. Sogenannte Fruchtsaftgetränke enthalten lediglich sechs bis 30 Prozent Früchte. Das war schon immer so - sollte aber zukünftig besser gekennzeichnet werden!

Für ihren Test hat Foodwatch den Saft-Bestand von drei Supermärkten und einem Bio-Laden unter die Lupe genommen.

Stellungnahme Rauch

Am 03.08.17 haben wir eine Stellungnahme der Firma Rauch erhalten. Auszüge aus dem Schreiben:

"Der einheitliche Auftritt im Regal ist eines unserer Markenelemente und dient zugleich als Orientierung für den Verbraucher.

Da wir uns gerade auf dem deutschen Markt wesentlich auf außergewöhnliche und exotische Fruchtsorten spezialisieren, engt dies den Spielraum in lebensmittelrechtlicher Hinsicht ein. [...] aus einer Banane oder Mango kein 100% Saft gemacht werden kann. Genauso wenig, wie es gewünscht ware, einen 100% Maracuja-Saft zu trinken, der einem Konsumenten in keinster Weise zumutbar wäre.

So schmeckt der von Ihnen angeführte Happy Day Himbeer-Rosa Pfeffer eindeutig nach Himbeere mit einer leicht dezenten Pfeffer-Note und nicht nach Apfel. Auch die Himbeere und die daraus resultierende Rohware (Saft und/oder Püree) ist eine nach Fruchtsaftverordnung nicht zur direkten Verwendung geeignete Frucht.

Zudem weisen wir klar und deutlich auf der Front unsere 100% Säfte aus. Sie alle tragen im Vergleich zu den anderen Sorten die Bezeichnung 100%. Die Nektare und Fruchtsaftgetränke tragen diese Auszeichnung nicht."

jg

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