Schwimmen - mit der richtigen Technik

Wer als Kind Brustschwimmen gelernt hat, macht als Erwachsener oft einen entscheidenden Fehler: die Schere. Mit unseren Tipps für die richtige Technik beim Schwimmen werden Sie den Fehler wieder los.

Schwimmen ist der perfekte Sport

Schwimmen trainiert alle Muskeln - ist also perfekt, um Bauch, Po und Beine in Form zu bringen und den Rücken zu kräftigen. Noch mehr Spaß macht das Schwimmen, wenn die Technik stimmt. Dafür sorgt Frank Wüstermann. Wenn jemand weiß, wie man Landratten beibringt, besser zu schwimmen, dann ist er es. Der ehemalige Profischwimmer arbeitet seit über fünfzehn Jahren als Trainer und bietet in Hamburg Schwimmkurse und Einzeltraining an. Egal ob Sie Ihren Stil beim Brustschwimmen verbessern wollen, den Einstieg ins Kraulen wagen oder mit Ihrem ersten Triathlon liebäugeln – hier finden Sie für jedes Niveau Tipps, um Ihre Technik zu verfeinern.

Schöner schwimmen – mit der richtigen Technik

1. Ich habe in der Schule Brustschwimmen gelernt, schön klassisch mit dem Kopf über Wasser. Was kann ich verbessern?

Für den Nacken und Rücken ist es besser, den Kopf beim Ausatmen ins Wasser zu nehmen. Lassen Sie sich dabei einfach vom Wasser tragen. Diese Schwimmtechnik kann man mit einer Übung langsam aufbauen: einfach beim Ausatmen ins Wasser reinpusten. Anfangs ist der Kopf dabei noch oben, dann nimmt man ihn immer tiefer, bis man dabei fast ganz ins Wasser eintaucht. Das funktioniert auch bei Kindern gut.

Neben der Technik ist beim Ausatmen unter Wasser vor allem die Ausrüstung wichtig. Auch wenn Badekappen bei vielen Hobby-Schwimmerinnen unbeliebt sind: Wer richtig schwimmen will, kommt um eine vernünftige Silikon-Badekappe nicht herum. Die hat gleich zwei Vorteile: Sie hält störende Haare verlässlich aus dem Gesicht und das Wasser rinnt schneller vom Kopf - und somit nicht in Mund und Nase. Tipp: Am besten die Haare im Nacken zusammenbinden und dann die Badekappe aufsetzen. Wichtig ist auch eine Schwimmbrille. Sie nimmt die Scheu davor, unter Wasser die Augen zu öffnen.

2. Wie finde ich eine gute Schwimmbrille?

"Viele Erwachsene schwimmen mit Kinderbrillen. Ich schätze, bei Frauen sind es mindestens 75 Prozent", sagt Frank Wüstermann. Die meisten, ohne es zu wissen. Der Grund: Bei Kinderbrillen ist der Nasensteg etwas schmaler und kleiner, dadurch sitzen sie gerade bei Frauen oft besser und das Wasser läuft nicht in die Brille. Er selbst empfiehlt und verkauft in seinen Kursen die Schwimmbrillen von Aqua-Sphere. Übrigens: Auch Brillenträger können Schwimmbrillen nutzen. Bei den meisten Herstellern gibt es Gläser mit Sehstärke.

Sie wollen herausfinden, ob eine Schwimmbrille richtig sitzt? So geht's: Die Brille auf die Augen drücken, ohne das Gummiband um den Kopf zu legen. Bleibt die festgesogene Brille im Gesicht haften? Dann tut sie das auch im Wasser. Nicht wundern: Selbst wenn die Schwimmbrille am Anfang gut hält und dicht ist, bleibt das nicht ewig so. "Wer einmal pro Woche schwimmen geht, sollte die Brille nach etwa einem halben Jahr erneuern", empfiehlt Frank Wüstermann. Chlor, Creme etc. setzen dem Gummi zu und machen die Brille nach einer Weile undicht. Wichtig: Finger weg von den Brillengläsern, sonst geht die Anti-Fog-Beschichtung kaputt. Alter Schwimmertrick, damit sie nicht beschlägt: Vor dem Schwimmen mit der Zunge von innen über die Gläser fahren, oder einmal reinspucken. Nach dem Schwimmen am besten nur mit klarem Wasser ausspülen.

