Blase
Brennen beim Wasserlassen - was hilft?

Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen kennen viele Frauen. Doch was steckt dahinter? Und was hilft jetzt am besten?

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Brennpunkt 1: Die Blase

Häufigster Grund für das schmerzhafte Brennen ist eine Blasenentzündung - die Hälfte aller Frauen leidet mindestens ein Mal im Leben darunter. Verursacher sind meist Bakterien wie Escherichia coli. Sie siedeln normalerweise im Darm, geraten aber bei Frauen leicht in die Blase, weil ihre Harnröhre kurz ist und sich nah am Darmausgang öffnet.

Typisches Symptom: Es brennt besonders am Ende des Urinierens. "Die leere Blase fällt zusammen, die entzündeten Wände berühren sich", erklärt Dr. Christian Albring, Gynäkologe in Hannover. Dazu können Unterleibsschmerzen kommen, manchmal Blut im Urin. Typisch ist der Drang, ständig zur Toilette zu müssen. Das erleben auch Frauen mit einer überaktiven Blase - sie spüren aber kein Brennen.

  • Das hilft
    Bei den ersten Anzeichen viel trinken, etwa drei Liter am Tag, egal ob Wasser, Tee, Säfte oder Suppe. Wenn der Urin beinahe so klar wie Wasser ist, stimmt die Menge. Dass bestimmte Tees besser wirken als andere Flüssigkeiten, ist nicht belegt. Extrakte der Bärentraubenblätter allerdings werden von der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) gegen Harnwegsinfekte empfohlen. Sie wirken keimtötend.

    Wer sich Bärentraubenblätter als Tee in der Apotheke besorgt, sollte sich beraten lassen, wie man ihn zubereitet. Außerdem tut Wärme gut: Packen Sie eine Wärmflasche auf den Unterleib, gönnen Sie sich Ruhe. Und: Halten Sie nicht den Urin zurück, die Keime müssen raus. Ob tatsächlich Bakterien hinter den Beschwerden stecken, kann man auch selbst mit einem Urintest aus der Apotheke feststellen (ca. 6 Euro).
  • Dann sollten Sie zum Arzt
    Wenn eine Blasenentzündung während der Schwangerschaft auftritt. Generell, wenn die Beschwerden nach drei Tagen noch nicht besser werden oder zusätzlich starke Schmerzen in der Nierengegend oder Fieber auftreten. Die Bakterien könnten in diesem Fall eine Nierenbeckenentzündung verursacht haben, die behandelt werden muss. Eine unkomplizierte Blasenentzündung ist dagegen harmlos. "80 Prozent heilen von selbst", sagt Dr. Wolfgang Bühmann, Pressesprecher des Berufsverbands Deutscher Urologen.

    Mit ärztlicher Hilfe allerdings verschwinden die Schmerzen schneller. Antibiotika (Trimethoprim, kurz TMP, oder Nitrofurantoin) werden meist für drei Tage verordnet. Die einmalige Gabe von TMP hilft zwar auch in vier von fünf Fällen, doch ist die Rückfallquote höher als bei längerer Einnahme. Eine Pilotstudie der Hochschule Hannover zeigte darüber hinaus, dass es Frauen vergleichbar schnell besser ging, wenn sie das Schmerzmittel Ibuprofen nahmen statt Antibiotika.
  • So beugen Sie vor
    Durch ausreichend Wärme: Sitzen im feuchten Gras, ein nasser Badeanzug - gerade im Sommer verkühlt schnell der Unterleib. Das mindert die Durchblutung und macht es den Keimen leicht, sich zu vermehren. Durch Intimsprays und Scheidenspülungen (oder durch chemische Verhütungsmittel wie Spermizide) wird die Scheidenflora - der natürliche Schutz gegen die Darmbakterien - angegriffen. "Die Scheide nur mit Wasser reinigen", empfiehlt daher der Gynäkologe Albring. Viele Frauen bekommen Blasenentzündungen auch nach dem Sex - schuld sind wiederum Bakterien aus dem Darm, die in die Harnwege gelangen. Daher ist es ganz wichtig, nach dem Sex bald die Blase zu leeren.
  • Was tun, wenn die Blase häufig Probleme macht?
    Wer mehr als drei Mal im Jahr erkrankt, sollte zum Urologen gehen, um mögliche Ursachen zu klären. Eine Senkung der Gebärmutter etwa kann dazu führen, dass ständig bakterienfreundlicher Rest-Urin in der Blase bleibt. Auch ein Blasentumor sollte ausgeschlossen werden. Auf längere Sicht können auch eine Langzeittherapie mit Cranberry-Extrakt oder - vor allem bei Problemen nach dem Sex - die regelmäßige Gabe von Antibiotika helfen. Seit einigen Jahren gibt es auch eine Impfung in Form von Tabletten oder Spritzen.


