Autismus: Das etwas andere Glück
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Der Hummer war entweder für sich allein, oder er drosch auf die anderen Kinder ein. Er hatte einen riesigen Wortschatz angehäuft, aber er kombinierte die Wörter nicht zu Sätzen mit kommunikativer Funktion. Dafür echote er alles, was er hörte, und er verarbeitete diese Fragmente zu einem dadaistischen Sprachbrei. Mit größtem Vergnügen und ganz für sich allein.
„Die Wurstscheibe klatschte mein Sohn vor Wut auf die frisch polierte Theke“
Wir sorgten uns um unseren Hummer. Seine Zähigkeit und sein Überlebenswille in einer Welt, die offensichtlich nicht sein Element war, nötigten uns Bewunderung ab. Wir sahen, wie schwer er es hatte. Das machte uns traurig. Was andere einfach hinnahmen, wurde für den Hummer zur täglichen Qual: das Etikett im Pullover, die Falte in der Tischdecke, ein verschobener Teller, das Staubsaugergeräusch. Ein Raum voller Menschen, Wind auf der Haut, die Sonne im Gesicht. Kaufhausgedudel und Radio.
Das Leben wurde unerträglich. Fast alles, was es draußen zu sehen und zu hören gab, machte dem Hummer Angst oder brachte ihn in Rage: Hunde, Puppen, Luftballons, selbst wohlmeinende Mitmenschen. Zum Beispiel die Verkäuferin an der Wursttheke, die nett sein wollte und dem Kind eine Wurstscheibe schenkte. Das Kind fand das aber nicht nett, sondern eine Zumutung - und klatschte die Wurst vor Wut auf die frisch polierte Theke. Das Lächeln im Gesicht der Verkäuferin gefror, und mein Mann schob hastig mit dem schreienden Kind im Buggy ab.
Kurz vor dem dritten Geburtstag des Hummers wurde es so schlimm, dass wir Hilfe suchten. Als wir die Diagnose erfuhren, waren wir schockiert. Sicher, wir hatten geahnt, dass mit dem Hummer etwas nicht stimmte. Aber Autismus? Das klang endgültig. Wie alle Eltern hatten wir für unser Kind eine glückliche und unbeschwerte Zukunft vor Augen. Sich von diesem Bild zu verabschieden tat weh.
Aber es gab auch die andere Seite: Unser Schmerz hatte jetzt einen Namen. Wir konnten ihn erforschen und therapieren. Das Wort "Autismus" verlor seinen düsteren Klang. Der Hummer, den das Wort diagnostizierte, war noch derselbe. Nur dass wir ihm jetzt vielleicht helfen konnten. Das machte Mut.













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am um
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Ralph
am 21.10.11 um 21:01
Ich finde es super, wenn sich betroffene Eltern wohlfühlen und ein Programm für ihre Kinder gefunden haben. Der Alltag ist sicherlich anstrengend. Dennoch muss bei allem was hier steht auch an die Kinder gedacht werden. ABA ist ein Programm, welches für die verzweifelten Eltern da ist. Eine "Dressur" der eigenen Kinder ist sehr problematisch zu sehen. Wichtiger ist es die Kinder zu verstehen und ihr besonderes Verhalten nicht negativ zu sehen. Alle diese Verhaltensweisen haben einen Grund, der eruriert werden muss um ggf. ihnen liebevoll zu zeigen welche Alternativen es gibt Bedürfnisse und Emotionen zu äußern.
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Querdenkender
am 11.05.11 um 07:20
Ein typischer Artikel aus der Sicht von Angehörigen. Es ist gut das es solche Berichte gibt. Man darf dabei aber nie vergessen: Angehörige wissen wie es ist mit einem Autisten zu leben. Sie wissen aber niemals (es sei denn sie sind selbst autistisch) wie Autismus ansich ist.
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Schwarz
am 18.01.11 um 20:00
Quelle von Schwarz
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Schwarz
am 18.01.11 um 19:58
Es gab zu verschiedenen Zeiten unterschiedliche Vorstellungen über die Entstehung von Autismus. Im zaristischen Russland etwa glaubte man, dass autistische Kinder als besonders religiöse Menschen zur Welt gekommen seien und dass diese sich freiwillig für ein Leben jenseits aller Konventionen entschieden hätten. Aus überlieferten Berichten weiß man, dass Autisten in Lumpen durch den russischen Winter liefen, ohne sich vor der Kälte zu schützen. Sie sprachen selten, ihr Verhalten war merkwürdig, sie missachteten Gesetz, Ordnung und soziale Regeln. Man nannte sie deshalb "heilige Narren" und glaubte, dass in ihrem Verhalten göttliche Botschaften verschlüsselt seien.
