Power-Gemüse für den Winter

Gurken, Paprika und Tomaten gehören bei uns auch im Winter zum beliebtesten Gemüse. Wir zeigen Alternativen, die mindestens genau so gut schmecken, gesünder sind und die Umwelt schonen.

Liebe Gurken, liebe Tomaten, liebe Paprika, bitte nehmt diesen Artikel nicht persönlich. Wir haben nichts gegen euch, zumindest nicht persönlich. Leider schmeckt ihr im Winter nur ziemlich fad, kostet viel Geld und habt eine weite und nicht gerade umweltfreundliche Anreise hinter euch. Deshalb bitten wir euch um Verständnis dafür, wenn wir euch die nächsten Monate im Supermarkt die kalte Schulter zeigen und lieber zu unserem Power-Gemüse für den Winter greifen. Wir stellen zehn Gemüse-Arten vor, die intensiv schmecken, gesund sind, die Ökobilanz schonen - und trotzdem wenig Geld kosten.

1. Kartoffeln - dafür sollten Sie Nudeln und Reis stehen lassen!

Das Gute daran: 1950 haben wir noch 180 Kilo Kartoffeln pro Kopf und Jahr gegessen. Im vergangenen Jahr waren es nicht mal mehr 60 Kilo. Reis und Nudeln haben die Kartoffeln zunehmend von unserem Teller gedrängt. Das haben sie nicht verdient! Bei den Inhaltsstoffen sind Kartoffeln kaum zu schlagen: Neben Mineralstoffen wie Kalzium, Kalium, Magnesium und Eisen und einer ordentlichen Dosis Vitamin C enthalten sie viele B-Vitamine, die bei Reizbarkeit und schlechtem Schlaf helfen können. Wer abnehmen will, sollte auf jeden Fall Kartoffeln bevorzugen: 100 Gramm gekochte Nudeln (Hartweizen) enthalten 150 Kilokalorien, 100 Gramm gekochte Kartoffeln nur 69.

Schon gewusst? Wer den Kampf um die beliebte Kartoffelsorte "Linda" mitverfolgt hat, weiß, dass Kartoffel nicht gleich Kartoffel ist. Werden Ihnen "Diamant", "Spunta" und "Jaerla" angeboten, lehnen Sie ab! Bei diesen holländischen Sorten handelt es sich um Schnellzüchtungen, die mit viel Chemie unterstützt und ohne Aroma auf den Markt kommen.

Unser Lieblingsrezept mit Kartoffeln: Kartoffel-Gnocchi mit Salbeibutter

2. Rote Bete - sie haben eine zweite Chance verdient

Das Gute daran: Ja, wir sind als Kind mit eingelegter roter Bete gequält worden. Nein, wir müssen sie trotzdem nicht lebenslänglich vom Esstisch verbannen. Sie hat eine zweite Chance verdient: Der hohe Eisengehalt macht sie zu einem perfekten Gemüse für Vegetarier, die Folsäure ist ideal für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch. Außerdem beugt rote Bete Erkältungen vor. Schon gewusst? Halten Sie beim Einkaufen Ausschau nach kleineren Exemplaren, die sind qualitativ besser.

Unsere Lieblingsrezepte mit roter Bete: Rote-Bete-Salat und Feine Kartoffelsuppe mit roter Bete

3. Knollensellerie - der Klassiker für die Bolognese-Soße

Das Gute daran: Keine echte Bolognese-Soße kommt ohne Knollensellerie aus – zum Glück. Knollensellerie ist kalorienarm, enthält ordentlich Ballaststoffe, die die Verdauung ankurbeln, und viel Kalzium für Knochen und Zähne. Sellerie soll außerdem bei Blasenentzündungen helfen.

Schon gewusst? Manche ältere Sorten verfärben sich beim Blanchieren dunkel. Das stört zwar nur die Optik, lässt sich aber mit einem Schuss Essig im Wasser schnell beheben. Übrigens: Kleine Sellerieknollen schmecken milder als große.

Unsere Lieblingsrezepte mit Knollensellerie: Lasagne, Karamellisierte Rotbarbenfilets und Kartoffel-Sellerie-Salat mit Blue-Cheese-Creme

4. Kürbis - warum ein kleiner Hokkaido die beste Wahl ist

Das Gute daran: 100 Gramm Kürbis haben gerade mal magere 25 Kilokalorien. Kürbis ist leicht bekömmlich und bringt ein ordentliches Vitamin- und Mineralstoffpaket mit. Und was man ihm nicht zutraut: Er soll sogar aphrodisierend wirken.

