Brustkrebs: Wieder gesund. Oder?

Brustkrebs. BRIGITTE-Autorin Vera Sandberg erlebt das zweite Jahr nach dieser Diagnose. Ob die Krankheit wiederkommt, weiß niemand. Aber es geht ihr heute besser denn je.

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Wenn mich heute jemand fragt, wie es mir geht, ist es mir immer ein bisschen unangenehm. Ja, wie geht es mir? Fast zwei Jahre nach der Krebsdiagnose? Die schnelle, einfache Antwort lautet: Es geht mir gut. Unbefangen kann ich nicht mehr antworten. Ich rechne immer mit einer Erwartung des Fragenden. Und das tut weh. Natürlich wollen die Mitmenschen, dass es mir gutgeht. Sie freuen sich, dass ich so gut damit fertig geworden bin. Aber sie forschen ein bisschen tiefer in meiner Mimik als früher, schweigen einen kleinen Augenblick länger, ehe sie zu einem anderen Thema übergehen.

Manchmal, wenn ich müde bin und resigniert, sage ich: Ich weiß es nicht. Und das ist die ganze Wahrheit. Denn ich müsste sagen: Die Bestrahlungsfolgen sind noch nicht ganz abgeklungen. Ab und zu leichte, ziehende Schmerzen, die erinnern. Aber die brauche ich nicht. Der Krebs ist jeden Tag präsent. Alles ist anders. Mein Tod vorstellbar geworden.

Auch wenn die Krankheit mich lange in Ruhe lässt: Mein Körper neigt dazu, also wird er sich auf diese Weise verabschieden. Das muss nicht eher sein als bei noch Gesunden. Nein, ich denke nicht, dass ich bald verschwunden sein werde im Universum und als Sternenstaub meiner letzten Liebe nachsegle. Ich kann auch alles machen. Sport, tanzen, lieben, enge Pullis anziehen, Wein trinken. Ich habe den befürchteten Altersschub nicht erlebt. Das Elend des Körpers hat meine Seelenkräfte mobilisiert. Es hat sich gewehrt, das ganze Ich.

Ich bin dankbar für das, was ich kann. Ich kenne mich, meine Kraft nun besser. Worum ich immer bemüht war: Liebe dich selbst... das ganze Psychoprogramm zum Zufriedensein - mit dem Krebs ist es wie von selbst gestartet. Ich verehre meine Heilkräfte, ich genieße mein Denken und Fühlen. Weil: Ich bin da. Nach ganz großer Gefahr. Weitgehend unversehrt. Eine Überlebende. Ich vergesse nicht. Jeden einzelnen Tag überlebe ich die vorhersehbare Katastrophe. Denn: Brustkrebs ist eine systemische und chronische Krankheit. Der Tumor, den sie mir herausgeschnitten haben, war nur das Symptom. Die Krankheit selbst kann man nicht operieren. Mit der muss man leben.

Heute versteht BRIGITTE-Autorin Vera Sandberg ihre Krankheit als Teil ihrer Biografie. Ihre bewegendes Buch über ihre Erfahrungen ist jetzt erschienen: "Krebs. Und alles ist anders", BRIGITTE-Buch im Diana-Verlag, 16,90 Euro.

Sie können das Buch im BRIGITTE-Shop bestellen.

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  • Text: Vera Sandberg
    Foto: Mathias the dread/Photocase
    Ein Artikel aus der BRIGITTE 04/09
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