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sandra2010
am 08.02.10 um 10:23
Ich bin froh über jeden Artikel, der das Thema Autismus beinhaltet! Ich habe ebenfalls einen autistischen Sohn und sammle jede Information die ich bekommen kann. Erlebnisberichte von betroffenen Eltern können sehr helfen. Hilfe und Unterstützung von Kinderärzten (1. Ansprechpartner) bekommt man unglücklicherweise nicht. Aufklärung in dieser Sache hat dringende Priorität! ABA kann jedem Kind weiterhelfen. Wir haben vor kurzer Zeit ein ähnliches Training (Bremer Elterntraining, BET) begonnen und können erste wundervolle Fortschritte bei unserem Sohn feststellen. Zum ersten Kommentar: Bei aller Ernsthaftigkeit und viel Leid darf uns nicht der Humor im Alltag verloren gehen. Das Leben dreht sich viel aber nicht nicht nur um das autistische Kind. Jeder Tag hält auch Freude bereit - Jeder Mensch sollte danach Ausschau halten. Ich wünsche allen Betroffenen Eltern und Kindern viel Glück und vor allem Kraft!
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Lurine
am 07.02.10 um 16:52
Hallo, meiner Meinung nach ist der Artikel weder unterhaltsam, denn dafür ist das Thema zu ernst, noch informativ, denn dafür werden die Probleme mit Autisten zu sehr verniedlicht. Die Realität ist für viele Betroffene leider oft eine andere - Diagnosen werden von Ärzten nicht gestellt und Ämtern angezweifelt, Therapien daher nicht bewilligt oder bezahlt. Viele Ärzte sind uninformiert, die Hilfsangebote gering. Schulen sind überfordert, Lehrer verweigern eine Schulung und mobben die anstrengenden Autisten lieber raus. Heilung gibt es keine - schlechte Zukunftsaussichten für Autisten, denn spezielle Einrichtungen oder gar Heime, wenn die Eltern dann nach vielen Jahren Kampf mit Behörden, Lehrern, Betreuern und dem alltäglichen Wahnsinn zusammenbrechen, sind rar. "Das etwas andere Glück" - ein sehr pathetischer Titel - ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die dieses "Glück" im Zusammenleben mit einem behinderten Kind nicht erkennen. PS. Es gibt nicht nur ABA...schlecht rec
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Inga
am 22.01.10 um 12:12
Hallo, vielen Dank für diesen interessanten, informativen und zugleich humorvoll geschriebenen Artikel! Ich bewundere Menschen, die sich so mit ihrem Schicksal arrangieren und dabei zugleich so eine Lebensfreude behalten. Weiterhin viel Glück!
mehr (7)EINE VERÄNDERUNG VON INNEN HERRAUS IST NACHHALTIG UND ECHT UND KANN AUCH AUF ALLE SITUATIONEN ÜBERTRAGEND WERDEN. BELOHNUNGEN MIT SÜSSIGKEITEN HINGEGEN SIND DRESSUR! WAS PASSIERT WENN DIE BELOHNUNG AUCH NOCH IM ERWACHSENENALTER EINGEFORDERT WIRD?????
Ein wenig zeigt sich das auch in diesem Artikel. Es wird beschrieben wie das Leben in dieser Familie ist und welche Probleme es gibt. Woher die Probleme aber kommen bleibt außen vor. Um Autismus zu verstehen und auch Autisten optimal fördern zu können ist es aber unbedingt wichtig, dass man weiß WIESO Autsten in manchen Situationen so reagieren wie sie reagieren!
Ich schreibe seit einigen Monaten regelmässig selbst über meinen Autismus und wie ich die Dinge sehe. Wer einen Einblick in den Autismus haben möchte und an der Sicht eines Autisten interessiert ist, ist herzlich eingeladen hier einmal vorbei zu schauen:
http://de.wordpress.com/tag/reihe-autismus-quergedacht/
Querdenkender
http://www.deol.de/articles/417/6/Autismus/Seite6.html
Sandra