Rauchen
E-Zigarette - gesund oder gefährlich?

Dampfen oder qualmen? Weltweit rauchen Millionen Menschen E-Zigarette, Tendenz steigend. Ist das gesünder als die klassische Kippe - oder gefährlich? Erste Studien verweisen auf mögliche Gesundheitsrisiken.

Foto: istock/Thinkstock

Das Röhrchen zwischen den Fingern drehen, zum Mund führen, daran ziehen, tief einatmen, kurz halten und dann dem weißen Dunst nachgucken, der sich langsam in der Luft verliert. Viele Raucher möchten auf dieses Ritual nicht verzichten - und scheitern deswegen an Nikotinpflastern oder -tabletten, selbst wenn sie ihrer Gesundheit zuliebe mit dem Rauchen aufhören wollen. Von den rund 15 Millionen Tabaksüchtigen in Deutschland sterben pro Jahr etwa 140.000 Menschen an den Folgen des Rauchens. Das sind mehr als 300 täglich.

Wie funktioniert eine E-Zigarette?

Die E-Zigarette besteht aus einer Röhre mit Mundstück und einem Tank für die Flüssigkeit, Liquid genannt. Das Liquid ist ein Mix aus Propylenglykol (süßlich, sorgt für den Dampf), Glyzerin, Lebensmittelaromen und wahlweise Nikotin. Die integrierte Heizspirale, die ihre Energie aus dem aufladbaren Lithium-Ionen-Akku zieht, erwärmt und verdampft das Liquid, das der Raucher dann inhaliert.

Die derzeit beliebteste Alternative für Raucher ist die E-Zigarette, die elektronische Variante der Tabakzigarette. Der Verband des eZigarettenhandels schätzt, dass rund 2,5 Millionen Deutsche zumindest gelegentlich zur E-Zigarette greifen. In den USA hat fast ein Drittel aller Raucher schon einmal eine E-Zigarette benutzt. Glaubt man der Marktforschung, hat sie in zehn Jahren die herkömmliche Tabakzigarette überholt. Ob im BRIGITTE-Forum, bei Instagram oder Twitter - weltweit tauschen sich Tausende "Dampfer" über die besten Hersteller und Geschmacksrichtungen aus.

Wie sich die E-Zigarette auf die Gesundheit auswirkt, beantworten Mediziner und Forscher unterschiedlich. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung rät grundsätzlich vom Rauchen ab, egal mit welcher Zigarette. Kritiker befürchten, die E-Zigarette mache das Rauchen wieder salonfähig und gefährde die Jugend. Auch erste Studien weisen auf die Gesundheitsrisiken des Dampfens hin. So können die eingeatmeten, winzigen Nanopartikel - von denen rund 40 Prozent bis in die Lungenbläschen gelangen - zu Entzündungen führen.

Insbesondere die zweite Generation der E-Zigaretten, bei denen die Liquids höhere Temperaturen erreichen (je heißer die Flüssigkeit, desto intensiver die Wirkung des Nikotins), scheint es in sich zu haben, schreibt das Oxford Journal "Nicotine and Tobacco Research": Hohe Temperaturen zerlegen Glyzerin und Propylenglykol, die als Lösungsmittel in den Liquids verwendet werden, in die Karbonyle Formalaldehyd und Acetaldehyd - beide kommen auch in Tabak vor und gelten als krebserregend.

Einige Suchtforscher sehen dennoch in der E-Zigarette im Vergleich zur Tabakzigarette das geringere Übel. Tobias Rüther von der Tabakambulanz der Uni-Klinik in München behandelt im Jahr rund 600 Raucher und bekommt die Auswirkungen der Sucht auf die Betroffenen und ihre Angehörigen täglich mit. Er hält die E-Zigarette als Umsteigeprodukt für durchaus sinnvoll: "Wir sind für jede Alternative zur Tabakzigarette dankbar. Die E-Zigarette ist um ein Vielfaches harmloser und sollte daher auf keinen Fall verteufelt werden." Ohnehin werde alles, was man verbietet, erst recht konsumiert. "Eine gezielte Kontrolle der Inhaltsstoffe wäre effektiver."

Ein weiterer Pluspunkt der E-Zigarette in seinen Augen: "Der Nikotin-Kick setzt erst später ein, die Sucht wird dadurch regelrecht verlernt", sagt Rüther, der auch Mitglied im Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Suchtmedizin e.V. ist. In einer Übersichtsarbeit für das Ärzteblatt hat er sich mit der aktuellen Forschung zum Thema auseinandergesetzt.