Brennpunkt 2: Der Intimbereich

Manchmal steckt hinter den unangenehmen Beschwerden beim Wasserlassen aber auch nicht die Blase, sondern eine Entzündung von Schamlippen und Scheide. Diese kann verschiedene Ursachen haben: Bakterien (meist wiederum Escherichia coli) zum Beispiel verursachen Harndrang und Schmerzen auf der Toilette, sogar wenn nur Scheide und Harnröhre befallen sind.

Auch eine Ansteckung mit Chlamydien - sie sind Auslöser der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheit - kann sich durch leichtes Brennen beim Wasserlassen bemerkbar machen. Dazu kommen Ziehen im Unterleib, etwas Ausfluss. Eine Pilzinfektion mit Candida sorgt dagegen für heftiges Brennen, Jucken und Ausfluss. Aber ebenso können sich die Schamlippen manchmal ohne Erreger entzünden und beim Wasserlassen schmerzen: etwa durch die Reibung der Oberschenkel oder sauren, scharfen Urin, der dann entsteht, wenn man sehr wenig trinkt.

  • Das hilft
    Gegen E-coli-Infektionen von Vagina und Harnwegen müssen nicht unbedingt Antibiotika genommen werden - ein Vaginalgel mit Milchsäure (rezeptfrei in der Apotheke) scheint wirksamer zu sein, zeigt eine Studie der Berliner Charité. Gegen Chlamydien werden immer Antibiotika verordnet - auch für den Partner. Denn auch wenn Chlamydien akut nur geringe Beschwerden verursachen, können die langfristigen Folgen dramatisch sein: Ein Fünftel aller Fälle weiblicher Unfruchtbarkeit geht auf einen unbehandelten Chlamydien-Befall zurück.

    Bei Pilzen helfen Cremes oder Zäpfchen zur Selbstbehandlung (mit Clotrimazol). Nach einer Pilzbehandlung sollte man die Scheidenflora wieder aufpäppeln, jedoch nicht mit joghurtgetränkten Tampons, sagt Albring, denn darin seien wiederum Pilze. Geeignet sind Vaginaltabletten oder Zäpfchen (z. B. "SymbioVag", "Gynoflor"). In chronischen Fällen sollten Penis und Sperma des Partners untersucht und eventuell behandelt werden. Auch ein Besuch beim Zahnarzt kann lohnen, da sich Hefen gern in unbehandelten Karieslöchern verbergen und immer wieder den Intimbereich besiedeln.
  • Dann sollten Sie zum Arzt
    Grundsätzlich immer bei Beschwerden im Intimbereich mit Schmerzen, Harndrang, Juckreiz, Rötungen oder Ausfluss. Für Mädchen und Frauen unter 25 bezahlt die gesetzliche Krankenkasse jährlich ein Chlamydien-Screening. Dieser Test macht Sinn, weil die Infektionen oft unbemerkt verlaufen. Chlamydien-Schnelltests für zu Hause bescheinigt das Robert-Koch-Institut nicht die beste Qualität. Pilzerkrankungen kann man selbst behandeln; beim ersten Mal oder bei mehr als vier Infektionen im Jahr sollte man aber besser zum Arzt gehen, und generell auch in der Schwangerschaft.
  • So beugen Sie vor
    Um Entzündungen der Scheidenregion zu vermeiden, gelten die gleichen Hygieneregeln wie zum Schutz vor Blaseninfektionen. Wechseln Sie während der Menstruation Tampons nur, wenn es notwendig ist, denn sie saugen auch schützende Scheidenflüssigkeit auf. Vorsicht mit allem, was die Haut reizen kann: Enthaarungscremes, Unterwäsche aus Kunstfasern, sehr enge Kleidung, Slipeinlagen mit Plastikfolie. Kondome schützen vor sexuell übertragbaren Keimen wie Chlamydien.
  • Text: Natalie Rösner
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