Schon gewusst? Wer beim Kochen Zeit sparen möchte, greift am besten zum Hokkaido-Kürbis. Der Hokkaido schmeckt nicht nur intensiver als seine manchmal etwas fade Verwandtschaft, man spart sich auch das Schälen, denn beim Hokkaido kann man die Schale mitessen. Tipp: Greifen Sie am besten zu ungespritzter Bio-Ware. Und auch wenn es allerorten Wettbewerbe für den größten Kürbis gibt: Zum Kochen sollten Sie lieber kleinere Kürbisse nehmen, die schmecken aromatischer.

Unser Lieblingsrezept mit Kürbis: Kürbis-Quiche mit Roquefort

5. Feldsalat – bei Frost bleibt er cool

Das Gute daran: Feldsalat ist hart im Nehmen. Temperaturen bis minus 15 Grad steckt er weg. Ein perfekter Wintersalat also, der zudem eine ordentliche Portion Vitamin C und Eisen mitbringt. Feldsalat hat ein leicht nussiges Aroma.

Schon gewusst? Ist Ihnen schon mal aufgefallen, dass Feldsalat in zwei Varianten angeboten wird? Es gibt zarte, hellere und kräftiger schmeckende, dunkelgrüne Blätter. Letztere stammen aus dem Freiland und sollten die erste Wahl sein, da sie weniger Nitrat enthalten. Generell gilt bei Feldsalat: Er welkt schnell und kann nicht gelagert werden. Tipp: Wenn Sie den Salat nicht sofort essen, am besten putzen, anfeuchten und in Plastikbeuteln im Gemüsefach des Kühlschranks aufbewahren. Dann hält er einige Tage. Unsere Lieblingsrezepte mit Feldsalat: Ziegenfrischkäse im Speckmantel und Feldsalat mit Äpfel und Camembert

6. Kohl - Diätwunder mit Extraportion Vitamin C

Das Gute daran: Die Kohlsuppe hat es als Diätgericht zu einiger Berühmtheit gebracht. Kohl ist kalorienarm (24 Kilokalorien/100 Gramm) und enthält viele Ballaststoffe, die lange satt halten. Neben dem Spitzenreiter Brokkoli hat auch Weißkohl mit 52mg/100 Gramm einen einen sehr hohen Gehalt an Vitamin C. Das Besondere: Während man durch Kochen normalerweise Vitamin C zerstört, steigert man den Gehalt bei Kopfkohlarten wie Weißkohl sogar. Der Grund: Sie enthalten Ascorbigen, erst beim Kochen wird daraus Vitamin C.

Schon gewusst? Weißkohl gilt als urdeutsches Gemüse - weshalb Engländer und Amerikaner die Deutschen auch gerne spöttisch als "Krauts" bezeichnen. Kohl am besten in Bio-Qualität kaufen. Der Grund: Da Weißkohl zu den "Starkzehrern" zählt, also zu den Pflanzen, die extreme Ansprüche an die Bodenqualität stellen, wird der Boden nach der Ernte stark gedüngt. Das führt zu hohen Nitratbelastungen für Nachpflanzungen. Weißkohl führt bei vielen Menschen zu Blähungen. Tipp: Spitzkohl ist eine leichter verdauliche Alternative. Zudem ist er zarter und gart schneller als Weißkohl. Allerdings ist Spitzkohl auch empfindlicher und nicht so lange haltbar.

Kohl gibt es nicht nur als traditionelle Hausmannskost. Mit diesen modernen Rezepten werden auch Sie zum Kohl-Fan: Bratnudeln mit Sprossen, gerollte Spitzkohl-Lasagne.

7. Möhren - Balsam für die Augen

Das Gute daran: Möhren sind das Gemüse mit dem höchsten Anteil an Betakarotin (Provitamin A). Damit der Körper das Provitamin A auch in das "Augenvitamin" A umwandeln kann, braucht er Fett. Tipp: In frisch gepressten Karottensaft immer ein paar Tropfen Öl geben und zu Rohkost einen Dipp reichen. Da Möhren das Kalorienkonto ansonsten kaum belasten (26 Kilokalorien/100 Gramm) können Sie sich das mit gutem Gewissen erlauben.

