Frauengesundheit
Was Beschwerden in der Brust bedeuten können

Häufig schmerzt es in der Brust, wenn sich unser Hormonhaushalt ändert oder wir gestresst sind. Was können Beschwerden bedeuten? Ein Überblick.

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Foto: DUEL/cultura/Corbis

"Alles in Ordnung": Viel mehr wollen wir nicht hören, wenn einmal im Jahr, beim Vorsorgetermin, die Brüste abgetastet werden. Aber im Laufe eines Frauenlebens hat fast jede ab und zu Probleme mit ihrem Busen. Oft helfen schon einfache Hausmittel - und das beruhigende Gefühl, die Beschwerden zumindest einordnen zu können.

Die Brust tut vor der Regel weh

Extreme Berührungsempfindlichkeit vor der Regel nennt man Mastodynie. Die Ursache ist ein Ungleichgewicht der Hormone Östrogen und Progesteron, ein "relativer Progesteronmangel". Auch das Hormon Prolaktin, das beispielsweise bei Stress vermehrt ausgeschüttet wird, kann die Brust sehr schmerzempfindlich machen.

Dagegen hilft zunächst mal ein gut sitzender BH. Auch gut: Kalte Umschläge (praktisch sind Tiefkühlerbsen im Beutel, in ein Gästehandtuch gewickelt), Mönchspfefferpräparate aus der Apotheke oder ein Hormongel (Gestagengel, auf Rezept) zum Einreiben. Lassen Sie Kaffee, Tee und Schokolade in der zweiten Zyklushälfte lieber weg, denn sie enthalten so genannte Methylxanthine - und die können die Beschwerden verstärken.

Schmerzen, die nicht mit dem Zyklus zusammenhängen, werden als Mastalgie bezeichnet. Nicht immer liegt die Ursache aber wirklich in der Brust. Der Schmerz kann auch von der Halswirbelsäule ausstrahlen, gelegentlich auch vom Herzen ausgehen. Häufige Ursache ist eine Mastopathie, also eine knotige, teilweise auch zystische Veränderung der Brust. Auch schlecht sitzende BHs können zu Schmerzen führen.

Der Busen ist schwer und spannt

Auch Frauen mit einem kleinen Busen kennen das Problem: Vor der Regel lagert sich im Gewebe vermehrt Wasser ein, die Brust fühlt sich schwer an und spannt. Oft hilft das homöopathische Mittel Aristolochia D12 (in den Tagen vor der Regel einmal täglich fünf Kügelchen oder Tropfen einnehmen). Oder sanfte Massagen mit einem selbst gemachten Öl (zu einem Teelöffel Salatöl je drei Tropfen Wacholder- und Geranium-Öl geben). Entwässernd wirkt Brennnesseltee.

Die Brust schmerzt und ist gerötet

Was viele nicht wissen: Brustentzündungen gibt es auch bei Frauen, die nicht stillen. Oft liegt die Neigung zu solchen Entzündungen an einer gesteigerten Prolaktinbildung (etwa als Nebenwirkung von Medikamenten wie Beruhigungsmitteln, Antidepressiva, östrogenbetonte Antibabypille) oder tritt in Folge einer Schilddrüsenunterfunktion auf.

Bei den ersten Anzeichen (Schmerzen, Schwellung, Rötung) gleich kalte Umschläge machen und das homöopathische Mittel Belladonna D6 nehmen (fünf Tropfen oder Kügelchen pro Stunde). Wenn die Entzündung nach einem Tag nicht abgeklungen ist, sollte man zum Arzt oder zur Ärztin gehen.

Der Busen ist so knubbelig

Bei jüngeren Frauen fühlt sich die Brust häufig sehr knotig an. Besorgniserregend ist das in den seltensten Fällen. Verhärtungen des Drüsen- oder Bindegewebes, eventuell auch kleine oder große Zysten, sind bei Frauen zwischen 30 und 50 eigentlich eher die Regel als die Ausnahme (ungefähr 60 Prozent der Frauen sind betroffen). Vor den Wechseljahren sind Knoten fast immer gutartig. Natürlich sollte jeder Knoten, der einem plötzlich auffällt, trotzdem abgeklärt werden. Aber es macht Sinn, erst einmal die nächste Regel abzuwarten. Viele Knoten sind dann nicht mehr tastbar oder deutlich kleiner. Und das spricht eindeutig gegen Krebs.

Aus der Brustwarze kommt Flüssigkeit

Ungefähr jede zweite Frau kann aus der Brustwarze Flüssigkeit drücken, das ist praktisch immer harmlos. Spontan "läuft" die Brust manchmal beim Sex oder beim Sport, auch Stress kann schuld sein. Auch bei einer Mastopathie tritt manchmal Flüssigkeit aus. Also nicht gleich in Panik geraten, gerade bei jüngeren Frauen ist es in den seltensten Fällen Krebs. Verdächtig ist vor allem, wenn nur eine Brust Sekret absondert.

Und wenn es doch Krebs ist?

Ein "auffälliger Befund" bei der Früherkennung ist noch kein Grund zur Panik: Meistens erweist sich der Knoten bei weiteren Untersuchungen als harmlos. Aber auch Frauen, die an Brustkrebs erkranken, haben heute sehr gute Heilungschancen - wenn sie für die Operation und Nachbehandlung ein qualifiziertes Zentrum aufsuchen. Eine ganz aktuelle Studie der Universitätsklinik Ulm zeigte: Unter den Frauen, die nach neuesten wissenschaftlichen Standards behandelt wurden, überlebten 90 Prozent die ersten fünf Jahre nach der Diagnose Brustkrebs. Unter Patientinnen, bei denen von den Leitlinien abgewichen wurde, waren es nur 55 Prozent.

Kleines Knoten-ABC

  • Adenom
    Ein gutartiger Knoten aus Drüsenzellen. Wenn der Knoten zusätzlich bindegewebige Anteile enthält, nennt man das Fibroadenom (bei Frauen um die 30 ziemlich häufig).
  • Adenose
    Knotige Veränderungen des gesamten Drüsengewebes.
  • Fibrom
    Ein gutartiger, ziemlich fester, aber gut abgrenzbarer Bindegewebsknoten.
  • Lipom
    Ein (meist eher weicher) gutartiger Knoten im Fettgewebe.
  • Mastopathie
    Die Brust ist knubbelig, weil Binde- und/ oder Drüsengewebe verhärtet und verdickt sind. Wenn gleichzeitig Zysten (mit Füssigkeit gefüllte Holhlräume) in der Brust vorhanden sind, bezeichnet man das als fibrozystische, fibrös-zystische oder zystisch-fibröse Mastopathie.


Ist der Knoten gut- oder bösartig?

  • Krebsverdächtig:
  • ein Knoten, der nach den Wechseljahren neu auftritt
  • "steinharte" Konsistenz
  • der Knoten lässt sich nicht gegen Haut und Brustmuskel verschieben
  • der Knoten fühlt sich nicht rund und gut abgegrenzt an
  • Eher gutartig:
  • ein glatt begrenzter Knoten, der sich gut verschieben lässt
  • der Knoten wird nach der Regel kleiner
  • der Knoten bildet sich vor den Wechseljahren

  • Text: Dr. Sabine Thor-Wiedemann
    Ein Beitrag aus BRIGITTE
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