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Heuschnupfen - so geht es uns schnell besser

Grüne Wiesen, Blüten am Baum - darüber freuen sich Heuschnupfen-Geplagte eher verhalten, denn gerade dann fliegen verstärkt die Pollen. Was hilft gegen Juckreiz und Niesen?

Was können wir tun, um die Heuschupfen-Symptome zu lindern? Zehn Tipps für den Alltag heuschnupfengeplagter Menschen:

Heuschnupfen: Das juckt mich nicht!

Leider doch. Bereits jeder Siebte ist Pollen-Allergiker, trotzdem wird Heuschnupfen immer noch unterschätzt. Woran erkennt man ihn - und was kann man dagegen tun?

"Meine Nase läuft andauernd. Ist das schon ein Zeichen für eine Allergie oder einfach ein kleiner Schnupfen?"

"Wenn zusätzlich die Augen jucken, spricht einiges für eine Allergie", sagt Dr. Jörg Kleine-Tebbe, Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie. In seiner Berliner Praxis hat er außerdem die Erfahrung gemacht, dass Menschen, die dauerhaft Nasentropfen brauchen, oftmals unwissentlich Allergiker sind. Dr. Christa Wilcke, HNO-Ärtzin mit allergologischem Schwerpunkt in Hamburg, rät: "Jeder, der länger als 14 Tage Schnupfen hat, sollte sich zumindest mal untersuchen lassen. Manchmal kann der Arzt dann schon an den Schleimhäuten erkennen, ob eine Allergie besteht oder hinter dem Dauerschnupfen etwas anderes steckt wie etwa eine chronische Nebenhöhlenentzündung." Übrigens: Auch wenn 80 Prozent der Allergien vor dem 30. Lebensjahr ausbrechen, kann es auch bei älteren Erwachsenen noch losgehen mit dem Heuschnupfen. Experten gehen sogar davon aus, dass diese späten Erstmanifestationen momentan zunehmen.

"Wenn mich der Heuschnupfen plagt, besorge ich mir ein Mittel aus der Apotheke. Beim Arzt war ich allerdings noch nie."

Damit befinden Sie sich zwar in guter Gesellschaft: "Nur ein kleiner Teil der Betroffenen landet überhaupt beim Allergologen", so Kleine-Tebbe. Laut einer Studie sinkt die Zahl der Praxen, die allergologische Diagnosen stellen, sogar. Doch das ist fatal: "Auch wenn viele sie immer noch dafür halten: Eine Allergie ist keine Bagatellerkrankung", warnt Dr. Bettina Hauswald vom Uniklinikum Dresden. Denn es besteht das Risiko des sogenannten Etagenwechsels, das heißt, dass auch die unteren Atemwege, die Bronchien, reagieren und Asthma entsteht. "Oft geschieht dies schleichend und ohne dass die Betroffenen es direkt merken“, so Kleine-Tebbe. Und während die Zahl der Allergiker seit circa zehn Jahren auf hohem Niveau stagniert, nimmt der Anteil der Asthma-Kranken weiter zu. "Mittlerweile liegt das Risiko eines Allergikers, Asthma zu entwickeln, schon bei 46 Prozent“, sagt Expertin Wilcke. "Deswegen sollte man auf jeden Fall zum Allergologen - und zwar möglichst frühzeitig."

"Ich war beim Arzt, aber der Allergietest brachte kein Ergebnis. Und jetzt?"

