Frauengesundheit
Brustkrebs

Kein Krebs trifft Frauen so oft wie Brustkrebs. Die Diagnose macht Angst. Doch dank moderner Therapien kann die Brust heute oft erhalten werden.

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Brustkrebs - was ist das eigentlich?

Brustkrebs - Mediziner sprechen von Mammakarzinom - ist ein bösartiger Tumor in der Brustdrüse. Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen: Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts erkranken jedes Jahr mehr als 55.000 Frauen in Deutschland daran, beinah jede zweite von ihnen ist jünger als 60 Jahre. Fünf Jahre nach der Behandlung sind noch vier von fünf Patientinnen am Leben.

Wer bekommt Brustkrebs?

Mediziner gehen davon aus, dass Brustkrebs durch eine Kombination aus genetischer Veranlagung, Lebensweise und Umwelteinflüssen entsteht. Vier bis neun Prozent aller Brustkrebsfälle sind erblich bedingt: Die Mediziner kennen inzwischen sechs Brustkrebsgene. Deren Vorhandensein führt aber nicht in allen Fällen dazu, dass Brustkrebs entsteht. Sind jedoch enge Verwandte an Brustkrebs erkrankt, kann man von einem erhöhten Risiko ausgehen.

Die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen spielen bei der Entstehung von Brustkrebs eine wichtige Rolle. Daher erhöht die Hormonersatztherapie, wie sie bei Wechseljahresbeschwerden manchmal verordnet wird, das Risiko, Brustkrebs zu bekommen: Sie kann unentdeckte Brustkrebszellen zum Wachsen anregen.

Wenn Frauen übermäßig viel Alkohol trinken oder Übergewicht haben, steigt der Östrogenspiegel im Blut und damit auch das Brustkrebsrisiko. Raucherinnen entwickeln häufiger Brustkrebs als Nichtraucherinnen. Frauen, die schon früh ihre erste Regel hatten und spät in die Wechseljahre kamen, erkranken mit höherer Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs. Ebenso haben kinderlose Frauen ein etwas höheres Risiko als Frauen, die schon mehrere Kinder geboren haben. Gefährdet sind auch Frauen mit knotigen Veränderungen in der Brust (Mastopathie).

Welche Beschwerden sollten mich aufhorchen lassen?

Brustkrebs ist lange nicht zu spüren. Meist fällt er einer Frau erst dann auf, wenn sich bereits ein Knoten in der Brust gebildet hat. Darüber hinaus kann es auch zu Veränderungen der Brust kommen. Wenn die Brust hart wird, spannt, juckt oder drückt, sich die Haut entzündet, die Brustwarze ihre Form ändert oder Flüssigkeit austritt, sind dies Anzeichen, die auf Brustkrebs hindeuten.

Wie stellt der Arzt fest, ob ich betroffen bin?

Oft stellt der Arzt Brustkrebs bei der Tastuntersuchung fest, bei der die Brust, die Lymphknoten in den Achselhöhlen und über dem Schlüsselbein abgetastet werden. Bei Verdacht auf Brustkrebs schließt sich eine Mammografie an, bei der die Brust mit niedrig dosiertem Röntgenlicht durchleuchtet wird. Per Ultraschall lässt sich feststellen, ob der Knoten aus Gewebe bestehen oder es sich um mit Flüssigkeit gefüllte Zysten handelt.

Um abzuklären, ob ein Knoten gutartig oder bösartig ist, nimmt der Arzt mit einer Stanznadel eine Gewebeprobe, die unter dem Mikroskop untersucht wird. Außerdem lassen sich so verschiedene Aussagen über den Tumor treffen: Besitzen seine Zellen Rezeptoren für Östrogen und Progesteron, kommt eine Hormontherapie in Frage. Ist im Tumor das körpereigene Eiweiß HER2 vorhanden, kann man sein Wachstum mit dem Krebsmittel Herceptin hemmen.

Wie kann man Brustkrebs behandeln?

Um Brustkrebs zu beseitigen, muss gewöhnlich operiert werden. In 70 Prozent der Fälle ist heute eine brusterhaltende Operation möglich. Gewöhnlich werden dabei auch die Lymphknoten unter der Achsel entfernt. Sind die Tumoren schon größer als drei Zentimeter, bekommt die Patientin vor der Operation eine Chemotherapie, um die Tumoren zu verkleinern. Nach einer brusterhaltenden OP ist eine Strahlentherapie unbedingt nötig: So werden alle Krebszellen, die eventuell nicht herausgeschnitten wurden, abgetötet. Manchmal erzielt man jedoch ein besseres ästhetisches Ergebnis, wenn die Brust erst amputiert und später wieder aufgebaut wird.

