Ist Weizen wirklich ungesund?

In aktuellen Ratgebern wird Weizen als ungesund abgewatscht. Er soll für alle möglichen Krankheiten verantwortlich sein. Was ist dran an der Gluten-Hysterie?

Weizen ist ungesund. So lautet die Botschaft populärer Ernährungsratgeber: "Wie der Weizen uns vergiftet" (Julien Venesson), "Dumm wie Brot" (Dr. David Perlmutter) oder "Weizenwampe" (Dr. William Davis). Vor allem im Klebereiweiß Gluten sieht der US-Kardiologe und Präventivmediziner Davis die Wurzel aller Zivilisations-Übel wie Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Seine Warnung kommt an: In den USA verzichtet schon gut jeder Vierte auf Gluten, und bei uns steigt die Nachfrage nach glutenfreien Lebensmitteln stetig. Ist Weizen wirklich so ungesund? Unser Faktencheck.

Weizen macht süchtig

hält uns im Griff, wie das Heroin den Junkie, heißt es in "Weizenwampe". Bei der Verdauung, so Autor William Davis, entstehen Stoffe im Gehirn, die an Opioid-Rezeptoren andocken. Die Folge: Wir gieren nach mehr.

Fakt ist: Tatsächlich entstehen bei der Verdauung Stoffe, die schmerzstillenden Substanzen ähneln. Wie die im Gehirn wirken, ist aber unklar. Und: Sie entstehen auch bei der Verdauung anderer Lebensmittel wie etwa Spinat, Fleisch und Reis.

Weizen macht dement

In "Dumm wie Brot" behauptet der US-Neurologe David Perlmutter, dass Inhaltsstoffe des Weizens das Demenzrisiko erhöhen. Das Gehirn werde zersetzt. Perlmutter stützt sich dabei auf eine Studie der University Washington in Seattle. Demnach sei bereits ein leicht erhöhter Blutzuckerspiegel kritisch für unser Gehirn (er steigt durch Kohlenhydrate, die auch in Weizen stecken).

Fakt ist: Der Autor der Studie, Paul Crane, widerspricht Perlmutter: "Die Daten belegen nicht, dass man sein Demenzrisiko mindert, wenn man seinen Blutzuckerspiegel durch eine veränderte Ernährung senkt."

Weizen macht krank

verursacht Diabetes, Herz- Kreislauf-Probleme und Arthrose, behaupten alle drei Autoren.

Fakt ist: Bei Menschen, die an Zöliakie erkrankt sind, schädigen kleinste Mengen Gluten die Darmzotten. "Medizinisch anerkannt ist außerdem, dass manche Menschen, die viel Weizen essen, Verdauungsprobleme bekommen", sagt Meinolf Lindhauer, Leiter des Instituts für Sicherheit und Qualität bei Getreide am Max-Rubner-Institut. "Was das Bauchweh auslöst, ist unklar", so Lindhauer. "Für 95 Prozent der Weltbevölkerung bringt der Verzicht auf Weizen oder Gluten keine Vorteile für die Gesundheit. Im Gegenteil: In glutenfreien Getreideprodukten fehlt es oft an Ballaststoffen. Die sind definitiv gesund!"

Weizen macht dick

Auch hierin sind sich die Autoren einig. Der Weizenkonsum steigt seit den 1950er-Jahren stark an, und die Menschen werden immer dicker.

Fakt ist: Da ist was dran. Schuld am Übergewicht ist jedoch nicht per se der Weizen, die Menge macht's. Menschen, die auf Weizen und andere Kohlenhydratquellen (Zucker, Reis, Kartoffeln) verzichten, nehmen ab - weil sie Kalorien einsparen.

Weizen wurde durch Züchtung gefährlich

Das veränderte Gluten in modernem Weizen lassen Eingeweide verfetten, so Davis in "Weizenwampe".

Fakt ist: Das Gluten heute ist tatsächlich ein anderes als noch vor 100 Jahren. "Es musste für die Herstellung moderner Backwaren optimiert werden", sagt Getreideexperte Meinolf Lindhauer, "sonst würden zum Beispiel die maschinell vorgefertigten Teiglinge in den Backautomaten nicht gelingen." Gluten macht Teige locker und sorgt für eine knusprige Krume. Ob das "moderne" Gluten verstärkt Unverträglichkeiten oder Zöliakie auslöst, ist nicht bekannt.

Und was lernen wir daraus?

Nicht zu viel, nicht zu einseitig Weizenprodukte essen, und am besten in Vollkornqualität - dann ist auch weniger Gluten beziehungsweise Gliadin (ein Bestandteil des Klebereiweiß) drin. Oder ganz auf Einkorn und Emmer, zwei Unterarten der Pflanzengattung Weizen, verzichten und auf anderes Getreide wie Dinkel oder Roggen setzen. Nicht nur für Menschen mit Weizensensitivität geeignet.

Text: Katja Töpfer

Wer hier schreibt:

Katja Töpfer

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo J.K.,



    ich habe gelesen und so macht es für mich auch Sinn, bzw. verständlich.

    Jede Getreideart hat auch ihre eigene Glutenart.so wie bei uns Menschen ja auch jeder seine Gene hat.

    Dinkel daher, da es das Urkorn ist und nicht verändert wurde.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Hallo Brigitte Team,



    vor ca. 6 Jahren hat man bei mir eine Glutenunverträglichkeit festgestellt.

    zum damaliegen Zeitpunkt habe ich 89kg auf 1,65m gewogen.gegessen habe ich nicht sehr viel, trotzdem das hohe Gewicht.



    Diagnose.. Maßnahme... Kein weizen mehr!



    Am Anfang viel es mir sehr schwer, was Essen, wenn kein Brot, Brötchen... Chips..(manche bestehen aus 90% weizen, statt aus Kartoffeln).

    War schon schwer.

    Mitlerweile geht es mir sehr gut.

    Meine alternative.. ab und an reies dinkelmehl verwenden, ansonsten glutenfrei.

    frühstück...gebratenes Gemüse, Eier, manchmal Speck oder Würstchen dabei.

    Obstsalat- frisch, Joguhrt....

    Viel Gemüse, Kartoffeln, Reis.



    Heute wiege ich 68-70kg.

    Esse mehr und fühle mich pudel wohl.



    Entzugserscheinungen vom weizenmehl hatte ich in den Ersten Weizenfreien wochen auch.



    ich kann es nur enmpfehlen Weizenfrei zu leben.



    Liebe Grüße

    Andrea
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Der "Fazit" ist verwirrend ... einerseits wird hier Gluten als Ursache vieler Probleme beschrieben und andererseits gibt es am Ende die Empfehlung auf Dinkel zu wechseln. In Dinkelmehl ist noch mehr Gluten enthalten als im Weizenmehl. Wie soll das denn funktionieren ? Oder ist dann Gluten aus Dinkelmehl einfach mal gesund ?

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