Vegan essen: Appetit auf Weltretten

Vegan essen ist sexy. Die Nachfrage nach Rezepten und Restaurants wächst. Eine Rezeptaktion in den Reformhäusern erhält großen Zuspruch. Aber macht vegan essen auch Sinn?

Kein Fleisch? Okay. Aber auch kein Käse, keine Eier, keine Milch? Das schreckt nicht mehr ab, sondern zieht an: Vegan sein ist sexy. Immer mehr vegane Kochbücher kommen auf den Markt. In vielen Städten haben Restaurants, Sandwichbars oder Coffeeshops eröffnet, deren Angebot vom bodenständigen Rote-Bete-Strudel über vegane Currywurst und Döner bis zur Haute Cuisine reicht.

Ein Jahr lang lief sehr erfolgreich in den Reformhäusern die Aktion "52 Wochen - 52 Rezepte": Sechs Firmen aus der Reformhausbranche boten jede Woche ein veganes Rezept an. Die Aktion wird nicht fortgesetzt, aber ein Kochbuch mit allen Rezepten ist angedacht. Und angriffslustig heißt es in dem FoodBlog veganguerilla: Die Revolution beginnt in der Küche.

Revolution? Man hätte beinahe vergessen, dass es hier nicht nur um Lifestyle, sondern um mehr geht: Veganer wenden sich gegen das Töten und die Ausbeutung von Lebewesen. Und sie stehen für Umweltschutz mit Messer und Gabel: Klimaschädliche Gase, die in der industriell betriebenen Nutztierhaltung entstehen, tragen weit mehr zum Klimawandel bei als der weltweite Flug- und Transportverkehr. Zudem werden 50 Prozent der Weltgetreideernte und 90 Prozent der Weltsojaernte zum Mästen der Tiere verwendet. Die Erde verfügt über ausreichend Ressourcen, um alle Menschen satt zu bekommen - nicht aber, wenn das angebaute Getreide als Futter für Nutztiere dient, sagen Veganer. Hinzu kommt: Die Weltbevölkerung wächst. Und verzehrt immer mehr Fleisch, weil sich westliche Essgewohnheiten durchsetzen.

Eine Studie des Stockholm International Water Institute liefert Veganern noch mehr Argumente: Rund 20 Prozent unserer täglich verzehrten Kalorien stammen aus tierischem Eiweiß. Dafür reiche unser Wasser nicht, sagen die Wissenschaftler nun, denn um ein Kilo Schweinefleisch herzustellen, benötigt man rund 10.000 Liter. Die Prognose der Forscher: Nur wenn der Anteil tierischen Proteins auf fünf Prozent sinke, reichte das verfügbare Wasser unter günstigen Bedingungen gerade noch aus.

Der Veganismus könnte also die Lösung vieler Probleme sein. Theoretisch. Wenn er nur alltagstauglicher wäre und ein bisschen weniger schrullig rüberkäme ("Ist da Honig im Tee? Dann kann ich ihn nicht trinken."). Wie belastbar der Freundeskreis ist, wenn man ständig eine "Extrawurst" möchte, zeigt sich schnell. Aber vor allem: Der Umstieg ist ein Kulturwandel, und der braucht viel Zeit. Nicht jeder Käseund Fleischfan kann so einfach den Schalter umlegen. Amerikaner lassen sich durch solche Hürden nicht abschrecken: Sie praktizieren Veganismus light mit dem "Meatless Monday"- immer mehr Menschen essen montags keine tierischen Produkte, zumindest kein Fleisch. Dessen Konsum ist dank der Aktion amerikaweit um zwölf Prozent zurückgegangen. Das ist zwar noch keine Revolution, aber schon ein Revolutiönchen.

Gesundes Grün

"Ich bin dann mal Veganer" - leichter gesagt als getan. Um keinen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen zu riskieren, sind angereicherte Lebensmittel wie zum Beispiel Jodsalz oder Sojamilch mit Kalzium hilfreich. Dafür sind Veganer (und auch Vegetarier) seltener übergewichtig und haben bessere Blutfettwerte als Fleischesser. Für Säuglinge und Kleinkinder ist vegane Kost tabu.