3. Hobby-Schwimmer scheitern oft an der richtigen Beinbewegung beim Brustschwimmen. Was läuft falsch?

In den USA lernt man als erstes Kraulen und Rückenschwimmen. Aus gutem Grund: "Brustschwimmen ist schwer", sagt Frank Wüstermann. Wer es als Kind gelernt hat und danach keinen Schwimmunterricht genommen hat, macht oft den gleichen Fehler, die "Schere". Das ist eine Ausweichbewegung, bei der ein Bein das andere kreuzt. Der Beinschlag ist asynchron, ein Bein ist in der Bewegung schon weiter als das andere. Kinder können sich damit anfangs besser über Wasser halten, als mit einem gleichmäßigen Beinschlag. "Wer nach dem Seepferdchen aufhört, behält das bei", so die Erfahrung von Frank Wüstermann.

4. Wie kann ich herausfinden, ob ich diese typische Fehlbewegung beim Brustschwimmen auch selbst mache? Und falls ja, wie werde ich sie wieder los?

Am besten kann das jemand erkennen, der hinter einem schwimmt. Er sollte darauf achten, ob man die Füße gleichmäßig anzieht, ausstellt und wieder streckt. Um eine gleichmäßige Schwimmbewegung zu lernen, am besten mit einem Brett üben. Die Arme gestreckt drauflegen und sich auf die Beine konzentrieren. Auch da hilft es, wenn jemand hinter einem schwimmt und sagt, ob die Bewegung richtig ausgeführt wird. Übrigens: Beim Brustschwimmen zieht man erst die Arme an und dann leicht zeitversetzt die Beine. Das macht man aber in der Regel automatisch richtig.

5. Ich bin Brustschwimmerin und möchte kraulen lernen. Wie fange ich an?

Wenn man beim Schwimmen die Technik verbessern oder etwas Neues lernen will, ist es sinnvoll, mit Armen und Beinen getrennt zu arbeiten und erst später beides zu kombinieren. Hilfsmittel wie Schwimmbretter und Pullbuoys ("Ziehboje", ein Schaumstoffklotz, den man sich zwischen die Oberschenkel klemmt) helfen, dass man nicht untergeht. Tipp: Diese Hilfsmittel kann man in jeder Schwimmhalle ausleihen.

"Beim Kraulen ist die Wasserlage das Entscheidende", erklärt Frank Wüstermann. "Ist die Wasserlage richtig, ist es relativ einfach." Am besten stellt man sich vorher mal gerade hin. Bauch rein, Brust raus, Schulten nach hinten unten. Blick zwei bis drei Meter nach vorne. Diese Position dann im Wasser in der Waagerechten umsetzen. Also nicht nach vorne schauen, sondern nach unten. Ziel ist es, mehr Gewicht auf den Oberkörper zu bringen, damit die Beine hinten höher kommen.

Am besten klemmt man sich als Erstes einen Pullbuoy zwischen die Oberschenkel und trainiert die Armtechnik: Mit fast ausgestreckten Armen erst einmal gerade liegen, das Kinn dabei zur Brust nehmen, und nach unten gucken. Die eine Hand dann weit nach hinten zu den Oberschenkeln schieben. Dabei das Wasser nach hinten wegdrücken. Erst das Handgelenk abknicken, dann den Ellbogen. Bei jedem dritten oder vierten Armzug den Kopf zur Seite drehen und einatmen. 6. Was machen die Beine beim Kraulen?