Es gibt außerdem verschiedene Fälle, in denen eine Brustamputation, auch Ablatio oder Masektomie genannt, unumgänglich ist, etwa bei größeren Tumoren, wenn der Krebs sich schon weit in die Milchgänge ausgebreitet hat oder eine Verbindung zur Brustwarze hat. Nach der Amputation folgt der Wiederaufbau der Brust, entweder mit körpereigenem Gewebe oder einem Implantat.

Eine Strahlentherapie kommt nur in Ausnahmefällen als einzige Behandlung zum Einsatz, etwa wenn eine Frau keine Operation möchte. Nach einer brusterhaltenden Operation ist Bestrahlung obligatorisch, nach einer Amputation nicht in allen Fällen nötig. Sie beginnt in der Regel sechs bis acht Wochen nach der Operation, es sei denn, es schließt sich zuerst eine Chemotherapie an.

Nach der Operation kann auch eine ambulante Chemotherapie folgen, die etwa ein halbes Jahr dauert. Die Patientin erhält per Infusion eine Reihe von Medikamenten, so genannte Zytostatika. Zwischen den einzelnen Behandlungszyklen liegen mehrere Wochen Pause, damit sich der Körper von der Therapie erholen kann. Chemotherapie ist heute viel besser verträglich als früher, es kommt aber immer noch zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Durchfall und Erbrechen. Außerdem fallen bei den meisten Frauen die Haare aus. Chemotherapie hilft außerdem, Beschwerden zu lindern, wenn der Krebs bereits weit fortgeschritten und damit unheilbar ist.

Manche Tumorzellen haben Rezeptoren für die weiblichen Sexualhormone Östrogen und Gestagen. In diesem Fall ist eine Hormontherapie möglich. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten: So besetzen Anti-Östrogene die Rezeptoren an den Tumorzellen, so dass das Östrogen nicht andocken kann. Bei der Behandlung können Blutungen auftreten, außerdem steigt das Thromboserisiko. Aromatasehemmer verhindern, dass Östrogen freigesetzt wird; als Nebenwirkung können sie Muskel- und Gelenkbeschwerden auslösen.

Andere Behandlungsformen setzen direkt an den Eierstöcken an: So ist es möglich, die Eierstöcke per Operation zu entfernen oder durch eine Strahlenbehandlung ausschalten. Möchte eine Frau später Kinder haben, kann man die Eierstöcke mit Hilfe von GnRH-Analoga zeitweise daran hindern, dass sie Östrogen zu produzieren. All diese Maßnahmen versetzen die Frau in einen Zustand, der den Wechseljahren ähnelt.

Ist im Tumor das Eiweiß HER2 vorhanden, kann man sein Wachstum mit einer Antikörpertherapie bremsen. Hierbei kommt das Krebsmittel Herceptin zum Einsatz, das seit Sommer 2006 in der Therapie zugelassen ist.

Gibt es auch sanfte Heilmethoden?

Brustkrebs ist eine gefährliche Krankheit, die von Schulmedizinern behandelt werden muss. Alternative Heilmethoden können helfen, das Befinden der Frau während der Therapie zu verbessern. Entspannungsübungen wie autogenes Training oder Yoga helfen etwa bei Erschöpfungszuständen, Akupunktur kann Übelkeit und Schmerzen lindern. Patienten sollten immer mit ihrem Arzt sprechen, bevor sie ergänzend zu ihrer Therapie alternative Heilmethoden einsetzen.

Für viele alternative Heilmethoden ist nicht wissenschaftlich nachgewiesen, dass sie wirklich wirken, warnt der Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auch fehlen oft Informationen über mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit schulmedizinischen Medikamenten. Denn dass etwa vermeintlich "sanfte" Mittel mit natürlichen Wirkstoffen generell ungefährlich sind, ist ein Irrtum.

Zudem lockt Krebs viele Geschäftemacher auf den Plan, die die Verzweiflung der Patienten nutzen, um ihnen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Zur Vorsicht rät der Krebsinformationsdienst vor allem:

  • wenn der Anbieter dem Patienten verbietet, mit seinem schulmedizinischen Arzt Rücksprache über die alternative Therapie zu halten.
  • wenn der Anbieter dazu rät, die schulmedizinische Therapie abzubrechen.
  • wenn der Anbieter verspricht, seine Heilmethode helfe gegen alle Arten von Krebs und Krebs in allen Stadien.
  • wenn der Anbieter Vorkasse verlangt.
  • wenn der Anbieter im Ausland sitzt und/oder das Mittel nur über das Internet bestellt werden kann.