Allergie-Tests, wie der Pricktest am Unterarm oder der Nachweis von IgE-Antikörpern im Blut, weisen lediglich eine Sensibilisierung nach, sozusagen eine Allergiebereitschaft. Von einer Allergie spricht man erst, wenn dazu auch Beschwerden passen. "Die Aufklärung einer Allergie braucht Zeit", erklärt Kleine-Tebbe. "Und dabei spielt das Gespräch mit dem Patienten eine entscheidende Rolle: Welche Beschwerden hat er genau, wann treten sie auf, gibt es andere Allergien in der Familie etc." Wenn die Tests erst einmal nicht anschlagen, bedeutet das nur, dass keine Allergie gegen die getesteten Substanzen besteht. Doch die Liste möglicher Auslöser ist lang, sodass es zur Detektivarbeit werden kann, darunter die "Übeltäter" zu finden. "Das Problem ist, dass diese Mühe für den Arzt nicht kostendeckend ist", sagt Kleine-Tebbe. "Leider kommt es immer wieder vor, dass Allergiker zu schnell abgehandelt werden." Dr. Wilcke rät dann dazu, mit dem Arzt zu vereinbaren, dass nach einem ergebnislosen Test weitere Untersuchungen zumindest im nächsten Abrechnungsquartal gemacht werden. Hilfreich, um das Allergen schnell einzukreisen: Protokollieren Sie bereits vor dem Arztbesuch Ihre Beschwerden (z. B. mit dem Pollentagebuch der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, das es auch als kostenlose App gibt, Infos: www.pollenstiftung.de ).

"Ich komme mit Mitteln aus der Apotheke ganz gut klar, aber kann ich die wirklich dauerhaft einnehmen?"

"Bei allen Medikamenten, die man über längere Zeiträume nimmt, sollte man sich überlegen, in welchem Verhältnis Wirkung und Nebenwirkung zueinander stehen", so Wilcke. Und obwohl die Anti-Histaminika der zweiten Generation (z. B. mit dem Wirkstoff Ceterizin) nicht mehr so schläfrig machen wie ältere Präparate, treten Müdigkeit und Schwindel gerade bei freiverkäuflichen Tabletten immer noch häufig auf. Weil Heuschnupfen an sich oft ebenfalls schlappmacht, wird’s richtig lästig. "Es gibt aber durchaus Mittel, die weniger müde machen", sagt Wilcke. "Außerdem haben die Medikamente jeweils einen unterschiedlichen Fokus." Bei der einen sind vor allem die Augen betroffen, bei der anderen juckt es in den Ohren - und dementsprechend helfen auch unterschiedliche Mittel am besten. Ein weiteres Argument für einen Termin beim Facharzt: Er kennt die Palette der Medikamente und kann entsprechend beraten, das richtige zu finden. "Ich würde das als Patient nicht alles selbst durchprobieren wollen", so die HNO-Ärztin.

"Wie sieht es denn mit homöopathischen Arzneien aus. Helfen die auch?"

"Im Grunde gibt es zwei sehr bewährte Mittel", so Dr. Markus Wiesenauer, Facharzt für Allgemeinmedizin und Naturheilverfahren aus Weinstadt. "Und zwar Galphimia D6 bei starkem Niesen, Fließschnupfen, tränenden und juckenden Augen, und Arundo D6, wenn ein extremer Juckreiz im Mund- und Rachenraum sowie im Gehörgang besteht, der mit tränenden Augen verbunden ist." Die Dosierung ist dabei identisch: vier- bis fünfmal täglich fünf Globuli oder eine Tablette lutschen. Und wenn sich die Symptome nicht derart eindeutig zuordnen lassen? "Dann hat sich das Heuschnupfenmittel DHU bewährt, von dem drei- bis viermal täglich eine Tablette gelutscht wird." Eine Alternative ist auch das ebenfalls Homöopathische Mittel Allergin als Globuli, Tablette oder Tropfen.

"Werden aus einer Allergie mit der Zeit mehr Allergien?"

Nicht zwangsläufig, aber das Risiko besteht. Verantwortlich sind unter anderem sogenannte Kreuzallergien: Dabei springen die Antikörper, die gegen ein bestimmtes Allergen gebildet wurden, auch auf andere Proteine mit ähnlicher Struktur an. Birkenpollen-Allergiker entwickeln etwa meist auch Reaktionen gegen andere Baumpollen sowie zwei Drittel von ihnen gegen bestimmte Lebensmittel wie Äpfel, anderes Steinobst, Möhren, Nüsse. Bemerkbar macht sich das durch Jucken, Kribbeln oder Schwellungen im Mund. Früher waren Kreuzallergien noch deutlich seltener. "Heute sind sie der Hauptgrund für Nahrungsmittelallergien im Erwachsenenalter", so Kleine-Tebbe. Und auch durch den Etagenwechsel kann aus einer Allergie mehr Allergie, im Sinne von heftigeren Beschwerden, werden, bis hin zur dauerhaften Schädigung der Atemwege.

