Brustkrebs
Das müssen junge Frauen wissen

Auch junge Frauen kann die Diagnose Brustkrebs treffen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zu Früherkennung, genetischem Risiko und Krebs und Kinderwunsch.

Wie häufig ist Brustkrebs bei jungen Frauen?

An keiner anderen Krebsart erkranken Frauen in Deutschland so häufig wie an Brustkrebs: Jedes Jahr wird die Krankheit bei 57.000 Frauen neu festgestellt - das ist jede Vierte, die in Deutschland die Diagnose Krebs bekommt. Im Durchschnitt sind Frauen in Deutschland 63 Jahre alt, wenn der Brustkrebs entdeckt wird. Bei jüngeren Frauen wie Sylvie van der Vaart ist die Krankheit vergleichsweise selten: Von 100.000 Frauen unter 35 erkranken statistisch gesehen nur neun an Brustkrebs; in der Altersgruppe zwischen 35 und 39 sind es 53. (Zum Vergleich: Bei den 60-Jährigen ist die Wahrscheinlichkeit sechsmal so hoch.)

Wenn Frauen übermäßig viel Alkohol trinken oder Übergewicht haben, steigt der Östrogenspiegel im Blut und damit auch das Brustkrebsrisiko. Wer die Pille nimmt, hat ein geringfügig höheres Risiko, allerdings sinkt das Risiko für Gebärmutter- und Eierstockkrebs. Bei einem Teil der Brustkrebsfälle spielen genetische Faktoren eine Rolle: Die Mediziner kennen inzwischen mehrere so genannte "Brustkrebs-Gene". Deren Vorhandensein führt aber nicht in allen Fällen dazu, dass Brustkrebs entsteht.

Soll ich schon mit 30 zur Mammografie gehen?

Sylvie van der Vaarts Diagnose macht vielen jungen Frauen Angst. Trotzdem ist es nicht sinnvoll, sich gleich bei der Frauenärztin zur Mammografie anzumelden: Das Brustkrebs-Risiko ist für Frauen unter 40 so gering, dass der mögliche Nutzen das Risiko durch die Strahlenbelastung der Mammografie nicht aufwiegt. Außerdem ist das Brustgewebe jüngerer Frauen so dicht, dass die Mammografie wenig aussagekräftige Ergebnisse liefern kann. Eine Mammografie wird jüngeren Frauen deshalb nur dann empfohlen, wenn Brustkrebs in ihrer Familie veranlagt ist.

Sinnvoll ist es hingegen, die eigene Brust regelmäßig selbst abzutasten. Das Deutsche Grüne Kreuz stellt auf seiner Website eine bebilderte Anleitung hierfür bereit.

Der beste Zeitpunkt für die Selbst-Untersuchung liegt zwischen dem siebten und zwölften Tag nach Beginn der Regelblutung. Bei der Gelegenheit sollte man auch im Spiegel überprüfen, ob sich das Aussehen der Brust verändert hat. Wenn die Brust hart wird, spannt, juckt oder drückt, sich die Haut entzündet, die Brustwarze ihre Form ändert oder Flüssigkeit austritt, sind dies Anzeichen, die auf Brustkrebs hindeuten können. Bei Frauen über 30 zahlen die Krankenkassen einmal im Jahr eine Tast-Untersuchung beim Frauenarzt. Diese kann das regelmäßige Abtasten der eigenen Brust jedoch nicht ersetzen!

Kann ich testen lassen, ob Brustkrebs bei mir genetisch veranlagt ist?

Bei fast jeder Frau lassen sich genetische Veränderungen finden, die auch bei Brustkrebs vorkommen. Deshalb ist ein Gentest nur dann sinnvoll, wenn es Hinweise auf ein erhöhtes Risiko in der Familie gibt: zum Beispiel wenn zwei nahe Verwandte (Mutter, Schwester, Tochter) vor ihrem 50. Lebensjahr an Brustkrebs erkrankt sind. Diese Betroffenen müssen dann auch in die Genanalyse mit einbezogen werden.

Außerdem ist vor so einer - aufwändigen - Untersuchung, gut zu überlegen, welche Konsequenzen das Testergebnis für Ihr weiteres Leben haben kann. Ausführliche Beratung und Informationen dazu gibt es bei den 19 Zentren für "Familiären Brustkrebs", die Adressen finden Sie unter www.krebshilfe.de.

Wie wird Brustkrebs bei jungen Frauen behandelt?

Grundsätzlich gelten Krebserkrankungen bei jüngeren Frauen zwar als aggressiver, doch im Einzelfall lässt sich daraus keine Prognose oder Therapie-Empfehlung ableiten. Diese ist vielmehr abhängig von einer Vielzahl von Faktoren, die immer genauer diagnostisch erfasst werden können: etwa der Größe des Tumors, seiner genauen Beschaffenheit und der Frage, ob schon Krebszellen in die Lymphknoten oder andere Organe "gestreut" wurden.

Trotz all des Schreckens, den die Diagnose "Krebs" auslöst, ist es deshalb wichtig, sich Zeit zu nehmen für die Suche nach einer spezialisierten Klinik - indem man sich zum Beispiel an ein zertifiziertes Brustzentrum wendet. Eine Adressenliste finden Sie auf der Website der Deutschen Krebsgesellschaft.

Kann eine Frau nach einer Brustkrebs-Therapie noch Kinder bekommen?

Es ist sehr wichtig, schon bei der Therapieplanung über dieses Thema nachzudenken, denn eine Chemotherapie kann die Eierstöcke und damit die Fruchtbarkeit der Frau empfindlich schädigen.

Heute gibt es verschiedene Möglichkeiten, um die Chancen auf eine Schwangerschaft nach Chemotherapie zu erhöhen: So können die Eierstöcke vor der Chemotherapie durch Medikamente "stillgelegt" werden; die Patientin wird also vorübergehend künstlich in die Wechseljahre versetzt. Auch können vor der Chemotherapie Eizellen entnommen werden. Die befruchteten oder unbefruchteten Eizellen werden konserviert und können zu einem späteren Zeitpunkt in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Eine andere Methode wird erst seit wenigen Jahren erprobt: Eierstockgewebe wird vor der Chemotherapie entnommen, eingefroren, und später wieder eingesetzt. Diese Methode hat allerdings weltweit erst zu wenigen Schwangerschaften geführt.

  • Artikel vom 17.06.2009
    Text: Irene Stratenwerth, Angelika Unger
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