Diagnose Brustkrebs: Das ist jetzt wichtig
Aus psychologischer Sicht: "Durchhänger sind gestattet"
Privatdozentin Dr. Monika Keller, Leiterin der Sektion Psychoonkologie am Universitätsklinik Heidelberg, empfiehlt:
Nehmen Sie eine vertraute Person zu Arztgesprächen mit
Die Diagnose Brustkrebs hat Sie wie ein Schlag getroffen. Dieser "Ausnahmezustand" wird sicher ein paar Tage, vielleicht auch einige Wochen dauern. Sie haben das Gefühl, nicht mehr klar denken zu können. Sie können sich nur schwer konzentrieren und sind kaum aufnahmefähig. Ihr Kopf scheint gleichzeitig übervoll und leer zu sein. Vieles, was von außen an Sie herangetragen wird, erreicht Sie gar nicht.
Keine Angst, Sie verlieren nicht den Verstand! Das ist in einer solchen seelischen Notfallsituation, wie Sie sie gerade erleben, eine völlig normale Schutzreaktion. Nehmen Sie deshalb zu allen wichtigen Gesprächen zum Beispiel mit Ihrem Arzt so oft wie möglich eine Person Ihres Vertrauens mit, Ihren Partner, Ihre Schwester, eine gute Freundin. So haben Sie jemand, der gut zuhören, nachfragen und hinterher alles noch einmal mit Ihnen besprechen kann.
Räumen Sie alle Zweifel an der Therapie aus
Nehmen Sie sich so viel Raum und Zeit, wie Sie brauchen, um die notwendigen Entscheidungen im Zusammenhang mit der Therapie zu treffen. Wichtig ist, dass Sie voll und ganz hinter allen Therapiemaßnahmen stehen. Eine Tumoroperation, eine Chemo- oder Strahlentherapie sind kein Spaziergang! Dafür müssen Sie alle Ihre Energiereserven und Kräfte mobilisieren. Zweifel und Zwiespältigkeiten schwächen Sie nur und können unter Umständen Nebenwirkungen verstärken. Räumen Sie sie aus.
Akzeptieren Sie den Blues nach der Behandlung
Steht fest, wie die Therapie verlaufen soll, gibt dieser Plan vielen betroffenen Frauen ein gewisses Maß an Stabilität und Orientierung. Die körperlichen Probleme haben in dieser Phase höchste Priorität. Dafür brauchen Sie Ihre ganze Energie. Erst wenn die Behandlung - vorläufig - abgeschlossen ist, die schützende Routine also entfällt, rutschen die Patientinnen oft in ein tiefes Loch. Unsicherheit, wie es im Leben weitergehen soll, Ängste, ob die Krankheit besiegt ist, machen sich breit.
Auch das ist völlig normal. Akzeptieren Sie Ihre Traurigkeit, Ihre Stimmungsschwankungen, Ihre widersprüchlichen Gefühle. Und haben Sie Geduld mit sich selbst. Dieser Prozess braucht seine Zeit, er kann nicht turbomäßig abgekürzt werden. Es dauert einfach eine Weile, bis Sie Ihr seelisches Gleichgewicht halbwegs zurückgewinnen und bis der Boden unter Ihren Füßen Sie wieder trägt. Dann ist immer noch Zeit, Ihr Leben zu überdenken und zu überlegen, was Sie eventuell verändern und welche Richtung Sie einschlagen möchten.
Vielleicht stellen Sie nach dieser Blues-Phase aber auch fest, dass alles in Ihrem Leben gut so ist, wie es ist, und Sie genau dort weitermachen wollen, wo die Krankheit Sie rausgerissen hat.