Nützliche Adressen, Rezepte und mehr

  • Eine Nährwerttabelle mit 1650 veganen Lebensmitteln gibt es beim Vegetarierbund Deutschland.
  • Alle wichtigen Informationen für ein veganes Leben: Vegane Gesellschaft Deutschland e.V..
  • Das Buch "Vegan für Einsteiger" von Rüdiger Dahlke bietet Rezepte und ein Vier-Wochen-Programm, 12,99 Euro, Gräfe und Unzer Verlag.
  • Das Portal Veggie-Hotels versammelt 450 Hotels und Pensionen mit rein vege­tarischer Küche in 57 Ländern auf allen Konti­nenten, darunter über 50 rein vegane Häuser.
  • Die App "FoodNavi" weist auch Veganern den Weg zu einer ausgewogenen Ernährung. Ab 1,79 Euro im App-Store.
  • Bei BRIGITTE finden Sie viele alltagstaugliche vegane Rezepte.
  • Gleichgesinnte treffen Sie im Vegan-Forum der BRIGITTE-Community.

Ein Artikel aus BRIGITTE Text: Verena Lugert

Kommentare (7)

Kommentare (7)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Lena,



    Es gibt dazu ein Statement der Deutschen Gesellschaft für Ernährung:



    "Bei einer veganen Ernährung kann es aufgrund des Verzichts auf jegliche tierische Lebensmittel zu einer Unterversorgung mit Energie, Protein, Eisen, Calcium, Jod, Zink, Vitamin B2 (Riboflavin), Vitamin B12 (Cobalamin) und Vitamin D kommen und die Zufuhr langkettiger n-3 Fettsäuren ist ebenfalls gering …"



    Verboten ist eine vegane Ernährung kleiner Kinder natürlich nicht, aber eben sehr aufwändig. Und sie setzt viel Wissen voraus, wie man es richtig macht.



    Herzliche Grüße aus der BRIGITTE-Redaktion
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Vegane Kost für Säuglinge und Kleinkinder tabu? Warum? Hier fehlt mir definitiv eine Erläuterung.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Jasmin,



    vielen Dank für diese Anregung, wir haben die Idee an die zuständige Redaktion weitergeleitet!

    Wir hoffen, dass Sie noch viele weitere Dinge in der BRIGITTE finden, die Ihnen Freude bereiten.



    Herzliche Grüße

    Ihr BRIGITTE-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Brigitte,

    der Artikel zeigt auf, warum vegane und vegetarische Lebensweisen gut für die Umwelt sind. Und dass es notwendig sein wird, unsere Essgewohnheiten dauerhaft zu ändern (Stichwort: Wasser). Leider kann ich mir nicht vorstellen, jemals selbst vegan oder vegetarisch zu leben. Könntet ihr nicht mal einen Bericht bringen, was man als Allesesser machen kann, um die Umwelt zu entlasten?

    Seit einigen Monaten kaufe ich nur z.B. nur noch Biofleisch und das auch nicht mehr so oft. Interessant wäre aber zu wissen, welche Marken ihre Produkte nachhaltig und fair, am besten noch lokal produzieren. Egal, ob es jetzt um Fleisch, Milchprodukte oder was-weiß-ich-noch geht.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Es wundert mich ohnehin, dass hier noch niemand druntergepostet hat, dass er jetzt Hunger auf ein Steak bekommen hat. Das ist nämlich zumindest auf facebook spätestens im zweiten Kommentar zum Thema "vegane Ernährung" und bei Postings von Peta (egal ob es wirklich um Ernährung oder um das Abschlachten von Robben geht) der Fall. Mir ist nicht ganz klar, warum derartige Provokation diese Menschen so befriedigt, obwohl ich die Theorie habe, dass es sich dabei um eine Strategie handelt, das insgeheim doch schlechte Gewissen zu überspielen. Ich kann und will niemanden zwingen, vegan oder vegetarisch zu leben, ich missioniere nicht, aber ich erwarte, von anderen nicht noch dafür angepöbelt zu werden, wie ich mich zu leben entschieden habe.
Bild Montagsnl

Lieblingsartikel direkt in dein Postfach

Melde dich jetzt kostenlos an!

Unsere Empfehlungen

BrigitteNewsletter
Noch kein Fan?Folge uns jetzt auch auf Facebook
Fan werden

Diesen Inhalt per E-Mail versenden

Vegan essen: Appetit auf Weltretten

Vegan essen ist sexy. Die Nachfrage nach Rezepten und Restaurants wächst. Eine Rezeptaktion in den Reformhäusern erhält großen Zuspruch. Aber macht vegan essen auch Sinn?

Du kannst mehrere E-Mail-Adressen mit Komma getrennt eingeben

E-Mail wurde versendet
Deine Mail konnte leider nicht versendet werden