Der Psychologe und Leiter der Raucherambulanz an der TU Chemnitz Stephan Mühlig wägt derzeit noch die Vor- und Nachteile der E-Zigarette ab. "Die Datenlage zur E-Zigarette ist widersprüchlich. Sie ist natürlich weitaus weniger schädlich als eine Tabakzigarette, aber als Mittel der Entwöhnung ist sie noch umstritten." Eine aktuelle Studie des University College London mit rund 6000 ausstiegswilligen Rauchern hat ergeben, dass 20 Prozent von denen, die es mit einer E-Zigarette als Übergangslösung versucht hatten, tatsächlich am Ende Nichtraucher waren. Das sind 60 Prozent mehr als die Probanden, die auf Nikotinkaugummis, -pflaster oder pure Willenskraft gesetzt hatten. Für Mühlig lässt diese Beobachtungsstudie allerdings noch Fragen offen, denn sie hat "methodische Einschränkungen, die die Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse in Frage stellen".

Auch Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg überzeugt die Studie nicht als Hinweis auf den Nutzen der E-Zigarette als Entwöhnungsmittel. "In zwei ähnlichen klinischen Studien war die Erfolgsquote der E-Zigarette im Vergleich zu Nikotinersatzprodukten nicht höher. Außerdem erfasst die Londoner Studie nicht die Rückfallquote der Probanden." Mit Abstand am wirksamsten sei der kalte Entzug: "80 Prozent der Raucher haben ohne Hilfsmittel den Absprung geschafft."

Die meisten Dampfer nutzen die E-Zigarette allerdings ohnehin nicht zur Entwöhnung, sondern als dauerhafte - und zweifellos weniger schädliche - Alternative zur Tabakzigarette. Nikotin allein kann zwar süchtig machen, ist aber im Vergleich zum Zigarettentabak harmlos. Denn in dessen Rauch stecken Teer, Arsen und zig andere Substanzen, von denen Dutzende als krebserregend gelten. Allerdings inhalieren auch Dampfer Zusatzstoffe wie Propylenglykol, Glyzerin und Lebensmittelaromen. Letztere seien nur für die orale Aufnahme zugelassen, so Schaller. "Über ihre Auswirkungen auf die Gesundheit beim Inhalieren gibt es noch keine Untersuchungen." Gleiches gelte für die Langzeitfolgen. Und: "Gerade bei neueren Geräten mit mehr Power gibt es erste Hinweise auf krebserzeugende Substanzen im Dampf." In Labortests wurden Schadstoffe wie Formaldehyd nachgewiesen.

#Vapefest: Liebesbekundungen an die E-Zigarette bei Instagram

Dass Schaller, die am DKFZ ständig mit Krebspatienten zu tun hat, mit einer anderen, wesentlich kritischeren Perspektive auf die E-Zigarette schaut als jemand, der mit Süchtigen arbeitet, liegt auf der Hand. Daher überrascht es nicht, dass sie nikotinfreie E-Shishas und E-Zigaretten durchaus als potenzielle Einstiegsdroge für Kinder und Jugendliche sieht - auch wenn es dazu noch keine verlässlichen Zahlen gibt. "Gerade Flüssigkeiten mit Kindergeschmäckern wie Gummibärchen, Cookie oder Marshmallow sind verführerisch." Der Weg zum Nikotin sei von dort aus nicht mehr weit.

Erste Regeln gibt es bereits zu den E-Zigaretten. So müssen die Inhaltsstoffe der Liquids genau deklariert werden und dürfen nur in kindersicheren Fläschchen verkauft werden. Eine neue EU-Richtlinie besagt zudem, dass nikotinhaltige Liquids wie Tabakprodukte behandelt werden müssen - was ein Werbeverbot und klare Grenzwerte für Nikotin einschließt.

Die bisherige Kontrolle von E-Zigaretten findet nicht nur Katrin Schaller unzureichend. "Bei der Zusammensetzung der Liquids kann es zu einer Abweichung von bis zu 300 Prozent kommen", sagt Psychologe Mühlig. Dagegen hätten Nikotin-Ersatzprodukte wie Pflaster, Inhaler oder Sublingualtabletten als zugelassene Medikamente den Vorteil, dass "nur das drin ist, was draufsteht". E-Zigaretten als Medizinprodukte einstufen zu lassen und sie ausschließlich über Apotheken zu vertreiben, sei trotzdem nicht der Königsweg: "Dann wäre zwar die Qualität gesichert, aber der Zugang erschwert. Eine Zulassung als Medikament dauert fünf bis zehn Jahre."

Was halten Sie von der E-Zigarette? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.

  • Artikel vom 30.5.2014
    aktualisiert am 30.7.2014

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