Was wäre, wenn. Wenn ich zum Beispiel entschieden hätte, damals bei diesem Geburtstag meiner Tante zu bleiben. Wenn ich also nicht in jenen Zug gestiegen wäre. Dann hätte er mir nicht gegenüber gesessen und hätte mir kein Hustenbonbon anbieten können. Dann hätte ich ihm nicht in die Augen geguckt und gesehen, wie sie mich locken, etwas Unvernünftiges zu tun. Ich wäre nicht mit ihm zusammen ausgestiegen, eine Station zu früh, hätte keinen Kaffee mit ihm getrunken und anschließend keinen Wein. Ich hätte ihn später nicht geküsst, ihn nie geliebt und schon gar nicht geheiratet. Fragt sich also: Was wäre dann?
Es gibt kleine, scheinbar unwichtige Entscheidungen, die manchmal riesige Folgen haben. Und große Entscheidungen, die manchmal weniger dramatische Auswirkungen haben, als wir fürchten oder hoffen. Aber was hilft uns, das im entscheidenden Augenblick zu erkennen und vor allem die richtige Wahl zu treffen? Was wäre, wenn ich damals nicht in den Zug gestiegen wäre? Dann wäre ein anderer Mann gekommen, der mir das Wichtigste auf Erden gewesen wäre. Hätte ich den dann irgendwann auch nicht mehr begehrt? Hätte der mich vielleicht nicht betrogen? Wären wir noch zusammen?
Wäre ich jetzt glücklicher?
Wahrscheinlich wäre ich dann nicht in diese Stadt gezogen. Ich hätte vermutlich einen anderen Job. Vielleicht keinen, der sich oft bis in die Nacht zieht. Dann müsste ich eventuell nicht so viel rauchen. Dann hätte ich sicher weniger Stress und bessere Haut und seltener Kopfschmerzen. Und vielleicht nach einer Scheidung bessere Chancen auf dem Partnermarkt.
Manchmal wünscht man sich auf Los zurück. Wenn die Ereigniskette, die einer einzigen Entscheidung folgt, ins Stocken gerät. Wenn das Ergebnis nicht so rosig ist wie erträumt. Dann denkt man: Hätte ich doch. Wäre ich doch mit 19 nach Kanada gegangen... Aber das ist Quatsch. Dann hätte ich nämlich nicht dieses Kind. Nicht dieses Haus, nicht diese Nachbarn und die Freunde. Ich sähe nicht jeden Morgen diese Birke, an der sich neuerdings ein Specht zu schaffen macht. Ich hätte ein ganz anderes Leben. Ich wäre eine andere. Es gäbe dieses Leben gar nicht, das ich Jahr für Jahr täglich neu erfunden habe.
Zahlreiche psychologische Studien haben gezeigt, dass wir mit den negativen Folgen von Entscheidungen - etwa bei Wettspielen - viel besser klarkommen, als wir uns vorstellen. Unsere Psyche ist robuster, als wir denken, und wenn etwas im Leben dumm gelaufen ist, dann erfinden wir uns wieder neu. Wir lernen, mit unseren Entscheidungen weiterzuleben.