Auch hier gilt: Je besser die Wasserlage, desto besser der Beinschlag. Der Abstand zwischen den Beinen ist anfangs relativ groß. Je besser man liegt, d.h. je weiter die Füße oben sind, desto dichter zusammen sind sie. Dann beträgt der Abstand auf Knöchelhöhe etwa eine Fußlänge. Problem bei zu großem Abstand: Der Oberkörper schwingt mit. Ziel der Bewegung ist ein ruhiges Gleiten des Oberkörpers. Die Beine schlagen nur leicht auf und ab.

7. Beim Kraulen finde ich den Beinschlag extrem anstrengend. Ist das normal? Wie werde ich effizienter?

Anfänger gehen oft hinten unter, weil die Wasserlage nicht richtig ist. Die Beine fangen an, wie wild zu paddeln, um den Kopf aus dem Wassser zu bekommen. Das ist sehr anstrengend und die Herzfrequenz geht nach oben. Die Beine gleichen also nur die Fehlhaltung vorne aus, aber geben keinen richtigen Vorschub. Da hilft ein Pullbuoy zwischen den Oberschenkeln. Der Po kommt höher, die Wasserlage wird besser und die Beine ruhiger. Dann auf die Arme konzentrieren (siehe Punkt 5).

8. Mein erster Triathlon steht kurz bevor. Wie kann ich meinen Schwimmstil optimieren?

Wer nicht richtig kraulen kann und nur noch wenig Zeit hat, sollte im Triathlon beim Brustschwimmen bleiben. Das ist für die Jederman- Distanz absolut okay. Wer vernünftig kraulen lernen will, braucht mindestens vier bis zwölf Wochen Vorlauf (bei einmal pro Woche Training). Das Problem beim Triathlon im offenen Gewässer: Man sieht wenig bis nichts. Die Orientierung ist beim Triathlon die größte Herausforderung für Beckenschwimmer. Im Schwimmbad hat man Markierungen, damit man weiß, wo man ist. Beim Triathlon bleibt einem nichts anderes übrig, als alle paar Atemzüge nach vorne zu schauen und die Position zu prüfen. Je ungeübter man darin ist, desto häufiger muss man gucken. Man sollte das Freiwasserschwimmen einige Male vor dem Triathlon ausprobiert haben.

Mehr zum Thema

Trainingspläne und Tipps zur Verbesserung der Schwimmtechnik: Michael Hahn "Besser Schwimmen in allen Stilarten", blv-Verlag, 16,95 Euro.

Wirkungen des Schwimmens auf den Körper, orthopädisch gesundes Schwimmen: Michael Hahn "Richtig Schwimmen", blv-Verlag, 12,95 Euro.

Text: Monika Herbst Foto: Plainpicture Illustrationen: Jörg Mair/BLV Buchverlag

Wer hier schreibt:

Monika Herbst

Kommentare (3)

Kommentare (3)

  • Anonymer User
    Anonymer User
    Liebe Fidi,



    so lange die Brille dicht ist, brauchen Sie diese natürlich nicht zu ersetzen. Der angegebene Zeitpunkt ist ein Richtwert und hängt sicherlich vom Modell, vom Schwimmbad, der eigenen Hautcreme etc. ab.



    Beste Grüße

    Ihr BRIGITTE.de-Team
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Bei einmal pro Woche Schwimmen soll man die Brille nach nem halben Jahr austauschen? Ich schwimme jeden Tag, heißt das, ich muss alle 26 Tage eine neue kaufen? Ich finde das klingt nach Geschäftemacherei, auch mit dem link darüber.
  • Anonymer User
    Anonymer User
    Ich kann schwimmen nur jedem empfehlen. Ich habe im Herbst 2011 einen Kraulkurs für Anfänger gemacht, es war wirklich anstrengend und hat viel Übung gebraucht - aber jetzt gibt's fast nichts Besseres! Dass nebenbei noch einige Kilos auf der Strecke geblieben sind, war ein unbeabsichtigter Nebeneffekt. Fett ist also doch wasserlöslich ... *g
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