"Besteht die Chance, dass mein Heuschnupfen von allein wieder weggeht?"

Das kommt vor, jedoch nur in Phasen, in denen sich Hormonhaushalt und damit das Immunsystem unseres Körpers umstellen: etwa in der Pubertät, in der Schwangerschaft oder während der Wechseljahre. Allerdings besteht auch das Risiko, dass genau dann zum ersten Mal allergische Beschwerden auftreten. "Es ist auf jeden Fall nicht so, dass sich Allergien mehr und mehr auswachsen, je älter man wird", so Wilcke.

"Könnte eine Hyposensibilisierung für mich Sinn machen?"

Bisher erhalten nur sieben Prozent der Heuschnupfen-Betroffenen eine spezifische Immuntherapie, auch Hyposensibilisierung genannt. Viel zu wenig, wie viele Experten meinen. Denn bei der Behandlung handelt es sich um die einzige ursächliche Allergie-Therapie, weil das Immunsystem durch regelmäßige Konfrontation mit dem Allergen - mit wöchentlichen Spritzen oder der täglichen Einnahme von Tropfen bzw. Tabletten - nach und nach lernt, dieses zu tolerieren. Laut einer Umfrage sind 70 Prozent mit dem Ergebnis einer Hyposensibilisierung zufrieden: Im Durchschnitt reduzieren sich Medikamentenbedarf und Beschwerden um die Hälfte, das Asthma-Risiko sinkt nachweislich bzw. bereits bestehendes Asthma kann gelindert werden. Außerdem breiten sich Allergien danach nicht mehr so stark aus. "Durch eine Hyposensibilisierung stabilisiert man das Immunsystem offensichtlich so, dass es eine generelle Toleranz entwickelt", so HNO-Ärztin Wilcke. In den Leitlinien wird die Immuntherapie mit Allergenen bei moderaten bis schweren Symptomen empfohlen. Sie ist bereits bei Kindern möglich und eine Altersgrenze nach oben gibt es, anders als früher, heute nicht mehr. "Den Erfahrungen nach wirkt die Behandlung besser, wenn die Zahl der Allergene überschaubar ist", so Kleine-Tebbe. Immer erforderlich: Die Bereitschaft, die Behandlung auch über drei Jahre konsequent durchzuhalten. "Nichts ist so schlecht wie eine abgebrochene Hyposensibilisierung", sagt Wilcke.

"Gibt es denn auch Alternativen zur Hyposensibilisierung?"

Bettina Hauswald, HNO-Ärztin und Allergologin am Universitätsklinikum Dresden, hat schon vor über 30 Jahren damit begonnen, Allergiker mit Akupunktur zu behandeln, und dazu auch mehrere Studien durchgeführt. "Die Erfolge sind mit denen der Hyposensibilisierung vergleichbar", sagt sie. Allerdings zahlen die Kassen nicht, und ähnlich wie bei der Immuntherapie ist ein langer Atem erforderlich: "Die Behandlung geht ebenfalls meist über drei Jahre mit neun bis zwölf Sitzungen pro Saison, beginnend jeweils etwa einen Monat vor dem Pollenflug." Expertin Hauswald gibt selbst Akupunktur-Fortbildungen und rät Patienten dazu, auf das Zertifikat der Deutschen Ärztegesellschaft für Akupunktur zu achten. Wichtig außerdem: "Auch vor einer Akupunkturbehandlung ist die gründliche Anamnese entscheidend." Heißt: Es muss in jedem Fall genau herausgefunden werden, welche Auslöser für die Beschwerden verantwortlich sind.

Fragen und Antworten: Antje Kunstmann

Wer hier schreibt:

Antje Kunstmann

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