Durch Ernährung lässt sich Krebs nicht beeinflussen. Krebsdiäten und Fastenkuren, die den Tumor aushungern sollen, können sogar gefährlich sein: Sie verbieten oft Energie- und Vitaminlieferanten, die in der kräftezehrenden Krebstherapie wichtig für die Patienten wären.

Die wohl bekannteste alternative Heilmethode bei Krebs ist die Misteltherapie, die ihren Ursprung in der anthroposophischen Lehre hat. Außerhalb des deutschsprachigen Raumes weitgehend unbekannt, ist sie in Deutschland weit verbreitet. In vielen Fällen übernehmen die Krankenkassen die Kosten für die Behandlung. Dabei wird rezeptfrei erhältlicher Mistelextrakt unter die Haut gespritzt. Die Hersteller der Mistelpräparate versprechen verschiedenste Wirkungen: So sollen die Mittel Appetit steigern, Schmerzen lindern, widerstandsfähiger gegen Infekte machen, die Stimmung und das Wohlbefinden verbessern.

Viele Frauen sind überzeugt, dass die Mistel ihnen hilft, sich besser zu fühlen. Bis heute aber sind sich Experten nicht einig, ob Mistelpräparate tatsächlich den Gesundheitszustand verbessern oder gar Tumoren bremsen oder heilen können, wie verschiedentlich behauptet wird. Die vorliegenden wissenschaftlichen Studien zur Misteltherapie sind wenig aussagekräftig, auch wenn es Hinweise gibt, dass sie das Wohlbefinden von Brustkrebspatientinnen während der Chemotherapie verbessert. Es fehlen aber verlässliche Studien über die Nebenwirkungen der Mistel - die Hersteller der Präparate machen hierzu unterschiedlichste Angaben, etwa Fieber, Schüttelfrost oder allergische Reaktionen.

Mehr wissenschaftlich geprüfte Informationen zu alternativen Heilmethoden bei Krebs sind auf der Website des Krebsinformationsdienstes zu finden.

In der konventionellen Krebstherapie lassen sich teilweise drastische Nebenwirkungen leider nicht verhindern: So lässt etwa Chemotherapie die Haare ausfallen, Bestrahlung reizt die Haut, Hormontherapie löst Hitzewallungen aus. Hier hat der Krebsinformationsdienst umfangreiche Informationen zusammengestellt, wie man Nebenwirkungen wie diese - auf sanftem und schulmedizinischem Wege - behandeln kann.

Wie kann ich mich schützen?

Ein gesunder Lebensstil senkt das Brustkrebs-Risiko deutlich, daher sollten Frauen wenig Alkohol trinken, auf ihr Gewicht achten und regelmäßig Sport treiben. Unter bestimmten Umständen kann die Hormonersatztherapie gegen Wechseljahresbeschwerden das Brustkrebs-Risiko steigern. Frauen mit familiär erhöhtem Risiko sollten diese Behandlung daher meiden.

Früherkennung kann Brustkrebs zwar nicht verhindern, sie hilft aber, ihn rechtzeitig festzustellen und zu behandeln. Jede Frau sollte regelmäßig ihre Brust abtasten. Der beste Zeitpunkt hierfür liegt zwischen dem siebten und zwölften Tag nach Beginn der Regelblutung. Bei der Gelegenheit sollte man auch im Spiegel überprüfen, ob sich das Aussehen der Brust verändert hat. Bei Frauen über 30 zahlen die Krankenkassen einmal im Jahr eine Tastuntersuchung beim Frauenarzt.

Seit 2007 gibt es in Deutschland ein flächendeckendes Mammografie-Screening für Frauen zwischen 50 und 69: Alle zwei Jahre werden Frauen dieses Alters zu einer Röntgenuntersuchung der Brust eingeladen; die Kosten für die Mammografie tragen die Krankenkassen. In den USA wird diskutiert, ob sich gesunde Frauen mit familiär erhöhtem Brustkrebsrisiko vorsorglich die Brüste amputieren lassen sollen. Dies ist ein drastischer Schritt, der nur nach Beratung mit dem Arzt überhaupt erwogen werden sollte.

Wo bekomme ich mehr Informationen?

Der Verein Frauenselbsthilfe nach Krebs bietet den Kontakt zu zahlreichen lokalen Selbsthilfegruppen an. Dort finden Sie unter anderem auch einen Brustkrebs-Risikocheck.

Auf der Website der Initiative Mamazone sind unter anderem ein umfangreiches Lexikon und unter dem Punkt "Diagnose Brustkrebs" hilfreiche Checklisten zu finden.

Der Verein Brustkrebs Deutschland stellt auf seiner Homepage viele Broschüren zum Download bereit, etwa mit Tipps zum richtigen Abtasten der Brust oder gegen die Nebenwirkungen der Chemotherapie.

  • Text: Angelika Unger
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