Schon gewusst? Babys und Kleinkinder lieben Möhren. Grund ist der mit sechs Prozent ungewöhnlich hohe Zuckergehalt. Kleiner Nachteil bei den Sorten, die für den Winter gelagert werden: Sie werden oft unreif geerntet, verlieren dadurch Vitamine und sekundäre Pflanzenstoffe und schmecken nicht mehr so gut. Deshalb nächstes Jahr ruhig schon im Spätsommer zugreifen.

Unser Lieblingsrezept mit Möhren: Parma-Möhren.

8. Topinambur: Wildfutter? Nicht doch!

Das Gute daran: Topinambur-Knollen werden in Deutschland überwiegend als Wildfutter genutzt. Wir sollten dem Rotwild nicht die ganze Ernte überlassen, denn die unscheinbaren Knollen bringen ein ordentliches Paket an Vitaminen und Mineralstoffen mit. Außerdem sollen sie den Appetit hemmen – und das ganz ohne Nebenwirkungen. Sie lassen sich von Frost nicht beeindrucken und können im Winter einfach bis zur Ernte im Boden bleiben.

Schon gewusst? Topinambur stammt ursprünglich aus Nordamerika und wurde dort von den Ureinwohnern verwendet, nach denen die Knollen auch benannt sind, die "Topinambus". Wie bei den Kartoffeln bildet sich an den Wurzeln der Topinambur-Pflanze ein Gelege mit vielen einzelnen Knollen. Tipp: Sparen Sie sich das mühsame Schälen der oft stark gekrümmten Knolle. Sie können die Schale mitessen.

Unser Lieblingsrezept mit Topinambur: Ente auf Pflaumen-Sherrysoße mit Topinambur

9. Zwiebel - der Geheimtipp für Asthmatiker

Das Gute daran: Zwiebeln sind verdauungsfördernd und hemmen die Keimbildung in der Mundhöhle und im Darm. Nach neueren Studien sollen sie sogar Asthma unterdrücken können. Sie ärgern sich, wenn Ihnen beim Zwiebel-Schneiden die Tränen kommen? Brauchen Sie nicht, das ist gut so: Durch die Tränen werden die Augen gereinigt. 100 Gramm Zwiebeln enthalten nur 27 Kilokalorien.

Schon gewusst? Rund sieben Kilogramm Zwiebeln verzehrt jeder Deutsche im Jahr - damit sind Zwiebeln nach Tomaten auf Platz 2 der Gemüsesorten, die wir am meisten essen. Zwiebeln werden meist nur als Gewürz genutzt. Schade eigentlich! Sie sollten ruhig auch mal die Hauptrolle spielen dürfen, zum Beispiel im Zwiebelkuchen mit Oliven. Tipp: Rote Zwiebeln am besten nur roh, zum Beispiel im Salat verzehren. Beim Erhitzen wird der wertvolle sekundäre Pflanzenstoff Anthozyan zerstört.

10. Lauch - für Hobby-Sänger mit Ambitionen

Das Gute daran: Lauch sorgt mit reichlich Kalium, Kalzium und Phosphor für ein ordentliches Plus auf dem Mineralstoffkonto. B-Vitamine sorgen für eine schöne Haut. Außerdem stärkt Lauch das Immunsystem. Und das alles bei nur 26 Kilokalorien pro 100 Gramm. Tipp: Nicht zu großzügig putzen, die meisten gesunden Inhaltsstoffe finden sich in den vollgrünen Blättern.

Schon gewusst? Die alten Ägypter waren große Lauch-Fans. Die enthaltenen Senföle sollen gut für die Stimme sein, weshalb Kaiser Nero - der sich für einen begnadeten Sänger hielt - einmal im Monat einen Lauch-Tag einlegte.

Unser Lieblingsrezept mit Lauch: Lauch-Fettuccelle mit Hähnchenbrustfilet

Text: Monika Herbst Teaserfoto: Thomas Neckermann / Picture Press

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

Kommentare (2)

Kommentare (2)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe paula,

    da haben Sie vollkommen recht, ist uns durchgeflutscht. Wir haben das Rezept gegen eins ohne Tomaten ausgetauscht. Schöne Grüße

    Ihr BRIGITTE.de-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Jetzt frag ich mich aber schon, wieso da im Topinabur-Rezept Tomaten auftauchen, wenn die doch "im Winter nur ziemlich fad schmecken, viel Geld kosten und eine weite und nicht gerade umweltfreundliche Anreise hinter sich haben" wie es im ersten Absatz steht.
Bild Montagsnl

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