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Pferdefleisch-Skandal: Warum der Aufschrei?

Ist es wirklich entscheidend, ob wir Rind- oder Pferdefleisch auf dem Teller haben? Eigentlich sollten wir aus dem Skandal ganz andere Schlüsse ziehen.

Sie heißen Gina oder Rico und sie sind unsere Freunde - ähnlich wie unsere Katze oder unser Hund. Freunde isst man nicht. In Deutschland ist es daher eher unüblich, Pferdefleisch zu essen – obwohl es gesund ist. Es ist kalorienarm und enthält viel Eisen. Aber wir essen ja auch keine Hunde. Deshalb finden wir es überhaupt nicht lustig, dass uns jemand Pferdefleisch in die Tiefkühl-Lasagne gemischt hat, wie bei den Eigenmarken Tip (Real) sowie Gut und Günstig (Edeka) geschehen.

Unser Fleisch sollen Hühner, Schweine oder Rinder liefern. Als Nutztiere ist das ihr Job. Die Massentierhaltung ist kein schönes Geschäft. Deshalb bleiben die Türen von Hühnerfarmen für Außenstehende in der Regel verschlossen. Den Anblick der zerrupften, gequälten Tiere und den Gestank will man den Verbrauchern nicht zumuten. Auch Schweine, die eng aneinander gepfercht über glatte Spaltböden rutschen, hält man lieber versteckt. Doch immer wieder gelangen solche Bilder an die Öffentlichkeit. Wir wissen also alle, wie das Fleisch, das wir essen, produziert wird - und verdrängen es erfolgreich.

Nun wurde Pferdefleisch in unser Essen gemischt, und der Aufschrei ist groß. Klar, das ist Betrug und es ist keineswegs in Ordnung. Aber ebenso wenig in Ordnung ist es, wenn im Billigst-Angebot das Fleisch von unglücklichen, gequälten Tieren steckt. Nur: Das will niemand wirklich wissen, wenn er sich seine Tiefkühl-Lasagne in die Mikrowelle schiebt.

Es sollte für uns nicht entscheidend sein, ob wir Rinder- oder Pferdefleisch essen, sondern wie wir mit unseren Tieren umgehen. Wir haben ja die Alternativen: Wir können Fleisch in Bio-Qualität oder von artgerecht gehaltenen Tieren kaufen (z.B. Neuland), wir können auf hochwertige Bio-Fertiggerichte umsteigen – oder ganz auf Fleisch verzichten. Wir haben nicht das Recht, unsere Nutztiere anders zu behandeln als Gina oder Rico!

Info: Die Albert-Schweitzer-Stiftung plant übrigens zu diesem Thema eine kreative Kampagne mit LKW-Planen, die zum Umdenken anregen sollen.

Text: Monika Herbst

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

Kommentare (22)

Kommentare (22)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Jährlich findet in Skaryszew in Polen der größte und grausamste Pferdemarkt Europas statt. Ca 2.000 Pferde werden dort regelrecht verscherbelt, danach quer durch Europa nach Italien, Frankreich und andere Länder gekarrt, wo sie auf der Schlachtbank landen. Furchtbare Bedingungen herrschen auf dem Markt und bei den Transporten: Unvorstellbar! Blutlachen auf dem Boden, Tiere stehen mit offenen Brüchen im Schlamm, kein Tierarzt vor Ort, keine Kennzeichnung der Tiere, rein gar nichts. Nur das Schreien und Wiehern der Pferde und die blanke Angst in ihren Augen. Kein einziger Experte der EU, keine Kontrolle, alles illegal. Ein LKW verunfallte nach dem Markt (viele sind stark angetrunken) dabei starben einige Pferde, diejenigen, die verletzt überlebt haben, werden weiter nach Italien transportiert. Welche Greueltat gegenüber den hochsensiblen Tieren!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    respekt! endlich sprichts mal jemand aus!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Endlich mal ein Artikel, in dem es nicht nur um die "armen, getäuschten Verbraucher" geht. Endlich wird auch mal die Qual, die die Tiere tagtäglich wegen der menschlichen Gier ertragen müssen, erwähnt!! Super Artikel!!
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Endlich Worte die über den wirklichen Skandal berichten, über die ,die wirklich den Preis für den Fleischwahn unserer Gesellschaft bezahlen.Wir schlucken mit unserem Essen so viel Kram der nicht hineingehört , das Geschrei um Pferdefleisch ist lächerlich.Fragt lieber danach was den Tieren angetan wird bevor sie auf dem Teller liegen.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    ich frag mich, warum in den deutschen Medien fast nie der Fakt auftaucht, dass es nicht rein um Pferdefleisch geht, sondern Fleisch, dass nicht zum Verzehr geeignet war - nämlich aufgrund von Medikamentenrückständen...

    Natürlich sollte wo Rind drauf steht auch Rind drin sein. Das andere wäre Verbrauchertäuschung. Als "Strafbestand" ist aber die Gesundheitsgefährdung durch pharmakologisch verseuchtes Fleisch doch höher zu bewerten. Aber der kleinere Aufreger??? Hmmm.
Bild Montagsnl

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