Erdbeeren: Frühe Früchte

Seit Wochen warnen Verbraucherschützer vor dem Kauf von Erdbeeren: Nur sieben Prozent der Ware, die in den größten deutschen Supermarktketten verkauft wird, sind frei von Rückständen giftiger Pestizide, wie Stichproben von Greenpeace ergaben.

Trotzdem lassen sich viele Kunden von den rot leuchtenden Früchten verlocken. Konnten Sie bisher widerstehen, oder hat die Erdbeer-Lust Sie schon gepackt? Hier lesen Sie, wie viel und welche Erdbeeren eigentlich in Produkten wie Eis und Joghurt stecken - und wie Sie die Wochen bis zur heimischen Erdbeer-Ernte überbrücken können.

Erdbeer-Produkte - was ist da wirklich drin?

Der Erdbeer-Hunger der Deutschen wird längst mit Importware gestillt. Etwa 80 Prozent der Früchte, die Deutschland verbraucht werden, kommen aus dem Ausland, vor allem aus Kalifornien, Spanien und Marokko. Armin Valet, Lebensmittelchemiker und Ernährungsberater von der Verbraucherzentrale Hamburg, geht deswegen davon aus, dass weitgehend alle weiterverarbeiteten Früchte, die in deutschen Erdbeer-Lebensmitteln stecken, nicht hier angebaut wurden - und entsprechend mit Pestizid-Rückständen belastet sein können.

Erdbeer-Joghurt Für Fruchtjoghurts ist ein Anteil echten Obsts von mageren sechs Prozent vorgeschrieben. "Das entspricht bei einem 150-Gramm-Becher etwa einer halben Erdbeere", sagt Armin Valet. Das reicht natürlich nicht aus, um einen satten Erdbeergeschmack zu erzeugen. Die Industrie greift hier zu so genannten "natürlichen Aromen". Aromen können dann so genannt werden, wenn sie pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind, erklärt Valet. Im Fall der Erdbeere stammt das Aroma von Sägespänen bestimmter Baumsorten. Es ist also natürlich, aber mit Erdbeeren hat es nichts zu tun. Joghurts mit Fruchtzubereitung müssen übrigens nur 3,5 Prozent Frucht enthalten. Lassen Sie sich dabei nicht von der Bezeichnung in die Irre führen: "Eine Fruchtzubereitung besteht nur etwa zur Hälfte aus Früchten, der Rest sind Zucker, Bindemittel und Aromen", sagt Armin Valet.

Erdbeer-Eis Hier gibt es große Unterschiede: Teilweise enthält das Eis echte Fruchtbestandteile, wie Erdbeersaft und Erdbeermark. Es finden sich aber auch Eissorten in der Tiefkühltheke, die zwar mit einer Erdbeer-Verpackung werben, aber keinerlei Fruchtbestandteile aufweisen, sondern mit Farbstoffen und Aromen für das Erdbeer-Erlebnis sorgen. Armin Valet rät, einen Blick auf die Zutatenliste zu werfen.

Erdbeer-Müsli Die kleinen, roten Stücke, die Sie in so einem Müsli finden, sind tatsächlich Erdbeeren - allerdings getrocknet und in manchen Fällen auch geschwefelt diese Art der Behandlung muss gekennzeichnet sein). Weder geschmacklich noch beim Vitamingehalt, sagt Armin Valet, können diese Beeren mit frischem Obst verglichen werden.

Erdbeer-Konzentrat (z.B. für Cocktails) Ein Konzentrat muss aus Erdbeeren gemacht worden sein. Auch hier können die Hersteller allerdings mit Aromen nachhelfen.

Erdbeer-Kuchen vom Konditor Viele Bäcker haben jetzt wieder frischen Erdbeer-Kuchen im Angebot. Hier gilt dasselbe wie für die verlockend leuchtenden Erdbeeren aus dem Obstregal: Der Kuchen wird mit Import-Ware belegt, die mit großer Wahrscheinlichkeit belastet ist.

Erdbeer-Früchtetee "Im Erdbeer-Tee muss sich keine einzige Erdbeere befinden", sagt Armin Valet. Fast immer wird Erdbeer-Früchtetee künstlich aromatisiert. Auch wenn "Erdbeer-Aroma" auf der Packung steht, heißt das nicht, dass es auch von der Erdbeere stammt.

Sinnvolle Alternativen: TK-Erdbeeren und Lagerobst

Tiefkühl-Erdbeeren sind eine sinnvolle Alternative, wenn Sie zum Beispiel ein Dessert zubereiten wollen. Der größte Teil der Vitamine wird beim Tiefkühlen erhalten. Ein Manko aus Sicht von Armin Valet: Das Herkunftsland der Beeren muss nicht deklariert werden. Sehr wahrscheinlich stammen die Früchte also nicht aus deutschem Anbau. Der Ernährungsexperte rät, auch bei Tiefkühlobst auf die Zutatenliste zu schauen und darauf zu achten, dass Sie Früchte ohne Zusätze kaufen, also ohne Zucker oder gar Geschmacksverstärker.

Wer alternativ lieber frisches Obst kaufen möchte, sollte sich für Äpfel oder Birnen entscheiden, rät Armin Valet: "Dieses Lagerobst hat immer noch sehr viele Vitamine."

Wenn es denn doch unbedingt Erdbeeren sein sollen, können Sie zu Ware mit Bio-Siegel greifen. Diese Früchte stammen meist aus Spanien und sind recht teuer, dafür können sich die Konsumenten nach Einschätzung Valets aber auch darauf verlassen, dass sie keine bedenklichen Pestizidrückstände aufweisen. Ob die Vorsaison-Erdbeeren auch munden, steht freilich auf einem anderen Blatt: Erdbeeren reifen nicht nach und müssen wegen der längeren Transporte früh geerntet werden. Deswegen schmecken sie nicht nur weniger aromatisch als die heimische Sommer-Variante, die im Juni und Juli angeboten wird, sondern sie haben auch weniger Vitamine.

Tipp: Im April 2005 hat Greenpeace einen Einkaufsratgeber für Obst und Gemüse herausgegeben. Die Broschüre mit dem Titel "Essen ohne Pestizide" kann unter der Rufnummer (040) 30618-120 bestellt werden. Sie wird kostenfrei versendet. Alternativ ist sie auch unter www.einkaufsnetz.org bestellbar.

Köstliche Rezepte mit Tiefkühl-Beeren

Sie haben Appetit auf ein leckeres Erdbeer-Dessert? Es müssen ja nicht immer die frischen Früchte sein - hier finden Sie Rezepte, die gut mit Tiefkühl-Ware zubereitet werden können.

  Erdbeereis in Hippenblüten

Erdbeereis in Hippenblüten

Die frischen Deko-Erdbeeren sollten Sie dabei vielleicht weglassen, es sei denn, Sie haben Bio-Ware zur Hand.

Vanille-Mousse mit Erdbeersoße Erdbeer-Mousse Erdbeer-Granité mit Wodka Erdbeereis in Hippenblüten Erdbeerquark-Creme Erdbeer-Joghurt-Drink

Wiebke PetersApril 2005

Bild Montagsnl

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