Brustkrebs-Projekt
Leben ohne Brüste: Die modernen Amazonen
Auch ohne Brüste können Frauen schön sein - das ist die Botschaft des "Amazonen"- Projekts. Dabei entstanden berührende Bilder, die an Brustkrebs erkrankte Frauen stark und sexy zeigen.
Jedes Jahr erkranken in Deutschland 57.000 Frauen an Brustkrebs - und für viele von ihnen ist eine Brust-OP die einzige Möglichkeit, die Krankheit zu bekämpfen. Die meisten Frauen entscheiden sich nach der OP für einen Wiederaufbau der Brust.
Auf diesem Bild sehen wir fröhliche, starke Frauen. Moderne Amazonen, sexy und weiblich - ohne Brüste. Sie alle haben durch Brustkrebs eine oder beide Brüste verloren. Sie zeigen ihre Narben selbstbewusst, haben ihren Körper auch ohne Brüste lieben gelernt. Und wirken zugleich sehr verletzlich. Das ist es, was das Bild so eindringlich macht. Es entstand im Rahmen des "Amazonen"-Projekts der Berliner Werbekauffrau Uta Melle.
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Als Uta Melle, 40, 2009 an Brustkrebs erkrankt und beide Brüste verliert, akzeptiert sie ihren Körper so, wie er ist - mit Narben, ohne Brüste. Sie will sich nicht verstecken: Als ihr nach der Chemotherapie die Haare ausfallen, trägt sie keine Perücke. Sie spricht offen über ihre Krankheit. Und sie lässt sich Anfang 2009 fotografieren - nackt.
Es sind Bilder, die berühren. Sie zeigen eine schöne Frau voller Lebensfreude, aber sie zeigen auch schonungslos die Narben, die die Operation hinterlassen hat.
Uta Melles Geschichte und ihre Bilder werden bei stern.de veröffentlicht. Das Echo ist überwältigend, und Melle startet das "Amazonen"-Projekt: Sie sucht Kontakt zu anderen Betroffenen, unter anderem über das BRIGITTE.de-Forum, und organisiert 2010 ein gemeinsames Fotoshooting in Berlin. Hierbei entstanden alle Bilder in diesem Artikel.
Im BRIGITTE.de-Forum wird auch Mareke Feeken auf die Aktion aufmerksam. Sie steckt gerade mitten in der Chemotherapie, als sie Uta Melles Bilder sieht, ist tief beeindruckt: "Sie sieht so lebensmutig aus, so energiegeladen, so schön", sagt sie. Mareke Feeken meldet sich für das Shooting an.
Die Fotografin Jackie Hardt porträtiert die Frauen als moderne Amazonen, kämpferisch und stark. "Ich war die erste, die geschminkt und fotografiert wurde", erinnert sich Mareke Feeken. "Es war unglaublich spannend. Ich hatte damals nicht mal Haare, weil ich mitten in der Chemo war."
Die Fotografin Esther Haase inszeniert die Frauen als Volk der Amazonen. "Wir haben alle dieselben Probleme", sagt Initiatorin Uta Melle, "deshalb gab es von der ersten Minute des Shootings an ein wahnsinniges Gemeinschaftsgefühl." Die Frauen reden offen miteinander, fassen ihre Narben an - diese Intimität hilft ihnen, die eigene Situation zu akzeptieren: "Eine Frau hat nach dem Shooting entschieden, sich auch noch die zweite Brust abnehmen zu lassen", erzählt Melle.
Bei den Aufnahmen lassen einige Frauen alle Hüllen fallen - der Betrachter sieht die Narben in verstörendem Detail. Initiatorin Uta Melle ist genau das sehr wichtig: "Es gibt immer noch unheimlich viel Aufklärungsbedarf beim Thema Brustkrebs. Viele Frauen haben solche Narben noch nie richtig gesehen", sagt sie. Daher möchte sie die Bilder des "Amazonen"-Projekts auch in Brustkrebs-Zentren ausstellen.
Für die Porträtbilder von Jackie Hardt schlüpfen die Frauen in Amazonen-Kostüme. Diese neue Rolle ist auch eine Metapher: "Ich muss ein neues Leben anfangen, ich muss einen neuen Alltag definieren", sagt Uta Melle, "aber das muss ja nicht schlimm sein."
Wie die Frauen in Szene gesetzt werden wollen, darf jede selbst entscheiden. Doch mit provokanten Posen wie dieser Kuss-Szene will Initiatorin Uta Melle auch zeigen, dass das Leben weiter geht: "Wenn es um Brustkrebs geht, geht es viel zu oft um das Drama und viel zu wenig um den Alltag."
Für das "Amazonen"-Projekt standen 19 Frauen aus ganz Deutschland vor der Kamera - schlanke, füllige, junge und ältere. "Das Thema Krebs wird in unserer Gesellschaft gern ausgeblendet", sagt Uta Melle, "dabei betrifft es so viele Menschen! Mir war es wichtig, dass genau deswegen viele Frauen und viele unterschiedliche Frauen mitmachen."
Hier laufen die "Amazonen" auf die Fotografin zu - am 15. Mai 2011 liefen sie in Hamburg für einen guten Zweck: Mareke Feeken und 22 andere Frauen aus dem Brustkrebs-Forum der BRIGITTE.de-Community starteten beim "Race for the Cure", einem Wohltätigkeitslauf für an Brustkrebs erkrankte Frauen, organisiert vom Verein Komen Deutschland.
Das Buch: "Amazonen - Das Brustkrebs-Projekt von Uta Melle" mit Texten von Sophie Albers und Beate Wedekind ist im Kehrer Verlag erschienen und kostet 30 Euro.

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am um
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löwincathi
am 07.04.11 um 19:07
Bin zutiefst beeindruckt und berührt von diesen Bildern! Wunderschöne starke Frauen, die ihre Weiblichkeit nicht über Brüste definieren müssen, sondern über Ausstrahlung, Mut und Liebe. Diese Energie und Kraft, die einem entgegenspringt. Danke an diese wundervollen Frauen! WOW!
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Uli S
am 07.04.11 um 15:19
aus diesen Bildern spricht für mich vor allem eins: Wut auf eine tückische Krankheit.
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